"Amerikas jüngste Botschafterin"
07.07.1983: Samantha Smith reist in die Sowjetunion


Geschichte/Russland/USA

Am 07. Juli 1983 reiste die 11-jährige Samantha Smith („Amerikas jüngste Botschafterin“) in die Sowjetunion. Nach einem Brief an den sowjetischen Generalsekretär Andropow erhielt Samantha eine persönliche Einladung, welche sie annahm. Zwei Jahre später kam sie bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Samantha Smith
Samantha Smith, Bild: Gegenfrage.com, Flaggen Sowjetunion + USA gemeinfrei

Samantha Reed Smith (29. Juni 1972 – 25. August 1985) war eine amerikanische Schülerin, Friedensaktivistin und Kinderschauspielerin aus Manchester, Maine, USA. Sie erhielt während des Kalten Kriegs zwischen den USA und der Sowjetunion einen höheren Bekanntheitsgrad.

Im Jahr 1982 schrieb Smith einen Brief an den neu ernannten Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Juri Andropow. Sie erhielt eine Antwort mit einer persönlichen Einladung für einen Besuch der Sowjetunion, welche sie annahm.

Der Brief:

Liebe Samantha,

Ich habe Deinen Brief erhalten, der wie viele andere ist, die ich kürzlich aus Deinem Land und aus anderen Ländern auf der ganzen Welt erhalten habe. Es scheint mir – ich sehe es in Deinem Brief – dass Du ein mutiges und ehrliches Mädchen bist, die Becky ähnelt, der Freundin von Tom Sawyer, in dem berühmten Buch Deines Landsmannes Mark Twain. Dieses Buch ist in unserem Land bekannt und beliebt bei allen Jungen und Mädchen.

Du schreibst, dass du besorgt bist wegen eines möglichen Atomkriegs zwischen unseren beiden Ländern. Und du fragst, ob wir etwas tun können, damit ein solcher Krieg nicht ausbricht. Deine Frage ist die wichtigste, die sich jeder denkende Mensch stellen kann. Ich werde Dir ernsthaft und ehrlich antworten.

Ja, Samantha, wir in der Sowjetunion versuchen alles zu tun, damit es keinen Krieg auf der Erde gibt. Das ist es, was jeder sowjetische Mensch will. Das hat uns der große Gründer unseres Staats, Wladimir Lenin, gelehrt.

Die Sowjetbürger wissen, was für eine schreckliche Sache der Krieg ist. Vor 42 Jahren griff uns das nationalsozialistische Deutschland an, das die Vorherrschaft über die ganze Welt anstrebte. Es verbrannte und zerstörte viele Tausende unserer Städte und Dörfer, tötete Millionen sowjetische Männer, Frauen und Kinder.

In diesem Krieg, der mit unserem Sieg endete, waren wir im Bündnis mit den Vereinigten Staaten. Gemeinsam kämpften wir für die Befreiung vieler Menschen von den Nazi-Eindringlingen. Ich hoffe, dass Du davon aus Deinem Geschichtsunterricht in der Schule weißt.

Und heute wollen wir unbedingt in Frieden leben, mit all unseren Nachbarn auf dieser Erde handeln und kooperieren. Mit denen, die weit weg sind und mit denen in der Nähe. Und natürlich mit einem so großartigen Land wie den Vereinigten Staaten von Amerika.

In Amerika und in unserem Land gibt es Atomwaffen. Schreckliche Waffen, die Millionen von Menschen in einem Augenblick töten können. Aber wir wollen nicht, dass sie jemals benutzt werden. Genau aus diesem Grund hat die Sowjetunion feierlich der ganzen Welt erklärt, dass sie niemals – niemals – Nuklearwaffen gegen irgendein Land einsetzen wird.

Im Allgemeinen schlagen wir vor, die weitere Produktion von ihnen einzustellen und mit der Abschaffung aller Bestände auf der Erde fortzufahren. Es scheint mir, dass dies eine ausreichende Antwort auf Deine zweite Frage ist: „Warum wollen Sie Krieg gegen die ganze Welt oder zumindest gegen die Vereinigten Staaten führen?“

Wir wollen nichts dergleichen. Niemand in unserem Land – weder Arbeiter, Bauern, Schriftsteller oder Ärzte, noch Erwachsene oder Kinder oder Regierungsmitglieder – wollen einen großen oder „kleinen“ Krieg.

Wir wollen Frieden – es gibt etwas, mit dem wir uns beschäftigen: Weizen anbauen, bauen und erfinden, Bücher schreiben und in den Weltraum fliegen. Wir wollen Frieden für uns selbst und für alle Völker unseres Planeten. Für unsere Kinder und für Dich, Samantha.

Ich lade dich ein, wenn Deine Eltern es erlauben, in unser Land zu kommen, die beste Zeit dafür ist dieser Sommer. Du wirst etwas über unser Land erfahren, dich mit Gleichaltrigen treffen, ein internationales Kindercamp besuchen – Artek – auf dem Meer. Und sieh selbst: In der Sowjetunion ist jeder für Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern.

Danke für Deinen Brief. Ich wünsche dir alles Gute in Deinem jungen Leben.

Y. Andropow

Smith erregte in beiden Ländern als „Amerikas jüngste Botschafterin“ großes Aufsehen. Es folgte ein Medienzirkus, in dem Smith unter anderem von Ted Koppel und Johnny Carson interviewt wurde. Samantha Smith trat in Shows von fast allen großen amerikanischen Sendern auf.

Am 07. Juli 1983 flog sie mit ihren Eltern nach Moskau und verbrachte dort zwei Wochen als Andropows Gast. Während der Reise besuchte sie Moskau und Leningrad und verbrachte Zeit in Artek und in der Stadt Gursuf auf der Halbinsel Krim.

Smith schrieb in ihrem Buch, dass sie und ihre Eltern in Leningrad von der Freundlichkeit der Menschen und von den Geschenken, die viele Menschen für sie gemacht haben, begeistert waren. Auf einer Pressekonferenz in Moskau erklärte sie, dass die Russen „genau wie wir“ seien.

Tod

Am 25. August 1985 fuhren Smith und ihr Vater nach Dreharbeiten für die Serie „Lime Street“ nach Hause. Bei dem Versuch, am regionalen Flughafen Lewiston-Auburn in Auburn, Maine, zu landen, kollidierte die Maschine Beechcraft 99 kurz vor der Startbahn mit einigen Bäume und stürzte ab. Dabei wurden alle sechs Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder getötet.

Über die Ursache des Unfalls wurde viel spekuliert. Die Sowjetunion warf den USA vor, bei dem Absturz „nachgeholfen“ zu haben. So herrschte in Moskau der Verdacht, dass Samantha zu viel zu einer Image-Verbesserung der Sowjetunion beigetragen habe und darum von der CIA „beseitigt“ worden sei.

Die US-Regierung ließ eine Untersuchung durchführen und fand keine Beweise für eine geplante Tötung der Smiths. Der Hauptgrund für den Absturz der Maschine war laut dem offiziellen Bericht die „regnerische Nacht“. Piloten, die das Flugzeug steuerten, seien unerfahren gewesen. Gleichzeitig sei ein zufälliger aber nicht ungewöhnlicher Bodenradarfehler aufgetreten.

Samantha Smith wurde bei ihrer Beerdigung in Augusta, Maine, von etwa 1.000 Menschen betrauert. Zu den Teilnehmern zählten Robert Wagner und Vladimir Kulagin von der sowjetischen Botschaft in Washington, die eine persönliche Kondolenzmitteilung von Michail Gorbatschow verlasen:

„Jeder in der Sowjetunion, der Samantha Smith kennt, wird sich für immer an das Bild des amerikanischen Mädchens erinnern, das wie Millionen junger sowjetischer Männer und Frauen vom Frieden und von der Freundschaft zwischen den Völkern der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion träumte.“

US-Präsident Ronald Reagan ließ Smiths Mutter schriftlich sein Beileid bekunden:

„Vielleicht gibt Ihnen das Wissen ein gewisses Maß an Trost, dass Millionen von Amerikanern, tatsächlich Millionen von Menschen, die Last Ihrer Trauer teilen. Sie werden auch Samantha, ihr Lächeln, ihren Idealismus und die unberührte Liebenswürdigkeit ihres Geistes schätzen und sich daran erinnern.“

Quellenangaben anzeigen
wikipediaembassy of the us in moscow, cia (pdf), 



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