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04.06.1920: Ungarn unterzeichnet den „Friedensvertrag von Trianon“


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Am 04. Juni 1920 unterzeichnete Ungarn den „Friedensvertrag von Trianon“. Dieser stellte die größte Katastrophe seit 400 Jahren für das Land dar.

Friedensvertrag von Trianon
Friedensvertrag von Trianon, Bild: heutige Flagge Ungarns, Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1920 unterzeichneten Ungarn und die meisten Alliierten des Ersten Weltkriegs den sogenannten Friedensvertrag von Trianon. Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie im Herbst 1918 erklärte der ungarische Ministerpräsident am 31. Oktober die Auflösung des gemeinsamen Staats.

Österreich unterzeichnete am 10. September 1919 den Vertrag von St. Germain, in dem die Unabhängigkeit Ungarns anerkannt wurde. Der Friedensvertrag von Trianon entriss Ungarn fast drei Viertel seines Territoriums. Der überwiegende Teil ging mit samt der dort lebenden Bevölkerung an Rumänien, die Tschechoslowakei und Jugoslawien.

Die Grenzänderungen führten dazu, dass über drei Millionen ethnische Ungarn plötzlich im Ausland lebten. Darüber hinaus wurde im Vertrag festgelegt, dass die Betroffenen ein Jahr nach der Unterzeichnung ihre ungarische Staatsangehörigkeit verlieren würden.

Die territorialen Veränderungen hatten dramatische Auswirkungen auf die ungarische Wirtschaft. Große Teile der damaligen Infrastruktur und Industrie des Landes lagen auf einmal außerhalb der neuen Grenzen. Der Verlust der Küstenlinie machte es zudem sowohl schwierig als auch teuer, sich im internationalen Handel zu engagieren.

Größte Katastrophe seit 400 Jahren

Die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft an, die Industrieproduktion brach zusammen. Der Vertrag schränkte auch das ungarische Militär stark ein. Diesem war es von nun an verboten, eine Luftwaffe, Panzer und schwere Artillerie zu besitzen. Die Armee wurde auf 35.000 Soldaten beschränkt und die Wehrpflicht war von nun an verboten. Dies verschärfte die ohnehin schon ansteigende Arbeitslosigkeit noch weiter.

Die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Friedensvertrags führten später zu derart schlimmen Verhältnissen, dass der Historiker und ehemalige britische Botschafter in Ungarn, Bryan Cartledge, dies als „die größte Katastrophe, die Ungarn seit der Schlacht bei Mohacs 1526 erlebt hat“ bezeichnete.

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