Freie Marktwirtschaft anstatt soziale Marktwirtschaft?
Möchten Sie
eine soziale Marktwirtschaft, die von Repräsentanten des Volks (Politiker) kontrolliert wird und in der folgende Bedingungen herrschen: Der Fleißige und Leistungswillige übernimmt für alle anderen die volle Verantwortung einschließlich die für die Fehler derer, die in seinem Namen für ihn die Entscheidungen treffen, macht das, was man machen muß, um nicht in der Familie, bei Freunden, bei Arbeitskollegen und Bekannten aufzufallen (in der Regel ohne auch nur einen Gedanken an die vorhandenen Begabungen, Leidenschaften und Werte zu verschwenden) und kann nur einen kleinen Teil des Beitrags zum Allgemeinwohl leisten, den er tatsächlich zu leisten imstande wäre. Die Gemeinschaft hilft durch hohe Steuer- und Sozialabgaben allen, die nicht genügend Geld haben, für sich selber zu sorgen, ohne zu hinterfragen, ob diese sozial Schwachen wirklich ihre Stärken nutzen wollen bzw. wenn dies der Fall ist, ob man ihnen dann auch genügend hilft, damit sie ihre Stärken im Rahmen einer beruflichen Aufgabe auch zur Anwendung bringen können
oder
eine freie Marktwirtschaft, die von allen mündigen Menschen aus dem Volk kontrolliert wird und in der folgende Bedingungen herrschen: Jeder Einzelne übernimmt für sich und sein Leben die volle Verantwortung, macht das, was ihm Freude macht (was seinen Begabungen, Leidenschaften und Werten bestmöglichst entspricht) und leistet damit seinen einzigartigen und damit wertvollen Beitrag zu seinem eigenen und zum Allgemeinwohl. Dazu gehört auch, daß man so ist, wie man ist und deshalb sehr individuelle Bedürfnisse hat, die andere im Rahmen ihrer Lebensaufgabe dann befriedigen. Nur wo eine Nachfrage ist, da entsteht auch ein Markt. Die Gemeinschaft hilft nur dem Einzelnen, der wirklich Not leidet, den kranken und alten Mitmenschen, den anderen dagegen wird nur Hilfe zur Selbsthilfe gewährt.
Erkenntnis
Eine freie Marktwirtschaft, kontrolliert durch den mündigen Konsumenten, der durch sein Verhalten sicherstellt, daß es den Unternehmen nicht an Ideen für innovative Produkte und Dienste mangelt, daß die Unternehmen für die Entwicklung ihrer innovativen und qualitativ hochwertigen Produkte und Dienste belohnt werden, fair am Markt teilnehmen und mit ihren Gewinnen auch einen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten.
Die bestmögliche Kontrolle über die Unternehmen hätten wir, wenn wir konstruktiv zusammenarbeiten würden, indem wir unsere Erfahrungen, die wir mit den jeweils erworbenen Produkten und Diensten bzw. den betreffenden Unternehmen gemacht haben, unseren Mitmenschen über entsprechenden Internetdienste (virtuelle Verbrauchergemeinschaften, Diskussions- und Chatforen,…) mitteilen würden. Je mehr Menschen ihre Erfahrungen offen mit anderen austauschen, desto umfassender und vielfältiger wird das Angebot an Erfahrungsberichten und damit auch die Wahrscheinlichkeit, daß man vor dem Einkauf auf eine Vielzahl unterschiedlicher Erfahrungen zu einem bestimmten Produkt/Dienst zugreifen und diese Erfahrungen als Hilfe für die Kaufentscheidung nutzen kann. Die zu einem bestimmten Produkt/Dienst verfügbaren Erfahrungsberichte können über entsprechende Suchmaschinen und Suchkataloge schnell und gezielt abgerufen werden. Eine hohe Glaubwürdigkeit der geäußerten Erfahrungen würde dadurch sichergestellt werden, daß die jeweilige Person mittels ihrer elektronischen Signatur eindeutig identifizierbar ist. So würde auch wirksam verhindert werden, daß Unternehmen bewußt die Produkte und Dienste ihrer Konkurrenten schlecht machen.
Wir haben nicht nur sehr individuelle Bedürfnisse, sondern stellen auch hohe Ansprüche an ein Produkt/einen Dienst und nehmen uns die Zeit, diese anhand der vom Anbieter bereitgestellten Beschreibung danach zu beurteilen, ob sie für unseren individuellen Anwendungszweck geeignet sind.
Mit Hilfe geeigneter Internetquellen (virtuelle Verbrauchergemeinschaften, Unternehmensdatenbanken, Pressearchive,…) überprüfen wir, ob das Unternehmen nicht ausschließlich im eigenen, sondern auch im Sinne des Allgemeinwohls handelt (also die natürlichen und menschlichen Ressourcen nicht verschwendet). Die dazu notwendigen Fakten müssen für jeden zeit- und ortsunabhängig zugänglich (via Internet) vom Unternehmen selbst, über virtuelle Verbrauchergemeinschaften und beispielsweise von Verbraucherverbänden bereitgestellt werden. Mit Hilfe von hersteller-unabhängigen Testberichten professioneller Tester und Erfahrungsberichten anderer Anwender bewerten wir die Qualität des jeweiligen Produktes/Dienstes und schaffen so durch unser Verhalten die Voraussetzung für eine funktionierende Wettbewerbswirtschaft.
Für den Kunden hat dies den Vorteil, daß er qualitativ hochwertige Produkte und Dienste preiswert erwerben kann und für die Unternehmen ist es vorteilhaft, weil sie durch Qualität und Leistung den Kunden überzeugen können.
Ein Motivationsgrund für den besonders engagierten Einsatz des Kunden (dem Unternehmen eigene Verbesserungsideen mitteilen, Erfahrungsberichte über das Produkt/den Dienst schreiben, das Produkt/den Dienst weiterempfehlen,…), das Unternehmen bestmöglichst bei seinem Wettbewerb mit anderen Unternehmen zu unterstützen, wäre der, daß er so noch möglichst lange von den jeweiligen Produkten/Diensten, die ihm das Leben angenehmer machen, profitieren kann. Darüber hinaus kann der Kunde so am wirksamsten die Produkte/Dienste des Unternehmens mitgestalten.
Diesem Idealzustand entgegen wirkt die sogenannte Beziehungswirtschaft, innerhalb derer nicht die Qualität und der Preis über den Erfolg eines Produkts/einer Dienstleistung entscheiden, sondern enge Beziehungen zu entsprechenden Führungskräften in Politik und Wirtschaft.
Den größtmöglichen Nutzen hätten beide Seiten, sowohl der Kunde, als auch das jeweilige Unternehmen, wenn sie konstruktiv zusammenarbeiten würden. Ein Kunde, der mit den Produkten/Diensten eines Unternehmens sehr zufrieden ist, wird nicht nur ein guter Werbeträger (Mund-zu-Mund-Propaganda) sein, sondern wird den Entwicklern auch seine Erfahrungen, die er mit dem Produkt/Dienst gemacht hat, mitteilen oder noch wertvoller, konstruktive Lösungsvorschläge für bestimmte Probleme liefern.
Das nachfolgende Beispiel soll zeigen, wie mächtig jeder einzelne mündige Mensch ist, der gemeinsam mit seinen Mitmenschen seine Umwelt vorurteilsfrei und kritisch hinterfragt und seinen Schlußfolgerungen gemäß konsequent und verantwortungsbewußt handelt.
Ein besonders wichtiger Bereich, in dem der Kunde tagtäglich durch sein Kaufverhalten über das Schicksal von Millionen von Lebewesen entscheidet, ist der Nahrungsmittelbereich. Ein ständig wachsender Teil von Kunden, die vorwiegend billige Lebensmittel einkaufen, hat für einen noch nie da gewesenen Preiskampf in der Industrie gesorgt. Jetzt haben wir zwar “billige Lebensmittel”, die aber auf Kosten der Tiere (Legebatterien, Tiere, die auf engstem Raum ihr Leben fristen müssen,…) und Menschen (Kopfschlächter, Lohndumping,…) gehen, die in der Nahrungsmittelindustrie arbeiten. Die Tiere werden deshalb zuerst genannt, weil sie nicht für sich sprechen können und deshalb wehrlos unhaltbare Zustände ertragen müssen.
Grundsätzlich kann man als Kunde zwischen biologisch und industriell hergestellten Lebensmitteln wählen. Eine Weiterentwicklung der industriell gefertigten Lebensmittel sind die gentechnisch veränderten Nahrungsmittel, bei denen der Mensch die von der Schöpfung in Jahrmillionen entwickelten Tiere und Pflanzen nach eigenen Vorgaben verändert – der Mensch wird also selbst zum Schöpfer. Während die gentechnisch veränderten Lebensmittel von vielen Verbrauchern noch abgelehnt werden, weil sie intuitiv spüren, daß die Menschheit für solche Eingriffe in den Schöpfungsplan der Natur noch nicht reif genug ist, ist es bei denen, die biologisch hergestellte Nahrungsmittel ablehnen, wohl eher der höhere Preis, das fehlende Bewußtsein bzw. Informationsdefizite darüber, was sie mit dem Kauf biologisch hergestellter Produkte Positives bewirken könnten und der Zweifel darüber, ob da, wo biologisch drauf steht, auch biologisch drin ist.
Mündige Menschen fordern, daß die Tiere, die sie essen, artgerecht gehalten werden (hier fallen mir spontan die Kühe auf der Weide ein, wie sie im Allgäu häufig zu sehen sind), weil sie sich als Teil der Natur sehen und auch in einer Umgebung leben wollen, in der sie sich wohlfühlen. Für tierische Lebensmittel, bei denen die Tiere artgerecht bis zu ihrer Schlachtung gehalten wurden, sind mündige Konsumenten bereit, mehr zu bezahlen. Die Kontrolle, ob die zuständigen Bio-Betriebe ihre Tiere artgerecht halten, übernehmen die mündigen Menschen, die in der Umgebung dieses Betriebs leben, indem sie sich gemeinsam auf den Weg machen und diesen Betrieb aufmerksam (nicht aufdringlich) beobachten und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse über das Internet anderen Verbrauchern mitteilen. Grundsätzlich muß aber ein solcher Bio-Betrieb, der von einem mündigen Menschen in einer funktionierenden Informationsgesellschaft geführt wird, gar nicht mehr kontrolliert werden, da der Inhaber des Betriebes aufgrund seiner Naturverbundenheit aus sich heraus gar nichts anderes möchte, als seine Tiere, die ihm seinen Lebensunterhalt sichern, auch artgerecht zu halten.
Da mündige Menschen auf den Kauf qualitativ hochwertige Nahrungsmittel achten, von denen sie wissen, woher sie stammen und diese bewußt essen, werden sie mit einer geringeren Menge satt und erhalten darüber hinaus auch noch langfristig ihre Gesundheit, so daß sie letztendlich weniger bezahlen, da sie weniger Lebensmittel konsumieren und zusätzlich weniger für Medikamente und ärztliche Dienste ausgeben müssen.
Natürlich kauft der mündige Mensch auch industriell produzierte Lebensmittel (H-Milch, Butter, Süßigkeiten aller Art,…), wenn deren Herstellung nicht gegen die vorher genannten Kriterien verstößt. Konkret bedeutet das beispielsweise, daß er Fleisch und Eier von Tieren, die unter den Bedingungen der Massentierhaltung ihr Leben fristen müssen, ablehnt, weil er weiß, daß Tiere auch seelische und körperliche Schmerzen empfinden können.
Jetzt können Sie selbst beurteilen, was Sie durch Ihr Kaufverhalten, wenn es dem eben beschriebenen entspricht, alles ändern können und ob Sie tatsächlich so machtlos sind, wie Sie vielleicht angenommen haben.
Das folgende Beispiel soll demonstrieren, wie mündige Menschen sich gegenseitig vor Unannehmlichkeiten schützen können.
Eine Firma verteilt Werbeprospekte an mögliche Interessenten. Einer, der die Werbung erhielt, läßt sich daraufhin eine Unterhose als kostenloses Werbegeschenk zuschicken und stellt, nachdem er sie getragen hat, fest, daß sie nicht seinen Wünschen entspricht. Das betreffende Unternehmen schickt daraufhin ohne entsprechende Aufforderung weitere Produkte zu diesem Interessenten mit dem Hinweis, daß er sie entweder nehmen und bezahlen oder zurückschicken soll. Während der bequeme Mensch die unaufgefordert zugeschickte Ware einfach an das Unternehmen zurücksendet oder sie gar kauft, um sich den Gang zum Postamt zu sparen, informiert sich der mündige Mensch, was er im gesetzlichen Rahmen machen kann, um dieses aufdringliche Werbeverhalten ein für allemal einzustellen.
Während der unmündige Mensch dafür sorgt, daß das Unternehmen durch sein penetrantes Verhalten Geld verdient und nicht nur ihn, sondern auch viele seiner Mitmenschen belästigt und ihnen Probleme bereitet, verhindert der mündige Mensch, daß er und seine Mitmenschen von diesem Unternehmen belästigt werden, da es sich finanziell einfach nicht lohnt.
Ein weiteres Beispiel soll zeigen, wie wichtig der mündige Konsument für die Unternehmen ist, die innovative und qualitativ hochwertige Produkte und Dienste entwickeln und gewinnbringend verkaufen wollen.
Ein Unternehmen hat ein innovatives Gerät entwickelt, mit dem man nachweisen kann, wie viel der Betrieb eines elektrischen Geräts (Computer, Elektroherd, Waschmaschine, Telefon,…) pro Stunde kostet. Dazu wird das Meßgerät zwischen die Steckdose und das elektrische Gerät geschaltet, der Zeitmesser gestartet und die am elektrischen Gerät umgesetzte Leistung gemessen. Auf dem Display des Geräts kann man dann am Ende der Messung ablesen, wieviel Euro der Betrieb des elektrischen Geräts für die jeweilige Betriebszeit gekostet hat.
Dieses Gerät ist für den mündigen Konsumenten, der sich der Bedeutung des Energiesparens bewußt ist, ein nützliches Werkzeug, das ihm hilft, die Umwelt zu schonen und überflüssige Geldausgaben zu vermeiden.
Der unmündige Konsument dagegen wird dieses Gerät nicht nachfragen und selbst, wenn es ihm direkt angeboten wird, wird er keinen wirklichen Nutzen in dem Gerät erkennen bzw. den Aufwand scheuen, sich mehr Gedanken über diesen Nutzen zu machen. Der unmündige Konsument wird auch bei steigenden Strompreisen diesen Aufwand scheuen und je nach Liquidität eher noch beispielsweise an Nahrungsmitteln und Kleidung sparen. Für diesen Konsumenten kann ein Unternehmen, das innovative und qualitativ hochwertige Produkte und Dienste entwickeln möchte, nichts nützliches anbieten, da dieser Mensch offensichtlich alle Mühen scheut, die notwendig sind, den Nutzen der innovativen und hochwertigen Produkte und Dienste zu erkennen und so einen entsprechenden Verkauf erst zu ermöglichen, aber nur, wenn der Konsument das tut, kann das Unternehmen existieren und damit bestehende Arbeitsplätze sichern bzw. neue schaffen.
Der mündige Konsument wird mit seinem Verhalten eine wichtige Grundlage für den nächsten wirtschaftlichen Aufschwung sein, bei dem vor allem viele kleine Unternehmen entstehen werden, die selbst und in Zusammenarbeit mit anderen (kleinen) Unternehmen vielfältige (innovative und qualitativ hochwertige) Produkte und Dienste auf dem Markt anbieten.
Da es sich in der Regel um sehr individuelle Produkte und Dienste handelt, haben viele dieser kleinen Unternehmen auch nur einen kleinen, aber treuen Kundenkreis, der genau diese Produkte/Dienste nachfragt. Da es sich in der Regel um einzigartige Produkte/Dienste handelt, haben diese Unternehmen auch keine direkte Konkurrenz. Möglicherweise wird es Nachahmer geben, die die einzelnen Unternehmen sich aber gemeinsam mit mündigen Kunden, zu denen sie eine enge Beziehung aufgebaut haben, vom Leibe halten können. Eine weitere Möglichkeit, wie sich Unternehmen vor Nachahmern schützen können, wäre, daß sie die Innovationen in so kurzen Zeiträumen realisieren und vermarkten, daß den anderen zum Kopieren keine Zeit bleibt, denn die Zeitspanne, die der Kopierer benötigt, um das Produkt/den Dienst nachzuahmen, nutzt der Innovator für weitere Verbesserungen und ist so seinen Kopierern immer einen Schritt voraus.
Wenn viele kleine Unternehmen mit ihren Produkten und Diensten um die Gunst eines kleinen Kundenkreises konkurrieren, hat es Vorteile. So können sich beispielsweise viele kleine Unternehmen im Gegensatz zu wenig großen Unternehmen nur sehr schwer absprechen – der Aufwand hierfür wäre gigantisch und würde vom mündigen Konsumenten sofort erkannt werden. Der mündige Konsument sorgt außerdem durch eine vorurteilsfrei und kritische Auswahl der Produkte und Dienste dafür, daß sich die Gewinne möglichst gleichmäßig unter den am Markt konkurrierenden Unternehmen aufteilen. So haben dann nicht wie bisher bei den Massenprodukten und -diensten einige wenige Villen und Yachten, sondern viele Häuser und kleine Boote.
© Martin Glogger
www.onlinetechniker.de
Der Artikel ist ein Teil aus meinem Buch “Netzwerkkompetenz – warum ?” – Der Bauplan für eine Gesellschaft, in der wir uns alle weitestgehend wohlfühlen können (siehe hier).
IWF und Weltbank: Frieden und Wohlstand?
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat der irakischen Regierung einen Kredit in Höhe von 3,6 Milliarden Dollar gewährt, wie die France-Presse letzte Woche meldete. Grund dafür ist ein IWF-Hilfprogramm für den Wiederaufbau des durch den langjährigen Krieg zerstörten Landes.
Und die Weltbank startet derzeit zusammen mit Superstar Shakira eine Kampagne zugunsten armer Kinder in Lateinamerika und der Karibik. Ein Hilfsfonds von 220 Millionen Euro wird dafür zur Verfügung gestellt.
Man möchte an dieser Stelle sofort loslaufen und allen Beteiligten die Hände schütteln. Schließlich sind die Menschen im Irak durch die Hölle gegangen, nur damit George Bushs Handlanger den Diktator Saddam Hussein aus einem Erdloch ziehen und hinrichten konnten. Und arme Kinder in Lateinamerika und der Karibik haben jede Hilfe bitter nötig. Dass Shakira einen Fonds bewirbt, ist auch super. Doch sind diese Einrichtungen, IWF und die Weltbank, wirklich so barmherzig und am allgemeinen Wohl interessiert, wie es dargestellt wird?
Zuerst muss man wissen, dass IWF und Weltbank Schwesterorganisationen sind. Der IWF wird daher zusammen mit der Weltbank-Gruppe als Bretton-Woods-Institution bezeichnet. Der IWF wurde am 22. Juli 1944 durch eine internationale Übereinkunft gegründet und nahm im Mai 1946 erste Arbeiten auf. Die Weltbankgruppe hatte ursprünglich den Zweck, den Wiederaufbau der vom Zweiten Weltkrieg verwüsteten Staaten zu finanzieren. An der Spitze des Internationalen Währungsfonds steht traditionell ein Europäer (Dominique Strauss-Kahn), während die Weltbank von einem Amerikaner (Robert Zoellick) geführt wird.
Woher beziehen diese Organisationen ihr Geld?
Der IWF hat 186 Mitgliedsländer und überwacht weltweit die Finanzsysteme, um etwa bei einem drohenden Staatsbankrott einzugreifen. Die USA trägt mit 16,77 Prozent den größten Anteil, Japan (6,02 Prozent) und auch Deutschland (5,88 Prozent) zählen ebenfalls zu den Schwergewichten des IWF. Unterm Strich kann man festhalten, dass der IWF von den Steuerzahlern rund um den Erdball finanziert wird, um Milliarden zu verteilen zur Aufrechterhaltung der Globalisierung.
Bei der Weltbank sieht es ähnlich aus. 185 Mitglieder, davon die USA zu 16,38%, Japan 7,86%, Deutschland 4,49%, Frankreich 4,3%, Großbritannien 4,3%. Ein spezielles Ziel der Weltbank ist es, die Privatisierung in Entwicklungsländern voranzutreiben. Der Projektname dafür lautet Private Sector Development.
Überraschend ist, dass die G20 dem IWF grünes Licht für eine Neuausgabe von Sonderziehungsrechten in Höhe von 250 Milliarden Dollar gaben. Diese vom IWF selbst geschaffene künstliche Währungseinheit ging dabei zu 40% an die sieben stärksten Industrieländer und ist ein Mix aus Dollar, Euro, Yen und Pfund.
“Amerikanischer Imperialismus”
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez kündigte im Mai 2007 den Austritt seines Landes aus dem IWF und der Weltbank an. Er warf den beiden Organisationen vor, an der anhaltenden Armut in Lateinamerika schuld zu sein und bezeichnete sie als “Instrument des amerikanischen Imperialismus, um den Völkern eine wilde und ausbeutende Sozial- und Wirtschaftspolitik aufzuzwingen”. Daraufhin gründete Chavez die Bank des Südens, eine südamerikanische Entwicklungsbank, welche als Alternative zu IWF und Weltbank agieren soll. Venezuela blieb aber dennoch Mitglied von IWF und Weltbank.
In diesem Zusammenhang ist auch die Interamerikanische Entwicklungsbank interessant, eine Aktiengesellschaft, die der größte Kreditgeber Lateinamerikas ist, noch vor der Weltbank. Anteilseigner sind 19 amerikanische Staaten sowie Österreich und Deutschland.
Unterm Strich fragt man sich an dieser Stelle, wie das alles zu oben genanntem Hilfsfonds von Shakira und Weltbank passen soll. Gelobt die Weltbank etwa Besserung? Ist das ganze nur Heuchelei? Noch mehr “Imperialismus”? Oder posaunt Chavez einfach nur wieder seine anti-westliche Propaganda?
IWF will mehr Macht
Geht es nach IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, dann darf sich der Wirkungskreis des Fonds nicht nur auf die Stabilisierung von Volkswirtschaften beschränken, sondern muss viel weiter gefasst werden. Er möchte (Zitat:) Frieden und Wohlstand schaffen (?) und die Konsequenzen des Klimawandels bekämpfen. Das sagte er auf der Jahreskonferenz des Bretton-Woods-Komitees. Wie darf man sich das vorstellen?
Der IWF gewährte Indonesien vor einigen Jahren einen Milliardenkredit, der zur Bezahlung privater Kredite aus den Industrieländern dienen sollte. Da der IWF als Gläubiger strenge Auflagen vorschreibt, werden Sozialleistungen und Subventionen drastisch gekürzt. Also wurden den Armen im Lande die Subventionen für Nahrungsmittel gestrichen, was schwere Unruhen in der Bevölkerung auslöste. Aus diesem Grunde zögert wohl auch die Regierung Griechenlands derzeit noch bezüglich einer möglichen IWF-Hilfe.
Als Folge der von IWF und Weltbank vorangetriebenen Globalisierung subventionieren finanzstarke Staaten, wie etwa die EU-Mitgliedsstaaten, heimische Agrarprodukte und exportieren sie in Entwicklungsländer, wodurch die dortige Landwirtschaft zusammenbricht. Das Ergebnis ist alles andere als Frieden und Wohlstand.
Paul Wolfowitz
Der ehemalige Weltbankpräsident Paul Wolfowitz beispielsweise war politischer Berater von George W. Bush und stellvertretender Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten unter Minister Donald Rumsfeld. Im Jahre 1992 entwarf er eine Neufassung der globalen US-Militärstrategie, in welcher er Präventivschläge seitens den USA legitimierte, die Einsatz oder die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen durch feindliche Staaten verhindern sollten. 1998 schrieb er zusammen mit seinem Weltbank-Nachfolger Zoellick und Donald Rumsfeld einen Brief an Präsident Clinton, in dem ein gewaltsamer Regimewechsel im Irak und eine offensivere Politik im Nahen Osten gefordert wurde. Wolfowitz und Zoellick legten also schon in den 90ern den Nährboden für die heutige “Nahost-Politik”. Somit rückt der großzügige Irak-Kredit schnell in ein anderes Licht. 2005 wurde Wolfowitz Weltbankpräsident, 2007 trag er wegen Günstlingswirtschaft zurück.
Robert Zoellick
Der derzeitige Präsident der Weltbank ist ebenfalls ein ranghoher Politiker aus den Regierungen der US-Präsidenten George Bush, George W. Bush und Ronald Reagan. Neben seiner Tätigkeit als Finanzberater diverser US-Präsidenten war er Vizepräsident des Hypothekenfinanzierers Fannie Mae und saß bis 2007 im Vorstand von Goldman Sachs. Er ist Aufsichtsratsmitglied von Enron – der Firma, welche durch seine Bilanzfälschungen einen der größten Unternehmensskandale auslöste, welche die US-Wirtschaft bislang erlebte. Außerdem ist Zoellick Mitlgied der Triliteralen Kommission und der Bilderberger-Gruppe.
Rodrigo Rato
Der ehemalige spanische Wirtschaftsminister war von Mai 2004 bis Oktober 2007 der geschäftsführende Direktor des IWF. Etwa zeitgleich wie sein damaliger Weltbank-Kollege trat er von seinem Amt zurück und führte persönliche Motive für den Amtsverzicht an. Im Oktober 2007 beurteilte er die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft “zuversichtlich”. Das Wachstum werde kräftig und nur leicht gedämpft bleiben. Laut Handelsblatt war der gleichzeitige Chef-Wechsel keineswegs Zufall, sondern vielmehr Ausdruck grundsätzlicher Probleme von IWF und Weltbank. Nach einer wochenlangen politischen Diskussion ist er seit dem 01. Februar 2010 der neue Chef einer der größten spanischen Sparkassen Caja Madrid.
Dominique Strauss-Kahn
Der derzeitige IWF-Präsident ist der Sozialist und ehemalige französische Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn. Seine Kindheit verbrachte Dominique Strauss-Kahn in Marokko und Monaco. In seiner Tätigkeit als Anwalt war er Ende der 1990er Jahre in einen Justizskandal verwickelt, woraufhin er von seinem Amt in der französischen Regierung zurücktrat. Wenig später konnte Strauss-Kahn jedoch von allen Vorwürfen entlastet werden und machte erneut Karriere in der sozialistischen Partei. Nachdem er die Partei von 2004 bis 2007 geführt hatte, wechselte er zum IWF und wartet bis heute auf eine zweite Chance als französischer Präsidentschaftskandidat.
Frieden und Wohlstand
Die Vorsitzenden dieser Institutionen sind also keineswegs unbeschriebene Blätter oder barmherzige Samariter, sondern eher aggressive Wirtschaftspolitiker mit klaren Interessen im Auftrag der westlichen Regierungen. IWF und Weltbank steckten bis 2007 in einer Legitimitäts-Krise. Wirtschaftlicher Aufschwung und die Öffnung der Finanzmärkte erschütterten ihr Alleinstellungsmerkmal. China und Venezuela machen den globalen Finanzinstitutionen Konkurrenz. Heute im Jahre 2010 gibt es keinen Aufschwung mehr, Venezuela steht vor dem Bankrott, in China könnte die Mutter aller Finanzblasen bald platzen. Für die Bretton-Woods-Institution läuft also alles bestens. Ob es sich aber um ein letztes Aufbäumen vor dem Untergang des Papiergeldystems oder um eine echte Rennaissance handelt werden wir wohl schon bald wissen.
Quellen: IWF öffnet seinen Geldbeutel für Irak, Engel Shakira hilft armen Kids, Internationaler Währungsfonds, Weltbank, Währungsfonds (IWF), Prall gefüllte Kasse, Förderung der Privatisierung, Interamerikanische Entwicklungsbank, Strauss-Kahn will IWF unersetzlich machen, IWF und Weltbank: Mit Schulden Politik machen?, Paul Wolfowitz, Robert Zoellick, Dominique Strauss-Kahn, IWF-Chef spekuliert auf französisches Präsidentenamt, Scheidender IWF-Chef verbreitet Zuversicht, Rodrigo Rato wird Chef der Caja Madrid, IWF und Weltbank stecken in Existenzkrise














