Goldstandard: Heute noch möglich?
Im Flaggschiff der deutschen Mainstream-Medien, der FAZ, wurde kürzlich ein interessanter Artikel veröffentlicht über die Frage, ob in der heutigen Zeit ein klassischer Goldstandard oder ein Bimetallismus überhaupt noch denkbar bzw. möglich ist. Natürlich kommt man dort zum Schluss, dass Edelmetalle in der heutigen Moderne ihre Funktion als Geld verloren haben. Gründe dafür werden im Beitrag zwar genannt, entsprechen aber nicht meiner Auffassung zum Thema Geldpolitik, worauf ich hier ein wenig eingehen möchte.
Dass die FAZ sich als Medium mit enormer Breitenwirkung natürlich gegen Gold und Silber als Zahlungsmittel ausspricht bzw. aussprechen muss, dürfte sich weitgehend von selbst verstehen. Sicher hat auch ein Goldstandard seine negativen Seiten, die positiven überwiegen aber durchaus. Einige der Sichtweisen der FAZ kann man so nicht ganz stehen lassen. Im Folgenden einige Beispiele.
Die FAZ schreibt:
Das typische Geldsystem kombinierte zuvor über Jahrhunderte Gold und Silber in einem festen Austauschverhältnis – der Bimetallismus. Das Problem dabei war, dass sich der Wert der beiden Edelmetalle änderte. Floss etwa durch die Entdeckung neuer Vorkommen mehr Gold nach Europa, wurde Silber relativ wertvoller. Da unter einem bimetallischen Standard Bürger ihr Gold in eine fixe Menge Silber umtauschen können, wird das Ungleichgewicht schnell zum Problem. Liegt die von der staatlichen Münze versprochene Menge über dem Knappheitsverhältnis auf dem freien Markt, dann tauschen schnell viele Menschen ihr Gold in Silber um.
Das Problem des Bimetallismus war nicht der schwankende Preis von Gold und Silber, sondern die hier erwähnten staatlichen Versprechungen. Die Festlegung eines stabilen Wertverhältnisses ist wirtschaftlich unrealistisch. Verschiedene Metalle lassen sich eben nicht über einen längeren Zeitraum zu gleichen Preisen erzeugen, da sich fortwährend die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern. Das Verhältnis von Gold zu Silber schwankte in der Geschichte in der Regel zwischen 1:4 und 1:100. Staatliche Festlegung von Preisen hat mit einem freien Markt nichts zu tun und überhaupt haben Regierungen einen freien Markt nicht zu manipulieren.
Die FAZ schreibt:
Der Goldstandard erscheint heute attraktiv, weil er einen Großteil der Wirtschaft auf Autopilot schaltet. Doch das funktioniert nur dann gut, wenn die Voraussetzungen dafür an den Arbeits- und Produktmärkten gegeben sind. Länder, die Gold verlieren (etwa weil sie mehr Güter importieren, als sie exportieren), müssen die Preise und Löhne senken, also ihre Wettbewerbsfähigkeit über eine Art von innerer Abwertung wiedergewinnen. Doch das ist alles andere als einfach. Wer will sich schon das Gehalt kürzen lassen? (…) Im Regelfall gilt: Löhne und Preise sind fest und nicht so schnell zu ändern.
Es scheint schon fest in die Köpfe der Akademikerschicht indoktriniert worden zu sein: Eine Rezession gilt es mit allen Mitteln zu bekämpfen. “Mit allen Mitteln” soll heißen, dass die Allgemeinheit mit ihrem Einkommen und ihrem Vermögen dafür aufzukommen hat. Da der durchschnittliche Bürger aber nicht ohne Weiteres einen geringeren Lohn akzeptiert, muss das Geld, in welchem der Lohn ausbezahlt wird, entwertet werden. Geldentwertung funktioniert nicht im Goldstandard, darum “benötigen” wir ungedecktes Geld, dessen Wert willkürlich (nach unten) schwankt. Eine Geldentwertung kommt einer Lohnkürzung gleich, es tut aber nicht so weh, da der Bürger es nicht sofort merkt. Heute wird übrigens das volle Programm praktiziert: Lohnkürzung (“Dumping”), Steuererhöhungen und Geldentwertung.
Die FAZ schreibt:
Der Goldstandard funktionierte deshalb gut, weil sich vor 1914 Arbeitskraft so handeln ließ, wie man es ansonsten mit Tomaten tut. Wenn ein Land abwerten musste, konnten die Löhne sinken. In einer Welt mit Gewerkschaften und langfristigen Arbeitsverträgen ist das nicht möglich. Dann wird aus dem Goldstandard schnell ein Problem, das viele Menschen arbeitslos macht.
Im Prinzip geschieht heute genau das selbe: Arbeitskraft wird “wie Tomaten gehandelt” (Personalvermittlungen) und die Reallöhne sinken. Die Menschen erachten es heutzutage als normal, dass der Eintrittspreis für das Hallenbad Jahr für Jahr steigt, ebenso der Preis für den Wocheneinkauf, für die Krankenversicherung und für die Tankfüllung. Das Problem ist hier also nicht der Goldstandard, sondern der Betrug am Verbraucher und Steuerzahler. Was würden Sie sagen, wenn alle Preise im Supermarkt über Jahre gleich blieben, aber Ihr Einkommen kontinuierlich fiele? Sie fühlten sich bestohlen, doch im Grunde geschieht genau das unter dem Schleier von Teuerung und Steuererhöhungen. Die Einkommen steigen zwar auch, aber weniger schnell als die Preise (siehe z.B. hier). Auf diesem Wege wird die Enteignung besser verschleiert.
Die FAZ schreibt:
Schon in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zeigte sich, wie verheerend der Goldstandard in einer modernen Arbeitswelt sein kann. Im 1. Weltkrieg hatten sich alle Kombattanten vom Gold verabschiedet; die Inflation schnellte nach oben. Um zum Gold zurückzukehren, war eine massive Anpassung nötig, die in Amerika und Großbritannien die Arbeitslosigkeit schnell auf zweistellige Werte steigen ließ. Damals geißelte John Maynard Keynes den Goldstandard als „barbarous relic“, als barbarisches Überbleibsel einer überholten Wirtschaftswelt.
Erstens: Tatsächlich ist das angebliche Zitat von Keynes, Gold sei ein barbarisches Relikt eine Fälschung. Keynes schrieb 1923 viel mehr: “In Wahrheit ist der Gold Standard bereits ein barbarisches Relikt”. Dabei erläuterte Keynes nur den geldpolitischen Zustand des Goldstandards im Jahr 1923 in der Überschuldungskrise nach dem Weltkrieg.
Zweitens: Sehr wichtig ist genau dieser Satz: “Im 1. Weltkrieg hatten sich alle Kombattanten vom Gold verabschiedet; die Inflation schnellte nach oben.” Die Finanzierung eines modernen Hightech-Krieges ist unter einem Goldstandard schlichtweg nicht möglich. Unter der Beibehaltung des Goldstandards hätten weder der 1. noch der 2. Weltkrieg, der Vietnamkrieg, die Kriege der USA gegen den Irak wie auch jeder andere moderne Krieg finanziert werden können. Alle diese Kriege wurden und werden letztendlich mit der Vermögensentwertung durch die Ausweitung der Geldmenge von der Bevölkerung bezahlt. In einem Goldstandard hätten diese Kriege den raschen Staatsbankrott jedes beteiligten Staates bedeutet und möglicherweise zig-Millionen Menschen das Leben gerettet.
Dem Goldstandard die Schuld für die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts in die Schuhe zu schieben ist in meinen Augen also nichts anderes als klassische Geschichtsfälschung.
Die FAZ schreibt:
Länder wie Deutschland setzten unter dem „Hungerkanzler“ Brüning auf die Strategie der inneren Abwertung, um an Wettbewerbskraft zu gewinnen. Die Folgen – Millionenarbeitslosigkeit und politische Radikalisierung – sind bekannt. England entschied sich gegen die Politik des immer enger geschnallten Gürtels und verabschiedete sich überraschend schnell und schmerzlos vom Gold. Tatsächlich zeigte sich, dass die Weltwirtschaftskrise überall dort besonders schmerzhaft war, wo man allzu lange am Goldstandard festhielt. (…) Fehlt der „Wechselkurs-Airbag“, muss verlorene Wettbewerbskraft durch sinkende Löhne und Preise gewonnen werden.
Untragbare Reparationszahlungen aufgrund des verlorenen 1. Weltkrieges versetzten die deutsche Wirtschaft in einen Schockzustand, der in einer Hyperinflation (= unkontrollierte Papiergeld-Mengenausweitung) endete. Nach dem Staatsbankrott und der anschließenden Währungsreform vom November 1923 wurden die Goldmünzen des Kaiserreichs mit dem Gesetz vom 30. August 1924 ausdrücklich wieder als gesetzliches Zahlungsmittel im Rahmen der neuen Rentenmark bzw. Reichsmark zugelassen. Sie blieben formal gesetzliche Zahlungsmittel bis 1938, als die Regierung sie außer Kurs setzte und vorschrieb, sie der Reichsbank zum Ankauf anzubieten, was mit Beginn des Zweiten Weltkrieges auch noch auf die silbernen 5- und 2-Reichsmarkstücke ausgedehnt wurde. Der Erste wie auch der Zweite Weltkrieg konnte erst mit der Zwangseintreibung von Gold und Silber und der Abschaffung des stabilen Geldes bzw. der weiten Ausdehnung der Papiergeld-Menge beginnen.
Goldverbot und das Jahrhundert der blutigen Kriege
Übrigens erklärte Franklin D. Roosevelt 1933 den privaten Goldbesitz im Wert von mehr als 100 US-Dollar für illegal. Gold, welches von Bürgern der Vereinigten Staaten nicht freiwillig zu einem gesetzlich festgelegten Preis von 20,67 $ pro Feinunze an die Federal Reserve verkauft wurde, wurde beschlagnahmt und die Besitzer mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. 1944 wurde der Dollar abgewertet (Bretton-Woods-Abkommen), eine Unze Gold kostete somit 35 $. Dieser Kurs war festgeschrieben bis ins Jahr 1971. Die USA führten Krieg gegen Vietnam und wurde durch den harten Dollar international zahlungsunfähig (siehe auch hier). Das durch die Rüstungsausgaben verursachte enorme Haushaltsdefizit war eine große Bürde auch für den Verteidigungshaushalt, der vom Krieg zu 40 % in Anspruch genommen wurde und so die globale Einsatzfähigkeit des US-Militärs gefährdete. Um den Krieg, der zwei Millionen zivile (!) Todesopfer forderte, fortführen zu können musste das Gold aus dem Währungssystem verschwinden. Richard Nixon wollte keinesfalls als der erste Präsident in die Geschichte des Landes eingehen, der einen Krieg verloren hatte.
Nach Gresham wird das schlechtere Geld vom besseren verdrängt, was in der heutigen “Moderne” und in Zukunft wohl den Kampf zwischen weltweiten Papier-Regierungen und Gold weiter anheizen dürfte. Wie sagte Milton Friedman einst so schön: “Inflation ist die einzige Form der Besteuerung, die ohne Gesetzgebung funktioniert.” Er bezeichnete es als “einzigartig”, dass man eine stabile Währung durch uneinlösbares Papiergeld ersetzt.
Jeder große Fehler in der Vergangenheit fand irgendwann sein Ende und verhalf den Menschen dazu sich weiterzuentwickeln. Das Papiergeld-System ist definitiv ein solcher Fehler, der die furchtbarsten Kriege der Menschheitsgeschichte hervorbrachte. Es wäre demnach also alles andere als absonderlich, wenn wir in den kommenden Jahren zu einer stabilen und über Jahrtausende bewährten Geldpolitik zurückkehrten: Gold und/oder Silber als Deckung der Währung.
Dieser Artikel nimmt direkten Bezug auf folgenden Beitrag in der FAZ:
Das Gold hat das Geld hart gemacht
Google Street View – Na und?
Derzeit läuft eine heftige Debatte über den neuen Google-Dienst “Street View”. Der datensammelnde US-Konzern Google lässt Kamerawagen durch alle Straßen der westlichen Welt fahren und generiert aus den gewonnenen Daten ein 3D-Abbild im Internet, in welchem man sich von zu Hause aus bequem umsehen kann.
Das Justizministerium kreischt nun laut auf. Hamburgs Justizsenator Till Steffen beispielsweise fordert nun, die “Rechtslage an die technische Entwicklung anzupassen”. Er plädiert für die Wahrung der Persönlichkeitsrechte und die Sicherheit der Bürger. Die Länder Baden-Württemberg, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und das Saarland haben nun das “Widerspruchsrecht für Betroffene” eingeführt. Ganz besonders schlimm scheint die Tatsache zu sein, dass Google im Zuge der Rundfahrten auch Daten zu WLAN-Netzen erfasst, was inzwischen auch iPhone-Hersteller Apple für sich entdeckt hat. Ich bin wirklich erfreut über die Fürsorglichkeit unserer Volksvertreter. Mir kommen die Tränen.
Etliche Bürger steigen nun auf diese komische Propaganda ein und verbieten Google per Formular das Aufnehmen von Bildern, die sowieso jeder sehen kann. Ihr gutes Recht. Doch klingt das alles fast so dramatisch, dass man meinen könnte Google steige in Wohnungen ein und durchwühle die private Briefpost. Was will das Justizministerium überhaupt damit erreichen? Ist man dort wirklich um uns besorgt? Möchte man von eigenen Überwachungsmaßnahmen ablenken? Will man das Überwachungsmonopol nicht verlieren?
Wasser predigen und hochwertigsten Whiskey saufen
Dass unsere Regierung sich in diesen Tagen als strikter Gegner von Überwachung und als Befürworter von persönlicher Freiheit und Privatsphäre präsentiert ist in Anbetracht der Begleitumstände dann doch etwas unglaubwürdig. Ein Beispiel: Am 03. März 2004 setzte das Justizministerium die Einführung der “Akustischen Wohnraumüberwachung” durch. Auszug aus dem Referentenentwurf:
“Im Kampf gegen Terror und schwerste Kriminalität brauchen wir die akustische Wohnraumüberwachung. (…) Sobald die Länder und Verbände zu dem Entwurf Stellung genommen haben, wird die Bundesregierung das Gesetzgebungsverfahren weiter zügig vorantreiben, um die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts fristgerecht bis zum 30. Juni 2005 umzusetzen“.
Auch die Telefonüberwachung scheint sehr beliebt zu sein beim Bundesministerium der Justiz. 2007 wurden 4806 “Überwachungsmaßnahmen” angeordnet, 2008 waren es sogar 5348. Die genannten Zahlen beziehen sich allerdings nur auf die Abhörmaßnahmen auf Basis der Strafprozessordnung, also im Rahmen laufender Ermittlungs- und Strafverfahren wegen eines konkreten Verdachts auf eine Straftat. Abhöraktionen und Lauschangriffe der Polizei zu präventiven Zwecken sind hier nicht enthalten. Berlins Strafverteidiger beispielsweise schlagen Alarm, denn die Polizei hört die Telefone von immer mehr Bürgern ab. 2007 wurden laut einem Bericht der Morgenpost allein in Berlin fast eine Million Gespräche überwacht!
Sich vertraulich miteinander austauschen zu können, ist übrigens ein Grundrecht: Artikel 10 Grundgesetz schützt das Fernmeldegeheimnis. Was nicht ganz dazu passen will: Nach Telekommunikationsgesetz § 110 und Telekommunikations-Überwachungsverordnung müssen seit dem Jahr 2005 alle Betreiber, die Telekommunikationsdienste für die Öffentlichkeit anbieten, d. h. in diesem Zusammenhang öffentliche E-Mail-Server betreiben, auf Anordnung eine E-Mail-Überwachung durchführen. Anbieter die insgesamt mehr als 10.000 (vor 2008: 1.000) Teilnehmer haben, müssen technische und organisatorische Vorkehrungen zur unverzüglichen Einleitung einer Überwachung treffen, sprich „überwachungsbereit“ sein (Quelle: Wikipedia).
Was kommt als nächstes?
Eine tolle Idee um den unmündigen Bürger vor Räubern zu beschützen hat derzeit die schwedische Regierung. Mit riesigem PR-Aufwand verbreitet man in der Bevölkerung Angst und Schrecken rund um das Thema Bargeld. Es werden unter schwedischen Politikern sogar Forderungen laut, Bargeld ganz abzuschaffen. Das bedeutet die totale Überwachung der schwedischen Bevölkerung unter dem Deckmantel des Kampfes gegen ausufernde Kriminalität, sofern in Schweden Raubüberfälle überhaupt in nennenswertem Ausmaß existieren.
Ebenfalls interessant: In der Schweiz wurde kürzlich ein Radargerät entwickelt, welches bis zu 22 Autos auf einmal erfassen kann und auch die sogenannte Nummernschild-Erkennung (“wanted car”) beherrscht, was wohl über eine normale Verkehrsüberwachung weit hinaus geht. In einem Artikel des KOPP-Verlag wird das treffend folgendermaßen beschrieben: “Street View einmal anders: ohne Widerspruchsmöglichkeit, heimlich, still und leise…”.
Ein weiteres gruseliges Beispiel der totalen Überwachung findet sich in Mexiko. In der Großstadt León sollen flächendeckend aufgebaute Iris-Scanner alle Bürger kontrollieren. Selbst Sonnenbrillen werden durchleuchtet und jeder Mensch, der sich in der Nähe eines solchen Scanners aufhält wird in sekundenschnelle identifiziert. Was nach Orwell 2.0 klingt ist leider traurige Realität. In naher Zukunft bestimmt auch bei uns.
Fazit
Die Aufregung um Google Street View ist wahrscheinlich überzogen. Richtig ist aber, dass wir Bürger durch eine allmählich perverse Überwachung bedroht werden. Was bisher eher von Konspirationisten lautstark betont wurde scheint sich nun nach und nach zu bewahrheiten: Alles deutet auf vollständige Überwachung, Polizeistaat und Kontrolle hin. Allerdings wohl weniger seitens Google, sondern eigens gewählter (ja, ja…) Volksvertreter.
Unterschwellige Beeinflussung wird populärer
Soeben sagte im Radio ein Experte zum Thema “Studienkredite”, dass eine bildungsferne Familie eher Skrupel habe sich zu verschulden als eine Familie aus der Mittel- oder Oberschicht. Darum studierten sehr wenige Jugendliche aus ärmeren Familien und verpassten so die Chance einer guten Ausbildung. Aber hey, wer lässt sich schon gerne als bildungsfern bezeichnen? Laut diesem Experten bietet die KfW-Bank die besten Konditionen, also nix wie hin und einen Kredit aufnehmen! Oder wie?
Indirekte Botschaften
Wer kennt sie nicht, die Diskussionen über die Anschläge des 11. September mit der einhergehenden Frage, ob diese von muslimischen Terroristen oder von der US-Regierung selbst durchgeführt wurden. Oder die Diskussionen über den wirtschaftlichen Aufschwung, der in diesen Tagen von Experten aller Lager eifrig beklatscht wird, welcher laut anderen Experten aber eigentlich ein Abschwung ist. Oder das Gezanke um eine drohende Deflation, die eigentlich eine Inflation ist.
Das Bundespresseamt hat es nicht leicht: Egal was dort gesagt wird, zehntausende freie Journalisten und Blogger mit inzwischen beachtlicher Leserzahl kommen aus allen Richtungen und behaupten etwas anderes. Bundeskanzlerin Merkel beklagte sich sogar öffentlich über das schwindende Meinungsmonopol: “Heute wird es durch die Vielzahl der Informationskanäle, und besonders durch das Internet, immer schwieriger, ein Gesamtmeinungsbild zu erkennen. Durch diesen sehr großen technischen Wandel ist es schwerer geworden, alle Menschen, alle Generationen zu erreichen, denn diese nutzen die einzelnen Medien mittlerweile sehr unterschiedlich.”
Man kann seitens der Konzern- und Mainstreammedien derzeit einen Strategiewechsel in der Berichterstattung beobachten. Während man in der Vergangenheit im Nein/Doch-Prinzip in blutigen Keyword-Schlachten um die Wahrheit stritt und versuchte unabhängige Schreiber als “Verschwörungstheoretiker” zu diffamieren um sie so ins Abseits zu drängen, so scheinen wir uns nun in eine höhere Ebene des Informationskrieges zu begeben. Der Leser wird nun immer häufiger indirekt manipuliert mit Berichten, deren Inhalte zwar möglicherweise korrekt und nachprüfbar sind. Die Strategie: Um dem Leser eine Meinung zu indoktrinieren wird über etwas ganz anderes berichtet, was aber um sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, die gewünschte Wahrheit voraussetzt.
11. September
Jüngstes Beispiel ist der geplante Moscheebau an Ground Zero. So schreibt beispielsweise die ARD:
Der geplante Moschee-Bau nahe dem Standort des bei den Anschlägen vom 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers hatte in den USA eine hitzige Debatte ausgelöst, weil die Anschläge von Islamisten verübt wurden. Bei Vertretern von Opferverbänden stießen Obamas Worte vom Freitag zum Teil auf scharfe Kritik.
Grundvoraussetzung um sich überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen ist die Annahme, dass die Anschläge des 11. September von muslimischen Terroristen und nicht von der US-Regierung selbst durchgeführt wurden, um einen Krieg gegen Afghanistan zu rechtfertigen. Um die Moschee geht es dabei womöglich überhaupt nicht. Dennoch zieht die Regierung so haufenweise neue Anhänger auf ihre Seite, wenn man den Kommentarbereich bekannter Medien durchforstet. Während der Tenor zu Berichten über “9/11″ seitens der Leser vorher eher kritisch und konspirativ war, so liest man heute empörte Zuschriften von “geschmacklos” über “Verhöhnung der Opfer” bis “Ich will eine Kirche in Mekka bauen“. Die unterschwellige Botschaft der Berichterstattung (= gewünschte Wahrheit) lautet: “Die Moslems waren es! Punkt”. Eine Diskussion über dieses Thema lässt keine andere Meinung zu. Gleichzeitig zieht man erboste Leser auf seine Seite. Die indirekte Propaganda funktioniert hier also bestens.
Die Krise ist vorbei
Ein ähnliches Phänomen ist die momentan wieder aufkeimende Debatte um versprochene Steuersenkungen. Außenminister Guido Westerwelle verkündete folgendes:
Mit dem höheren Wirtschaftswachstum sieht FDP-Chef Guido Westerwelle neuen Spielraum für Steuersenkungen. Angesichts des unerwartet starken Aufschwungs forderte der Bundesaußenminister im Gespräch mit “Bild am Sonntag”, jeden Spielraum für Steuerentlastungen zu nutzen.
Hand aufs Herz: Es wird keine Steuerentlastungen geben. Dennoch wird nun in diversen Foren und Kommentarbereichen wieder hitzig darüber diskutiert, wer sich nun wieder die Taschen vollstopft anstatt den (Zitat:) “Aufschwung weiterzugeben”. Diese bösen Politiker und Wirtschaftsbosse klauen uns einfach den Aufschwung! Die ganze Wut richtet sich zurecht gegen Banker und Top-Manager mit ihren Millionen-Boni, doch welcher Aufschwung ist überhaupt gemeint? Das schuldenfinanzierte Strohfeuer? Um sich überhaupt mit den Aussagen von Herrn Westerwelle zu befassen bedarf es dem Zugeständnis, dass ein echter Aufschwung existiert, was in diesem Fall wohl die unterschwellige Botschaft ist. Tausende Menschen diskutieren, Propaganda erfolgreich.
Angst vor der Deflation
Während der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle den Aufschwung XL verkündet, schürt US-Notenbankchef Ben Bernanke derzeit neue Ängste vor einem Rückfall in die Wirtschaftskrise und fürchtet sich öffentlich vor einer drohenden Deflation. In Anlehnung an die gruselige Hyperdeflation von 1929 schreien Experten nun “Geld drucken!”. 180 Milliarden hier, 900 Milliarden da, 5 Billionen dort… Doch wie will Bernanke dieses unglaublich viele Geld wieder aus dem Markt entfernen? Nicht auszumalen, was mit weltweiten Ersparnissen geschieht, wenn sich diese etlichen Billionen irgendwann in die Realwirtschaft ergießen. Die Angst vor einer Deflation legitimiert jedenfalls das Weiterdrucken von Dollars, darum muss diese Angst immer wieder betont werden.
“Fachkräfte” aus dem Ausland
Einige Ökonomen fordern eine Öffnung der deutschen Gesellschaft für mehr Zuwanderer aus Nahost und Nordafrika. Vor allem die Türkei, Ägypten und Iran seien Länder mit einem attraktiven Potenzial an Arbeitskräften, von denen aus es bereits “Trampelpfade nach Deutschland” gebe. Die Bürger sehen das allerdings anders: 90 Prozent der Bevölkerung sind zwar überzeugt, dass ein ausreichendes Reservoir an qualifizierten Arbeitskräften eine Grundvoraussetzung für einen guten Wirtschaftsstandort ist. Die meisten gehen jedoch davon aus, dass Deutschland diese Voraussetzung längst erfüllt. Denn seien wir ehrlich: Mit Blick auf Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh sind wir, was den Nahen Osten angeht, alles andere als Fachkräfte gewohnt.
Vermutlich benötigen wir weiteren Zustrom aus Nahost, um ein größeres Überangebot an Arbeitskräften zu schaffen und die Löhne noch weiter zu drücken. Die unterschwellige Botschaft soll wohl bewirken, dass wir Bürger uns daran weniger stören. Es gibt übrigens mehr Fachkräfte als Arbeitsplätze: Zahlreiche Akademiker und gut ausgebildete Jugendliche finden keinen Job und werden im Alter aufgrund dessen möglicherweise verarmen. So viel dazu.
Aufgepasst
Der Journalismus ist nicht mehr nur ein sprachliches Schlachtfeld. Politik, Banken, Industrie und deren Lobbys nutzen große Medien als Sprachrohr und Meinungsmache und werden immer geschickter. Dabei werden zukünftig wohl immer seltener Kampfbegriffe wie “Aufflammen der Gewalt”, “Terror”, “Massenvernichtungswaffen”, “Freiheit”, “Wachstum” verwendet, wie es z.B. vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush sehr offensichtlich praktiziert wurde. Eher wird wohl die indirekte Propaganda in Form von etlichen unwichtigen Stories mit unterschwelligen Botschaften eine Renaissance erleben, wie man derzeit schön erkennen kann.

