Nordgriechenland: 6 von 10 Unternehmen können Mitarbeiter nicht bezahlen


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Die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung im Norden Griechenlands hat keinen Job, die andere Hälfte ist zwar beschäftigt, bekommt aber großteils den Lohn nicht bzw. viel zu spät bezahlt. Eigenheimbesitzer können ihre Grundsteuern nicht mehr bezahlen. Ein Minister weiß Rat: „Verkaufen Sie Ihr Haus.“

Griechenland, Tempel des Zeus
Bild: Wikipedia

Im Norden Griechenlands melden Medien starke Verzögerungen bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter. Sechs von zehn Unternehmen bezahlen ihre Mitarbeiter zwischen drei und 16 Monaten zu spät. In Thessaloniki hat die Arbeitslosenquote 36 Prozent erreicht, in Evros, nahe der türkischen Grenze, haben 40 Prozent keinen Job.

In Giannitsa ist der Markt ist praktisch „tot“, wie KeepTalkingGreece meldet. 56 Prozent der Einwohner haben keinen Job und die meisten gehen inzwischen nach Bulgarien, um einzukaufen. Einige suchen dort auch nach Arbeit, weil die Löhne in Bulgarien inzwischen höher sind, als in Griechenland. Von 100 Fabriken im Jahr 2000 existieren heute nur noch 4, von 17’000 Fabrikarbeitern haben nur noch 800 eine Beschäftigung. Und wie oben beschrieben, erhalten diese großteils keinen Lohn mehr.

Zudem können zahlreiche Eigenheimbesitzer mangels Einkommen ihre Grundsteuer nicht mehr bezahlen. Doch kein Problem, denn der griechische Minister Miltiadis Varvitsiotis hat dafür einen passenden Ratschlag: „Verkaufen Sie Ihr Haus“, wie er auf ANT1 television sagte. „Wer kein Geld hat, um sein Eigentum zu unterhalten, der soll es eben verkaufen.“

Die griechische Regierung hatte aufgrund des Staatsdefizites im April 2010 Anträge auf Staatshilfen von EU und IWF eingereicht. Harte Kürzungen und horrende Preissteigerungen haben bis heute zahllose griechische Familien in den Ruin gestürzt. Von den Rettungsmilliarden profitiert die griechische Wirtschaft kaum, sondern in erster Linie nationale und internationale Banken. Laut Attac Österreich flossen bis heute 207 Milliarden Euro in das Land, 170 Milliarden bzw. fast 80% davon direkt in den Finanzsektor (Stand: Juni).

15 Kommentare

  1. Hab das mal durchstudiert, auch von den links her.
    Bin nicht überzeugt, ob man das in Bausch und Bogen sagen kann. Habe einige Bekannte, die mir da sporadisch berichten. Nachdem, was ich da höre, sieht das für mich so aus:
    In vielen Bereichen, die früher nicht genau rechnen mußten, wurde der Rotstift angesetzt, – mit Auswirkungen auf diejenigen, die vom Überfluß der anderen mal gelebt haben.
    Arbeitsplätze sind geschrumpft, – aber das sind sie ja auch in allen anderen Staaten. In D versteht man es halt blendend, die Statistik zu schönen. Wenn man da sämtliche arbeitsfähigen Leute zusammenzählt, und dann ausrechnet, wieviele wirklich in einem versicherungs-und abgabepflichtigen Arbeitsverhältnis stehen, dann kommt man auf 15 – 20 % Arbeitslose.
    Wenn einer in der Umschulung, in einem Kurs, in einer ABM-Maßnahme, in einem 1-€-Job steckt, etc., wenn jemand als Arbeitsloser erkrankt, wenn die Frau in der Zeit ein Kind bekommt, etc etc. ,- dann wird der oder die nicht mehr als arbeitslos in die Statistik genommen. Wer arbeitslos ist und sich nicht arbeitssuchend gemeldet hat, natürlich auch nicht.

    Wird in GR nicht anders sein. Denen im Süden, die mit Tourismus was am Hut haben, geht es nicht so schlecht. Die Zahlen sind wieder gestiegen.

    Viele sind noch an der goldenen Nabelschnur und lassen sich das Ganze am A. vorbeigehen. Die betrifft es nicht. Andere dümpeln vor sich hin, ohne sich die Ärmel hochzukrempeln. Viele aber sind gar nicht willens, ihren gewohnten Lebensrhythmus zu ändern und mal hinzuklotzen. Andere sind wirklich arm dran, die wollen, aber beim besten Willen nicht können.
    Die Jugendarbeitslosigkeit hängt mit einem europaweiten Problem zusammen: Es gibt in diesen Ländern keine gute Facharbeiterausbildung. Auch wenig Interesse von seiten der Jugendlichen.

    Also – meine Meinung ist: von jedem etwas, – aber nicht schwarz oder weiß.

  2. Will noch ein anderes Beispiel sagen:
    In Österreich gabs (oder gibts noch? Ich weiß nicht) für die Bankangestellten 16 Monatsgehälter. Das heißt, es began mit Urlaubsgeld, dann gabs Weihnachtsgeld, jeweil immer ein Gehalt. Dann hat sich das bis auf vier weitere ausgedehnt.
    Wenn man jetzt spart und sagt, die 4 Gehälter werden gestrichen, – dann kann man natürlich jammern, wie schlecht es einem geht. Die Frage ist, ob das auch glaubwürdig ist.
    Für dieses Beispiel gibts viele Parallelen in Griechenland.

  3. AFP meldet gestern über die derzeitige Abwärtsbremse in GR u.a.:

    „Gerettet vor einem stärkeren Absturz hat die Wirtschaft demnach vor allem der Tourismus. Das Gastgewerbe wuchs im zweiten Quartal 2013 demnach um 5,3 Prozent – nachdem die Branche ein Jahr zuvor noch ein Fünftel ihres Umsatzes eingebüßt hatte. Jetzt aber strebt sie neue Rekorde bei den ausländischen Besucherzahlen an: Erstmals sollen dieses Jahr 17 Millionen Touristen aus dem Ausland nach Griechenland kommen. Das Land profitiert dabei von den Unruhen in Nordafrika und in der Türkei, wo die Touristen ausbleiben.“

  4. Es ware interessant, mal die grundsätzliche Wirtschaftspolitik in Stichworten (sonst wirds zu lang) von 4 Staaten gegenüberzustellen und dann die derzeitige Lage zu vergleichen.
    Damit meine ich Griechenland, Bulgarien, Rumänien und Ungarn.
    Worauf will ich hinaus:
    Die drei erstgenannten sind- soweit ich weiß – IWF-abhängig.
    Ungarn hat den Spinner Orban. Der hat die Kerle von IWF und EZB dankend nach Hause geschickt. Jetzt habe ich gehört, daß er die Renten etwas angehoben hat.
    Macht mich nachdenklich. Sollte der Mann für sein Land mehr erwirken als die andern abhängigen Vasallen?
    Hab zuwenig Einblick, – es wird auch wenig berichtet, was man als realistisch einstufen kann. Zuviel gelenktes Material schwirrt herum, – je nach Interessen.

  5. @helmut

    hatte mich mal mit Thema „Ungarn“ auseinandergesetzt. Das „Ding“ ist, das Orban eine absolut autoritäre Innenpolitik(kennt man ja alles) betreibt, bei welcher Minderheiten/ sog.“Nicht-Ungarn“ zu Maßnahmen herhalten müssen/werden, die unseren der 1- Euro Job- Mentalität entsprechen.
    Die Aufkündigung der Kreditnahme über EZB und IWF und direkten Abzahlungsplan soll dafür gesorgt haben, dass sich ihr Rating verbessert hat.
    Wie genau die anderen Umstände (Kleinstadt- Gemeinde- Länderebene- Korruption & Vetternwirtschaft) dabeiauswirkt ist herauszufinden, um genaueres zu sagen.
    Im Endeffekt scheint eine gewisse wirtschaftliche Stabilität zu entstehen, wenn sich gewisse Kreise etablieret haben und sich das Sozialgefüge untertan macht. Die Banken und Politik können dann nämlich mit klaren Zahlen arbeiten und nach- Macht- Strebende Firmenbesitzer machen ihre Deals mit Städteräten in nicht-öffentlichen Sitzungen, wie bei uns halt :).
    Ohne große Ausgaben, für Schulden u.u.u scheints zu gehen.

  6. P.S: Nach dem globalen Motto ‚Ohne Korruption geht#s nicht?‘
    =wirtsftl. politischer Realismus

    Es geht aber anders, weil es auf Dauer das global nicht-funktionierende System ist,
    es so also nicht sein darf,
    somit immer Optimum- Visionen existieren,
    und mit Wille diese zu perfektionieren sein können,
    daher gehören alte Kreise überprüft & abgesetzt,
    & alle gemeinschaftliche Kraft ins Umdenken, mit Opfern am Konsum und des Status Quo !!!
    Die Geschichte lehrt, dass die großen Veränderungen häufig nur nach begangenen Krisen erfolgen, da der Mensch in & für die Gemeinschaft zu langsam realisiert und so gegen die ZEIT verliert.

  7. Assad deutet einen Gegenschlag seiner Bündnispartner in einem CBS Interview an ,so falsch haben wir also nicht gelegen,man die Finanzlage muss wirklich schlimm sein,wenn die so paranoid handeln wollen,ich traue dem Obama einiges zu, ich hoffe das seine Landsleute ihn stoppen bei der riesigen internationalen Ablehnung seiner Pläne, ist es doch ihre Pflicht. Eure Meinung?

  8. Neues von Griechenland:
    Ich bezweifle, daß das, was man sich so über das „arme“ Griechenland erzählt, so stimmt.
    Meine Tochter ist ein paar Wochen in GR auf dem Land. Sie beschreibt mir ein ganz anderes Bild. Ich will jetzt auf keine Details eingehen, sondern mit was Handfestem aufwarten.
    Sie hat mit einer US-Amerikanerin, die mit einem Griechen verheiratet ist und seit vielen Jahren in Athen wohnt, die Bekanntschaft gemacht. Diese Frau ist Wirtschaftswissenschaftlerin. Die Frau arbeitet grad an einer Studie über die wirtschaftliche Situation in GR. Ich hab sie über meine Tochter gebeten, mir das – evtl. auch gekürzt – zukommen zu lassen. Wird wahrscheinlich in Englisch sein.
    Sollten diese Zustände – wie im Beitrag beschrieben – tatsächlich so zutreffen, dann wird es aber regional bedingt auf den Norden zu begrenzen sein, wo der Tourismus nicht so greift. Aber auch das wird aus der Studie hervorgehen.
    Darüber hinaus werde ich über meine Bekannten versuchen, die Situation in Ungarn und in Bulgarien aktuell herauszufinden, – die Möglichkeit habe ich dazu. Wäre interessant, die wirtschaftlichen Unterschiede sowie die Hintergründe dafür dieser einzelnen Länder gegenüberzustellen. Das kostet mich nicht viel Zeit, weil ich eben meine Bekannten um Infos bitte, die ich dannweiterleite. Schließlich will ich mich ja im Herbst wieder meinem „Hobby“, der DU-Sache, widmen, damit das zu einem Ergebnis kommt.
    Biete das aber als Grundlagen – Info an, weil ma sich ja nur ein Bild machen kann, wenn man in dem Land wohnt und sein tägliches Brot dort verdient.
    Einverstanden, Bürgender?

  9. Im übrigen, der böse Orban hat sich wieder was geleistet (so die letzte Nachricht über meine Verbindungsleute in Ungarn):
    Er hat den Strom- und Gasfirmen auf die Finger geklopft und denen klar gemacht, daß die Preise zu überhöht sind und daß die einfachen Leute das nicht mehr bezahlen können.
    Ergebnis: Letzte Woche wurden Strom und Gas um 10 % gesenkt.
    Hört man was davon im Westen?
    Wohl nicht. Das sind keine geeigneten Nachrichten für Merkeltanien. Man könnte sich ja dann ein anderes Bild von dem IWF-Verweigerer machen…..

  10. @Helmut – Orban? Na also was der da treibt für die Bevölkerung, dass ist ja pöseste Diktatur! Hat der etwa das Notizbuch des Herrn Ghadaffi gefunden?

  11. Orban begibt sich langsam auf heisse Erde. Natürlich werden in den Mainstreammedien seine politischen Errungenschaften todgeschwiegen, bzw. die übliche Deformierung angewendet. Diese Taktik kennen doch alle, die keine Scheuklappen tragen.
    Er muß aufpassen, daß er nicht irgendwann gegaddafit wird, denn wer den IWF und somit den Dollar ablehnt, der ist bald … (ein Wort mit drei Buchstaben, aber nicht rot)!
    http://lupocattivoblog.com/2013/09/16/wehe-dem-der-nicht-nach-rothschilds-pfeife-tanzt-muammar-gaddafi/

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