Zensur: London nimmt PressTV aus dem Programm


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Das britische Office of Communications Ofcom hat einen der letzten sehenswerten Nachrichtensender vollständig aus dem Programm gestrichen. PressTV ist in Großbritannien nun „off air“. Der im Iran sitzende Nachrichtenkanal sendet in englischer Sprache rund um die Uhr und versteht sich offiziell als Konkurrenz zu den bekannten internationalen Fernsehsendern BBC World News, CNN, Al Jazeera, France 24 und Russia Today und bietet gut recherchierte Hintergrundnachrichten, die der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden sollten. Die Zensur dieses Senders ist ein weiterer, einschneidender Schritt im Informationskrieg gegen die freie Rede und senkt Großbritannien auf das Niveau der iranischen Führung herab, wo ausländische Sender wie BBC oder CNN ebenfalls unter Zensur stehen. Mit diesem Schritt hat der britische Staat einen wichtigen Gegner ausgeschaltet, der den Einsatz in Afghanistan, im Irak oder in Libyen stets kritisch hinterfragt und durchleuchtet hatte. Eine unparteiische Meinungsbildung soll den Einwohnern Großbritanniens auf diese Weise erschwert werden.

In Großbritannien werden etliche Millionen pro Jahr ausgegeben, um den Menschen eine staatlich konstruierte Meinung zu indoktrinieren, in den USA sprechen wir dabei sogar über Milliarden. Durch die Zensur alternativer Medien beschneidet ein Staat die Meinungsfreiheit und die Möglichkeit, sich andere Meinungen anzuhören. Wo kämen wir denn hin, wenn uns ausschließlich durch unsere Staatspresse über Horrormeldungen zu Ahmadinejad, Assad, Putin oder Chavez informieren würden, ohne diese Präsidenten selbst zu Wort kommen zu lassen? PressTV, das 24-Stunden-Newsportal, das 2007 ins Leben gerufen wurde und ein entscheidendes Gegengewicht zu den westlichen Nachrichtensendern darstellt, gelang der Durchbruch, als in Großbritannien eine Sendegenehmigung erwirkt werden konnte, um den freien britischen Bürgern das Weltgeschehen aus einer anderen Perspektive präsentieren zu können.

Die Tatsache, dass PressTV seinen Sitz im Iran hat, lässt nun alle Alarmglocken läuten. Denn nachdem man sämtlich Kollaborateure der iranischen Regierung in einem möglichen Krieg gegen den Westen ausgeschaltet oder sehr stark geschwächt hat („Arabischer Frühling“), und spätestens seitdem das US-Außenministerium immer wieder betont, dass der Iran ein Feind der Vereinigten Staaten, Europa und Israels sei, hört man in nicht allzu weiter Ferne schon wieder die Kriegstrommeln erklingen. Steht ein weiterer Angriffskrieg vor der Tür? Zumindest würde es zur Zensur der einzigen iranischen Stimme in Großbritannien passen. Plant man tatsächlich einen Überfall auf den Iran, dann ist es mehr als einleuchtend, dass die Regierungen nur kontrollierte PR zulassen werden. In Großbritannien BBC oder CNN. In Deutschland dann eben N24, Phoenix oder SpiegelTV Digital.

Chris Bambery, Polit-Analyst aus London erläutert die möglichen Beweggründe Großbritanniens: „Für mich bietet PressTV ein viel breiteres Spektrum in Bezug auf bürgerliche Interessen, die Republikanische Partei in den USA oder den freien Markt, als es bei BBC der Fall ist. Ich habe mit verschiedenen Leuten diskutiert und ich denke,  dass PressTV eine großartige Arbeit leistet. Wir wissen dass es Druck aus einer Reihe von britischen Lobbys, aus dem Auswärtigen Amt und in der BBC gab, Press TV vollständig aus dem Programm zu nehmen.“

httpv://www.youtube.com/watch?v=Gffi-fAA2fw&feature=channel_video_title

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