BBC baut in nächsten zwei Jahren 600 Stellen ab


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Die Krise der Massenmedien nimmt anscheinend kein Ende: Das britische Nachrichten-Unternehmen BBC wird in den kommenden zwei Jahren weitere 600 Stellen abbauen sowie Programme streichen und beabsichtigt so, fast eine Milliarde Euro pro Jahr einzusparen.

PR in den Massenmedien Bild: DeesIllustration.com
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Bild: DeesIllustration.com

Bei der staatlichen British Broadcasting Corporation (BBC) wird der Rotstift angesetzt: In den kommenden zwei Jahren sollen bei dem öffentlich-rechtlichen Massenmedium insgesamt fast 600 Stellen abgebaut werden. Grund sind geplante Kostensenkungen. Bereits seit 2010 baut der Sender im Zuge der Medienkrise Arbeitsplätze und Programme ab.

Laut einem von der Zeitschrift Forbes am Dienstag veröffentlichten Bericht plant die BBC einen Stellenabbau von 475 bis 500 Arbeitsplätzen im Nachrichten-Bereich, weitere 75 bis 85 Jobs fallen bei Radiodiensten weg. Die Entlassungen bedeuten einen Personalrückgang von 6 Prozent und werden im Zuge des sogenannten Delivering Quality First (DQF)-Programms durchgeführt. Rund 800 Millionen Pfund (980 Millionen Euro) sollen durch die Aktion pro Jahr eingespart werden.

Michelle Stanistreet, Generalsekretärin der National Union of Journalists (NUJ), sagte: „Die Streichung von 500 Arbeitsplätzen im Nachrichten-Bereich, der schwer überlastet ist und wo das Personal bereits unter hohem Stress und Druck steht, ist völlig inakzeptabel und wird unweigerlich die Qualität des Journalismus und des Programms beeinträchtigen.“



Bereits im Februar vergangenen Jahres streikten BBC-Journalisten gegen die hohe Belastung am Arbeitsplatz und steigendem Druck aufgrund von Ausgabenkürzungen. Letzten Monat bot das Unternehmen eine Lohnerhöhung von 1 Prozent für alle Mitarbeiter mit einem Jahreseinkommen von unter 50’000 Pfund, was von britischen Gewerkschaften jedoch als inakzeptabel bezeichnet wurde.

Auch andere englischsprachige Massenmedien beklagen einen enormen Rückgang. So verzeichneten etwa die US-Sender CNN und MSNBC zwischen November 2012 und November 2013 Einbußen bei den Zuschauerzahlen von rund 50 Prozent.

Die BBC wurde im Jahr 1922 von sechs großen Unternehmen, u.a. von der General Electric Company, gegründet und ist heute eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mit einem breiten Angebot in den Bereichen Radio, Fernsehen und Internet. Finanziert wird der Sender durch vom britischen Staat eingetriebene Zwangsgebühren.

5 Kommentare

  1. In Hinblick auf gesamt 24000 Mitarbeiter macht die nackte Zahl eines erneuten Abbaus von 600 Stellen keine wertige Aussage.

    Auch BBC muss sich den wandelnden Bedingungen und neuen Anforderungen stellen. Nur ist das Unternehmen ein Beamtenladen – Hofberichterstatter haben es trotz öffentlicher Alimentierung (gerade aus diesem Grunde) schwer flexibel zu agieren und sich ein gewisses Qualitätssiegel zu erarbeiten.

    Die Qualitätsbewertung des Publikums ist nicht identisch mit der Einschaltquote. (Fußballübertragung bringt Quote; aber Niveau ? )

    Wahrheitsgehalt wird gefordert – doch schon die Römer fragten: Quid est Veritas.
    Die Wahrheit will oft keiner hören, weil sie meistens unbequem ist. Bei Betroffenheitsorgien wird sie sogar als besonders störend und ungehörig empfunden.
    Man könnte eigentlich nur dem die Wahrheit offen sagen, den man vorher befragt hat ob er sie auch hören will, bzw. vertragen/verstehen/verwerten kann.

    Dieses Problem hat bislang kein Medienunternehmen zufriedenstellend gelöst. Und so kommt es dann zu bedarfsbedingten Personalbewegungen.

  2. Der Bio-Waffenexperte Dr. David Kelly, der als Waffeninspekteur der UN im Irag nach Massenvernichtungswaffen suchte (2003 „irakische Massenvernichtungs-Waffen könnten innerhalb von 45 Minuten gefechtsbereit sein“ Blair) fand heraus, dass dort keine WMDs existieren und hat letztlich dafür mit seinem Leben bezahlt. In diesem Zusammenhang sind viele der Führungskräfte der BBC, die für unabhängige Berichterstattung standen zurückgetreten bzw. entlassen worden.
    Mit der neuerlichen Reduzierung des Nachrichtenpersonals soll dann wohl entgültig aufgeräumt werden mit unabhängiger und freier Berichterstattung.

  3. @ Gedankenaktivist
    Der Bio-Waffenexperte Dr. David Kelly war ein stark umstrittener Selbstdarsteller. Er war in leitenden Positionen britischer Bio- und Chemiewaffen Herstellerfirmen. Er nahm von allen Lohn und Brot, und das führt bekanntlich oft dazu von keinem Dank zu bekommen. So war es wohl auch hier. Als es ihm zu heiß unter den Füßen wurde, nahm er sich das Leben. Dieser Selbstmord ist nie widerlegt worden – obgleich sich danach viele Legenden um diesen undurchsichtigen Charakter bildeten. Sogar ein sehr pathetischer Spielfilm wurde 2005 mal gedreht.

    Nun eine direkte Verbindung zur BBC zu konstruieren, halte ich für gewagt. Kontakte gab es, aber sie haben keinerlei Beziehung mit den ab 2004 laufenden Verschlankungsaktivitäten zu tun.
    Die Inbetriebnahme des neuen modernen BBC Funkhauses ist wohl eher ursächlich für die Personalredzierung.
    Kennt man doch: Rationalisierung für zu Personalabbau.

  4. @Eckart
    Der angebliche Selbstmord mit Aspirintabletten ist lachhaft und nie bewiesen worden. Vielmehr wurde David Kelly massiv von der damaligen Regierung unter Druck gesetzt, damit er die Ergebnisse abändert entsprechend der Regierungsposition, was er jedoch verweigerte. Die Nachrichtenchefs der BBC haben diesen Fall gut dokumentiert und wurde deshalb ebenfalls massiv von der Regierung unter Druck gesetzt und sind letztlich zurückgetreten oder entlassen worden. Weitere Informationen können sie auch durch die Recherche des damaligen Journalisten erhalten.

    David Kelly war ein ehrbarer Mann mit hoher Kometenz und Ansehen. Die britsche Regierung sollte sich bei den Angehörigen entschuldigen.

  5. @ Gedankenaktivist

    Unsere Ansichten gehen da offenbar etwas auseinander. In meinen Augen war der Mann ein Charakter der übelsten Sorte. Oder wie kann man (Un)menschen bezeichnen die selbst Bio- und Chemiewaffen in leitender Position herstellen?

    Hohes Ansehen – JA – als Schwerverbrecher.

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