Warum Ruhe gut ist fürs Gehirn


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Gegen hohen Blutdruck, Herzrasen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Stress, Depressionen oder sogar Alzheimer hilft – Ruhe. Dies belegen zahlreiche Studien.

Ruhe gut fürs Gehirn
Ruhe gut fürs Gehirn, Bild: Gegenfrage.com

Wir leben in einer lauten und stressigen Welt, in der Ruhe ein seltenes und kostbares Gut geworden ist. Stress und Lärm wirken sich negativ auf unsere Gesundheit aus, stellte eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2011 fest.

Dabei geht es nicht nur um Straßenlärm oder Lärm am Arbeitsplatz, sondern auch um einfache Dinge, wie das Radio, der Fernseher und andere Geräusche, die uns permanent beschallen. Wie viel Zeit verbringen wir am Tag in absoluter Ruhe? Wahrscheinlich nicht sehr viel. Dies wäre aber jedem zu empfehlen, aus folgenden Gründen:



Ruhe lindert Stress und Anspannung

Florence Nightingale, britische Krankenschwester und Sozialaktivistin im 19. Jahrhundert, schrieb einmal, unnötiger Lärm sei das „grausamste Problem“ im Pflegebereich. Unnötige Geräuschquellen könnten Schlafmangel verursachen, die Genesung von Patienten beeinträchtigen und andere Leiden hervorrufen.

Bluthochdruck kann zu Herzinfarkten führen, das Hören und die allgemeine Gesundheit beeinträchtigen. Laute Geräusche erhöhen den Stresslevel, wodurch die Amygdala im Gehirn aktiviert und das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird.

Eine Studie der Umweltpsychologin Dr. Craig Zimring aus dem Jahr 2004 kam zudem zum Ergebnis, dass höhere Geräuschpegel bei Neugeborenen zu hohem Blutdruck, Herzrasen und Schlafstörungen führen kann.

Ruhe hingegen bewirkt genau das Gegenteil. Eine Studie aus dem Jahr 2006 fand heraus, dass es keine größere Entspannung gibt, als absolute Ruhe. Auch Entspannungsmusik kann dem Gehirn keine besseren Erholungsphasen bieten, als Stille.

Stille füllt unsere mentalen Ressourcen

Die unaufhörlichen Reize des modernen Lebens stellen eine erhebliche Belastung für den präfrontalen Kortex des Gehirns dar, der in hohem Maße am Denkprozess, der Entscheidungsfindung und Problemlösung beteiligt ist.

Sind unsere mentalen Ressourcen erschöpft, schwindet die Konzentrationsfähigkeit und man findet nur noch schwer Lösungen für all die Probleme im Alltag oder im Beruf. Absolute Ruhe hilft dem Gehirn dabei, die Ressourcen wieder aufzuladen.

Ruhe aktiviert das Default Mode Network

Im Deutschen auch als Bewusstseinsnetzwerk bezeichnet, handelt es sich hierbei um eine Gruppe von Gehirnregionen, die beim Nichtstun aktiviert und beim Lösen von Aufgaben wieder deaktiviert werden.

Bei Tagträumereien, bei der Meditation oder beim Abschweifen in Gedanken sind diese Hirnareale besonders aktiv, wie Wissenschaftler im Jahr 2001 herausfanden. Lassen wir unser Gehirn ruhen, können wir unsere Gedanken, Emotionen, Erinnerungen und Ideen sortieren, gemachten Erfahrungen einen Sinn geben und die Kreativität fördern.

Dafür ist es jedoch notwendig, sämtliche Ablenkungen zu eliminieren. Der berühmte Autor Herman Melville (Moby Dick u.a.) schrieb einmal: „Alle tiefgründigen Dinge und Emotionen werden durch Ruhe hervorgerufen.“

Ruhe regeneriert Gehirnzellen

Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 sind die Auswirkungen von Umgebungsgeräuschen mit sogenanntem Weißen Rauschen zu vergleichen. Mit zwei Stunden Ruhe pro Tag ist das Gehirn in der Lage, Zellen im Hippocampus zu regenerieren.

Der Hippocampus verwaltet das Zusammenspiel zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis und ist eine der Schlüsselregionen für die Lernfähigkeit und verschiedene Emotionen. Ruhe könnte sich laut der Studie auch für die Therapie von Alzheimer oder Depressionen eignen. Beide Krankheiten gehen mit einer schwachen Funktion des Hippocampus einher.

6 Comments

  1. Das dürfte vielleicht auch der Grund sein, warum durchschnittliche Europäer oder auch Griechen gegenüber den Gläubigen auf der griechischen Insel Symi deutlich länger leben.
    Ich war vor ein paar Jahren auf Symi, dicht vor der türkischen Küste. Hotels gibt es dort nicht, aber es gibt Besucher, Tagesgäste, die das Kloster und Umgebung besuchen dürfen.
    Die Mönche sind sogar so frei und machen die Tür zu ihrem Wohnraum auf, damit man einen kurzen Blick werfen kann.
    Es geht dort sehr spartanisch zu, aber ungewohnt herzlich.
    Ein eisernes Bett, ein Tisch mit zwei bis drei Stühlen, ein Schrank für die Wäsche. Zimmergröße pro Bruder etwa 20 bis 25 qm. Diese Leute sind ungewohnt ausgeglichen, was am persönlichen Glück, aber auch an den täglichen stillen Gebeten liegen mag. Fernseher gibt es nicht, auch kein Radio. Diese Dinge stehen vielleicht im Gemeinschaftsraum. Es ist halt eine andere Welt!

  2. Jetzt will ich doch mal versuchen, einen anderen Standpunkt herauszuarbeiten. Nur mal so als Experiment.
    In dem Artikel geht es um Geräusche und deren Intensivität (z.B. Lärm). Andererseits habe ich (mehrfach) gelesen, dass der Aufenthalt in der Geräuschlosigkeit (schalltoter Raum) regelmäßig verdammt depressiv macht, also ein gewisses „Grundrauschen“ schon nötig ist für das Wohlbefinden.
    Anscheinend kommt es darauf an, welcher Art die Geräusche sind. Die Natur sieht die Geräuschlosigkeit jedenfalls für uns nicht vor, außer vlt. nach dem Ableben, hehehe.
    Damit hätte ich auch schon einen Ansatz: Natürliche Geräusche. Vlt. ist es das Rauschen der Blätter, das Quaken der Frösche, das Plätschern des Regens, das uns ins Wohlbefinden, in die Ruhe und Entspannung bringt.
    Es ist sicherlich keine Werbung, wenn ich an dieser Stelle auf eine uralte Gratissoftware hinweise, die sich bemüht, solche Geräusche zu erzeugen. Wer einmal mit „Atmosphere light“ herumspielen möchte, kann sich das Ding ja mal runterladen und beim Lesen auf dieser stillen Seite im Hintergrund laufen lassen. 🙂

    Macht´s gut derweil

    Joe

  3. Hallo Joe,

    guter Beitrag von Dir, wie fast immer.
    Was ist mit dem schleichenden Hörverlust, welcher fast unweigerlich bei Jedem eintritt, der da älter wird?
    Werden diese dann depressiv, nur weil die kein Blätterrauschen mehr hören können?
    Ich habe mir vor zwei Jahren Hörgeräte angeschafft.
    Das war zunächst, weil vom Akustiker falsch eingestellt, eine Katastrophe für mich. Ich lief über eine Kiesweg und das laute Knirschen meiner Schritte machte mich fast verrückt. Also nahm ich die Geräte heraus und plötzlich war es angenehm ruhig, fast lautlos.
    Heute sind die Geräte besser eingestellt, aber wenn ich allein wandere oder einkaufen gehe benutze ich die auch nicht. Denn die normalen Gespräche höre ich meistens auch ohne noch ganz gut. Ich muss auch nicht unbedingt, außer bei wichtigen Gesprächen, jedes Wort verstehen.

  4. Hallo Kuno,
    zu diesem Thema kann ich Dir nicht viel sagen, obwohl ich als Kind bereits häufig temporären autokratischen Hörverlust hatte. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich darunter litt. Aber meine Eltern taten es. Heute ist das vorbei. Dafür führen aber jetzt auch leise Geräusche aus der extremistisch-merkelistischen Ecke bei mir zu Depressionen.
    Aber mal Spaß in den Müll, die Versuche in den schalltoten Räumen wurden ja mit Menschen durchgeführt, die volle Hörfähigkeit besaßen und waren keine Langzeitversuche. Ob langfristig im Gehirn Anpassungsprozesse zurück ins Wohlbefinden führen können, bleibt ungewiss. Ebenso sagen die Versuche nichts über einen schleichenden Hörverlust aus. Beethoven soll jedenfalls ziemlich stinkig über seinen Gehörverlust gewesen sein sagt die Biographie. Aber der war ja auch Musiker. Wenn ich die Stones nicht mehr hören könnte, wäre ich auch stinkig.
    Inwieweit es einen Unterschied macht, wenn Körperschall noch zu Wahrnehmungen führt, kann ich nicht sagen.
    Was die Naturgeräusche angeht, lebe ich ja mittendrin. Ich bin ein rundum glücklicher und zufriedener Mensch, würde jedoch einen monokausalen Zusammenhang nicht unterstellen. Auch der Kontakt mit freilebenden Tieren gibt mir sehr viel. Ziehe gerade ein verwaistes Katzenbaby auf. In ein paar Wochen sollte sich die Kleine selbst versorgen können.
    Die Hunde haben mir mit „Angriffen“ von hinten beigebracht, leise Geräusche hinter mir zu erfassen und auszuwerten. Es war erstaunlich leicht, die Hunde an ihren Atemgeräuschen auseinander halten zu können. Ich wusste immer, welcher Hund in welcher Entfernung hinter mir war und bekam es sofort mit, welcher sich (zum Schnüffeln) zurückfallen ließ. Ich wusste immer ein paar Sekunden vorher, welcher Hund gleich rechts neben mir sichtbar wurde, weil ich gehört hatte, wie er aufschloss und nach rechts zog. Ich habe viel von den Tieren gelernt, auch wenn ich als Mensch denen nicht das Wasser reichen kann. Wenn Hunde vorn laufen und Augen und Ohren nach vorn gerichtet sind, werten sie alles aus, was von hinten kommt. Beschleunige ich meinen Schritt, tun sie es auch. Gebe ich Gas, zeigen sie mir, was Speed wirklich ist. Werde ich langsamer, werden sie auch langsamer. Ohne sich umzudrehen oder nur einmal die Ohren nach hinten bewegt zu haben.Wenn wir am Fluss sind, kann ich mich beruhigt ins Gras legen und dösen. Die Hunde tun das auch. Bis auf mindestens einen. Der hält Wache und hält Augen und Ohren auf. Hunde gehören zu den Großraubtieren. Unter ihnen fühle ich mich wohl, sicher und geborgen. Im Raubtierkapitalismus nicht. Da würde mir alles fehlen. Wohlstand statt Wohlfühl. Nö, Leute, echt nicht. Nicht mit Joe.

  5. Hallo mein lieber Joe,
    da stimme ich Dir fast zu.
    Man muss auch nicht alles glauben was man denkt.
    Beim „Raubtierkapitalismus“ aber widerspreche ich vehement. Denn die Staatssozialisten Merkelscher Art und Weise haben die Freiheit und den Kapitalismus bereits seit 20 Jahren in Richtung Planwirtschaft verändert.
    Denken wir nur an 2008. Es waren Staatseingriffe, welche letztlich zur überbordenden Staatsverschuldung geführt hatten und genau diese Staatsverschuldungen (Griechenland war da nur die Spitze des Eisbergs) wurde danach mit noch mehr Staatsschulden übertüncht.
    Der einzig richtige Weg wäre gewesen, die Bankenkrise von 2008/2009 auszuschwitzen und durchzustehen.
    Denn jede Wirtschaftskrise ist immer ein Heilprozess auf vorangegangene Übertreibungen.
    Unternehmen (Markus Krall spricht da von „Zombies“) welche nicht kostendeckend arbeiten, weil es zuviele von denen im gleichen Marktsegment gibt, müssen und sollten verschwinden. Genau das ist der Heilungsprozess.
    Aber die Staatssozialisten in Brüssel und Berlin entschieden anders und senkten die Zinsen bis auf unter Null.
    Solange es aber Bargeld gibt, existiert auch Freiheit.
    Deshalb können die Sparer noch mit Nullprozent Zins überleben; weil beim ersten berechneten Minuszins das Bargeld abgehoben und unter dem Kopfkissen verwahrt werden kann. Genau deshalb, oder auch deshalb, soll ja das Bargeld weltweit abgeschafft und in digitaler Form bei den Banken bleiben müssen. Denn dann kann keiner mehr „sein Geld“ abheben. Du kannst eben nicht mit dem Computerstick zur Bank gehen und Dein Geld herunter laden. Das Geld kann nur noch innerhalb des Bankensystems hin und her geschoben werden.
    Das ist der erste Schritt zur Enteignung, denn auf 5% jährlichem Minuszins gibt es dann keine Antwort mehr außer dem Kauf wertloser Staatspapiere oder fragwürdig gewordener Aktien.
    All das hätte bei einer freiheitlichen marktgerechten Reaktion, bzw. einer erforderlichen Nicht-Reaktion vermieden werden können. Die Folgekrise von 2015 wäre nicht eingetreten, weil da der Anpassungsprozess von 2008 spätestens beendet gewesen wäre.

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