Indianer, Nordamerikas Ureinwohner: Opfer eines Genozids?


Archiv/Nord-/Südamerika

Wurden die Indianer, die Ureinwohner Amerikas, Opfer eines Genozids durch die europäischen Besatzer?

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
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„En-chief-sitting-bull“ by David Francis Barry (1854-1934) – This image is available from the United States Library of Congress’s Prints and Photographs division under the digital ID cph.3c11147. Licensed under Public Domain

Da sich viele Stämme mit den sich gegenseitig bekämpfenden Europäern verbündeten und damit gegen andere Stämme kämpften, statt geschlossen gegen alle Invasoren vorzugehen, nahmen die Indianer praktisch an ihrer eigenen Ausrottung teil. Dennoch wurden sie insbesondere von den Besatzern aus England gezielt auf verschiedenste Weisen ausgerottet. Die Population nahm um bis zu 98 Prozent ab.


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Als Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern wird die geplante Massenvernichtung der sogenannten indianischen Bevölkerung nach der Ankunft der Europäer in Nord- und Südamerika laut vielen Quellen beizeichnet.

Die Anzahl der Todesopfer schwankt je nach Quelle erheblich, zum Teil aufgrund der Tatsache, weil europäische Chronisten erst nach dem Beginn des Völkermords Daten dazu erfassten. Insgesamt sollen zwischen 50 und 100 Millionen Indianer in Nord- und Südamerika getötet worden sein.

Nach der Ankunft der Europäer wurden 80 bis 90 Prozent der Ureinwohner ermordet, einige Quellen schreiben auch von 96 oder 98 Prozent. Dafür waren jedoch nicht nur die Kampfhandlungen verantwortlich, sondern auch ins Land geschleppte Krankheiten, insbesondere die Pocken. Damit wurden die Ureinwohner laut einigen Quellen auch absichtlich angesteckt, was zu Epidemien geführt hat.


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Wurden die Indianer Opfer eines Genozids?

Laut einem Buch von Ward Churchill, Professor für Volkskunde an der Universität von Colorado, reduzierte sich die Bevölkerungsanzahl der nordamerikanischen Indianer von geschätzten 12 Millionen im Jahr 1500 auf knapp 237.000 im Jahr 1900.

David E. Stannard, Historiker an der Universität von Hawaii, schrieb, Indianer hätten den „schlimmsten Massenmord, den die die Welt je gesehen hat“ erfahren. In der Encyclopedia of Genocide, die vom Gelehrten Israel Charny editiert wird, wird die Ausrottung der Indianer als „schnell zu erreichendes Ziel“ der US-Regierung bezeichnet.

Der Kambodscha-Experte Ben Kiernan schrieb, Völkermord sei die „einzige angemessene Weise“ das Schicksal der Indianer zu beschreiben. Im History News Network wird die Frage, ob es sich um einen Völkermord handelt oder nicht, in einem Artikel erörtert. Zweifellos lebten auf dem Hoheitsgebiet der USA am Ende des 19. Jahrhunderts nur noch rund 250.000 Ureinwohner.


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Die Frage sei jedoch, wie viele es zum Zeitpunkt des Eintreffens der Europäer waren. Doch so oder so: Der dramatische Rückgang der Indianer-Bevölkerung ist Fakt, ob es sich um einen Völkermord nach Definition handelt oder nicht, ist jedoch umstritten. Vielleicht ist es besser, der Leser entscheidet das selbst. Einige Beispiele:

Indianer wurden mit Pocken und anderen Krankheiten infiziert

In Briefen zwischen den beiden britischen Offizieren General Jeffrey Amherst und Oberst Henry Bouquet wurde ausdrücklich die Idee befürwortet, mittels mit Pocken verseuchter Decken die Indianer im belagerten Fort Pitt zu ermorden.

Amherst billigte diesen Plan und schlug vor, auch „jede andere Methode zu nutzen, die dazu dienen könne, die diese abscheuliche Rasse auszurotten.“ Später schrieb der Kommandeur William Trent: „Wir gaben ihnen zwei Decken und ein Taschentuch aus dem kleinen Pocken-Krankenhaus.


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Ich hoffe, dass dies die gewünschte Wirkung haben wird.“ Tatsächlich gab es zwischen 1836 und 1840 eine schlimme Pocken-Epidemie, die darauf zurückzuführen ist. „100.000 oder mehr Todesfälle“ waren die Folge, viele Stämme wie die Mandan wurden dadurch praktisch ausgerottet.

Andere Quellen besagen jedoch, dass die Indianer nicht absichtlich infiziert worden seien. Die Pocken-Epidmien seien von spanischen Rindern ausgegangen, welche die Wasserreserven der Indianer verunreinigt hätten, bzw. die Behälter, welche von Indianern zum Auffangen von Regenwasser aufgestellt wurden.

Auch andere damals tödliche Krankheiten wurden ins Land getragen, wie die Masern, Grippe, Keuchhusten, Diphtherie, Typhus, Pest, Cholera, Syphilis und Scharlach. Laut Alfred W. Crosby, ehemaliger US-Historiker an der Universität von Texas, sind 75 bis 90 Prozent aller Todesfälle auf „unsichtbare Killer“, also Krankheiten zurückzuführen.

Eine vorsichtige Schätzung des Anthropologen Jack Wetheford besagt, dass die Bevölkerung der Insel Hispaniola (Haiti und die Dominikanische Republik) in weniger als 10 Jahren nach Ankunft der Europäer von 500.000 aus 100.000 fiel. Krankheiten spielten hier allerdings keine Rolle. 

Zerstörung der Kultur

Als Christoph Columbus im Jahr 1492 auf den westindischen Inseln eintraf (er hielt seine „Entdeckung“ bis zu seinem Tod für Indien, daher auch die Bezeichnung „Indianer“), geschah dies im Auftrag der Königin, der Ehre und Gottes. Seine Schiffe brachten einige Priester mit, die Gottes Werk vollenden sollten.

Die Indianer weigerten sich jedoch zum Christentum zu konvertieren und wurden zu Tausenden getötet. Laut einem Brief, den Kolumbus am 06. November 1492 an Königin Isabella sandte, schrieb er: „Ich bin davon überzeugt, … wenn fromme religiöse Menschen ihre Sprache sprechen könnten, würden wir sie zu Christus bekehren.“ Er betonte mehrfach seine Absicht, die Indianer zu „christianisieren.“

Die US-Regierung war bestrebt, die Anzahl der Indianer zu verringern und die immer kleiner werdende ethnische Gruppe in die europäisch-amerikanische Kultur zu integrieren. Die Stammesreligionen wurden verboten.

Kinder wurden dazu aufgefordert Internate oder Industrieschulen in Europa zu besuchen, wo sie gezwungen wurden, ihre alten Sprachen und Sitten aufzugeben. In vielen lateinamerikanischen Ländern wurde versucht, die Indianer durch geplante Rassenmischung praktisch als ehtnische Gruppe zu zerstören (Mestizaje).

Verhältnis zur US-Regierung

Zu den später gegründeten Vereinigten Staaten hatten die Indianer von Beginn an ein sehr kompliziertes Verhältnis. Aus Sicht der Ureinwohner handelte es sich nach wie vor um besetztes Land. Einige Stämme überfielen und beraubten Siedlungen und stellten somit aus Sicht Washingtons eine Gefahr dar.

Im 19. Jahrhundert wurden verschiedene Stämme hauptsächlich in Georgia, Alabama und Florida in die USA integriert. Sie vermischten sich mit den Weißen, sprachen englisch und betrieben Plantagen. Mit dem „Indian Removal Act“ von 1830 versuchte man, rund 50.000 Cherokee, Chickasaw, Choctaw und andere aus ihrer Heimat im heutigen Oklahoma zu entfernen.

Die US-Regierung wollte die Indianer zwingen, sich in eine 2.200 Meilen entfernte Region zu begeben, stellte dafür jedoch keine Transportmittel bereit. Man war sich im Weißen Haus sicherlich bewusst, dass viele der Ureinwohner, insbesondere Kinder und ältere Menschen, auf dem Weg dorthin sterben würden. Aufgezeichnet wurden 4.000 Tote, einige Schätzungen gehen von bis zu 25.000 Toten aus.

Das Wounded Knee Massaker, 29. Dezember 1890

Ein Schaman der Sioux mit dem Namen Wovoka führte den synkretistischen „Geistertanz“ ein. Er vermischte dafür einige Teile des christlichen Glaubens mit zahlreichen Naturreligionen der Indianer. Wovoka lehrte, man solle einander lieben, in Frieden leben, hart arbeiten und es unterlassen zu stehlen und zu kämpfen.

Auch die traditionelle Selbstverstümmelung lehnte er ab. Damit wollte er das Böse von der Welt entfernen und ein Zusammenleben in Liebe, Glaube und Wohlstand schaffen. Diese Interpretation verbreitete sich rasch unter den Sioux, worauf die US-Behörden hellhörig wurden.

Die Missionare sowie einige Anhänger der neuen Bewegung wurden verhaftet und hingerichtet, 150 Sioux wurden getötet. Dieses Massaker wurde von der siebten US-Kavallerie durchgeführt. Es stellte die Rache dar für eine im Jahr 1876 geschehene spektakuläre Niederlage gegen die Sioux unter dem Kommando von General George A. Custer.

Das Sand Creek Massaker, 29.11.1864

„Verdammt jeden, der mit Indianern sympathisiert … tötet sie und zieht ihnen die Kopfhaut ab, ob groß oder klein; aus Nissen werden Läuse“, wird Col. John Chivington zum Sand Creek Massaker vom 29.11.1864 zitiert.

An diesem Tag reisten 700 Soldaten von Colorado und umliegenden Gebieten zu „Peace Chiefs“ der Stämme Cheyenne und Arapahoe. Die Invasoren waren von den Indianern eingeladen worden, um die Indianerkriege zu beenden. Die Bleichgesichter kamen jedoch nicht in Frieden, sondern eröffneten ohne Vorwarnung das Feuer.

Colonel Chivington und seine Männer schnitten Schwangeren die Embryos aus den Bäuchen, töteten Säuglinge durch Fußtritte, verstümmelten die Genitalien von Männern und Frauen und dekorierten ihre Pferde und Wagen mit Körperteilen (Kopfhaut, Genitalien usw.). Ihre Trophäen stellten sie während einer Parade in Denver zur Schau.

Massaker an den Shoshone-Indianern, 29.01.1863

Am 29. Januar 1883 griffen US-Soldaten ein Dorf der Shoshone-Indianer an und massakrierten hunderte Dorfbewohner, auch Kinder, Alte und Frauen. Der Vorfall ging als Bear River-Massaker in die Geschichte ein.

Massenhinrichtung von Dakota-Indianern, 26.12.1862

Am 26. Dezember 1862 richteten die USA insgesamt 38 Dakota-Indianer öffentlich hin. Es handelt sich dabei um die größte richterlich verordnete Massenexekution in der Geschichte der USA. Dem voraus ging der sogenannte Dakota-Krieg, ein bewaffneter Konflikt zwischen dem US-Militär und den Dakota-Indianern.

Der Konflikt war ausgebrochen, nachdem die Indianer von US-Geschäftsleuten in die Schulden getrieben und ab 1858 nach und nach ihr Land gepfändet wurde.

Das Gnadenhütten-Massaker, 08. März 1782:

Die Kolonialmächte ermordeten am 08. März 1782 insgesamt 96 Angehörige des christlichen Lenape-Stamms. Einen Tag zuvor hatte man die 28 Männer, 29 Frauen und 39 Kinder festgenommen und über ihr Schicksal abgestimmt. Das einzige Verbrechen der Ureinwohner war ihre Hautfarbe, doch warf man ihnen den Überfall auf Siedlungen in Pennsylvania vor.

Man beschloss die Indianer hinzurichten und zertrümmerte den 96 Menschen mit einem schweren Hammer der Reihe nach die Schädel. Anschließend stapelte man die Leichen in ihren Hütten und brannte die Gebäude nieder. Gegen die schuldigen Soldaten der Pennsylvania-Miliz unter dem Kommando von Captain David Williamson wurde nie Anklage erhoben.

Kopfgeld auf jeden feindlichen Indianer, 1694

Im Jahr 1694 gab das Gericht von Massachusetts alle „feindlichen Indianer“ zum Abschuss frei und setzte ein Kopfgeld aus. Als Beweis für eine Tötung reichte die Kopfhaut. Im Jahr 1704 „mäßigte“ man diesen Beschluss und setzte das Kopfgeld auf Kinder unter 10 Jahren, später unter 12, wieder aus.

Einige Stämme verbündeten sich mit den Invasoren

Einige Indianerstämme verbündeten sich auch mit anderen Mächten. Wie etwa ab dem Jahre 1689, als sich viele Stammesführer mit den Franzosen gegen die Briten oder auch umgekehrt zusammentaten. Etwa in King William’s War (1689 bis 1697) verbündeten sich die Irokesen mit den Engländern, die Abenaki-Konföderation mit den Franzosen.

Im Queen Anne’s War (1702 bis 1713) verbündeten sich die Choctaw und die Creek mit den Franzosen gegen die Engländer. Während des King George’s War (1744 bis 1748) versuchten die Engländer erfolgreich die kampfstarken, lange Zeit neutralen Irokesen auf ihre Seite zu ziehen.

Im French and Indian War (1754 bis 1763) konnten sich die Engländer letztendlich gegen die Franzosen durchsetzen und wurden die stärkste Macht in Nordamerika.

Die Kriege führten zur Unabhängigkeit der USA

Da die Kämpfe gegen die Franzosen und die mit ihnen verbündeten Indianer sehr teuer waren und für einen Anstieg der Staatsverschuldung sorgten, wurden für englische Siedler in Nordamerika massiv die Steuern erhöht.

Dies sorgte für Empörung in den Kolonien und führte zu schweren Konflikten mit dem Mutterland. Letztendlich bereiteten die teuren Kriege gegen die Franzosen den Weg zur Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika von Großbritannien.

War Kolumbus wirklich der erste „Entdecker“?

Bereits knapp 20 Jahre vor Kolumbus hat einigen Quellen zufolge der deutsche Seefahrer und Freibeuter Didrik Pining Amerika „entdeckt“. Bis 1468 jagte er im Dienste Hamburgs englische Handelsschiffe im Nordatlantik. Ab 1468 dient er dem dänischen König Christian I und war von nun an Statthalter von Island.

Dort bekämpfte er erfolgreich Schmuggel und Piraterie. Im Auftrag des Königs sollte er neue Inseln und Länder entdecken. 1473 erreichte er Grönland, landete später an der Küste Labradors und segelte südwärts an Neufundland (Kanada) vorbei.

Im Jahr der Kolumbus-Abfahrt verschwand er plötzlich spurlos und wurde nie wieder gesehen. Die Entdeckung Amerikas 1492 unter spanisch-kastilischer Flagge schuf die Grundlage für das spätere spanische Kolonialreich.

Quellenangaben anzeigen
googlebooks, ohiocentral, googlebooks, rationalwiki, gollnik, historynewsnetwork, keepfree


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