Bargeld: Südkorea schafft Münzen bis 2020 ab


Südkorea/Wirtschaft

Südkoreas Zentralbank hat eine Abschaffung aller Münzen bis 2020 angekündigt. So müssten die Bürger keine Münzen mehr durch die Gegend schleppen und die Zentralbank könne sich die kostenintensive Münzproduktion sparen. Eine echte Win-Win-Situation also?

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Südkorea, Bild: Gegenfrage.com

Südkorea wird sich bis 2020 komplett von Geldmünzen verabschieden. In dem Land setzen sich zunehmend Smartphones und Kreditkarten für Transaktionen durch, sodass die Bank von Korea (BOK) eine „münzfreie Gesellschaft bis 2020“ angekündigt hat. Ab diesem Zeitpunkt müssten die Bürger dann keine Münzen mehr aufbewahren und durch die Gegend tragen, gleichzeitig könne man so die Kosten für die Münzprägung einsparen, sagte Kim Jung-hyeok, Leiter des Electronic Banking Team an der BOK und Leiter des Projekts.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Die Zentralbank hat bereits damit begonnen, die Münzen auslaufen zu lassen , indem das Volumen der Münzproduktion von 137,8 Milliarden Won im Jahr 2005 auf 103,2 Milliarden Won im vergangenen Jahr abgenommen hat. Die Münzproduktion kostet aktuell 50 Milliarden Won (40 Millionen Euro) pro Jahr.

Kreditkarten verfügen über eine hohe Akzeptanz in Südkorea, satte 39,7 Prozent aller Transaktionen werden damit durchgeführt, 36 Prozent aller Transaktionen werden bar getätigt. Zum Vergleich: In Deutschland beläuft sich der Anteil von Kreditkarten an Zahlungsarten im Einzelhandel laut Statista nur auf 5,7 Prozent (2015), der Anteil der Barzahlungen auf 52,4 Prozent. In Südkorea besitzt jeder Bürger durchschnittlich 1,9 Kreditkarten, in Deutschland sind es nur 0,38 pro Person (2014).

In einigen asiatischen Ländern, darunter auch Südkorea, ist es bei Hochzeiten und Beerdigungen üblich, große Summen an Bargeld zu verschenken. „Dieser kulturelle Hintergrund zeigt, dass Korea einen anderen Ansatz in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft benötigt“, sagt Moon jong-jin, Wirtschaftsprofessor an der Myongji University in Seoul. Erschwerend hinzu komme die rasch alternde Bevölkerung Südkoreas, so Moon.

Befürworter einer Abschaffung des Bargelds sagen, dass durch Cash kriminelle Geschäfte und Steuerhinterziehung ermöglicht, Vermögen vor dem Staat versteckt werden können und das Bargeld darum weg muss.

Kritiker hingegen sagen, dass die Regierung damit die volle Kontrolle über jede finanzielle Entscheidung erlangt. Wünscht die Regierung, dass mehr Geld ausgegeben wird, kann sie Druck auf die Bürger ausüben. Und sobald die Inflationsraten steigen, erzwingen sie das Gegenteil. Wird Bargeld abgeschafft, haben die Banken gewonnen.

Quellen: jakartapost, statista

7 Comments

  1. Ahhh, Sued-Korea ist also quasi das Schweden Fernost-Asiens 🙂

    Was ich allerdings nicht verstehe ist, wo die fehlenden Prozente sind, um auf 100 zu kommen:

    S-Korea:
    39,7 % elektronisch
    36 % Bargeld
    24,3 % ??????

    BRD:
    5,7 % elektronisch
    52,4 % Bargeld
    41,9 % ??????

    Wie geht denn das bitteschoen? Wird der Rest an Transaktionen durch direkten Tausch abgewickelt? Die Zahlen sprechen insbesondere in der BRD dagegen, denn 41,9% Tauschhandel kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen, auch wenn ich es gerne so haette.

    Oder sind Diebstaehle irgendwie mit in der Statistik gelandet als unilaterale Transaktion?

    Weiss jemand mehr?

  2. @ Anarchrist

    Auch hier gilt: Wer lesen kann ist klar im Vorteil: Sowohl bei Südkorea (39,7 %) wie auch bei der Bundesrepublik in Deutschland (5,7%) sind die angegeben Werte nur die KREDITKARTEN-Transaktionen, also v.a.VISA und MASTERCARD.
    Von „Elektronisch“ ( Maestro/V-Pay/Giro-Karte) steht da nichts. Diese Werte werden dann wohl den Hauptteil der Differenz darstellen (eben 41,9 und 24,3 %). Einfach mal nachdenken, womit die Masse so bezahlt.

  3. „Wird Bargeld abgeschafft, haben die Banken gewonnen.“

    ..und die Bürger haben verloren. Was offensichtlich noch viele nicht kapiert haben: Die Bargeldabschaffung ist die Konsequenz aus der Minus-Zins-Politik. Es gäbe einen Bankrun, wenn die Leute merken, dass sie enteignet werden und holen ihr Bares von der Bank. Darum müssen unsere Herren das Bargeld eliminieren.

    Von der ganzen Profiling-Möglichkeiten mal ganz abgesehen. Auch Konten-Sperrungen zum Ausschalten gewisser Elemente ist sicherlich auch schon angedacht. Eingedenk dessen, haben wohl nicht nur die Banker feuchte Träume 😉

  4. Da ist von der Abschaffung der Münzen die Rede, nicht von der Abschaffung des Bargeldes.
    Das ist nicht nur ein wichtiger, sondern ein großer Unterschied.
    Wenn das Bargeld durch nicht materielles elektronisches Guthaben ersetzt wird, dann wird das wahrscheinlich global erfolgen.

  5. Die Abschaffung der Münzen ist der erste Schritt hin, zur Abschaffung des Bargeldes.

    MfG. grillbert aus Hamburg.

  6. Ich denke, die Münzen werden unbedingt bleiben.
    Schon aus kulturellen Erwägungen. Denn sterben die Münzen, sterben auch die Straßenmusiker aus.
    Die „größte“ Münze im Euro ist das 5 € Stück.
    Das bedroht niemanden und der Wert dürfte über den Prägekosten liegen. Die Scheine werden verschwinden, das ist nichts Neues.
    Doch die Münzen, da lege ich fast die Hand für ins Feuer, die bleiben.
    Außer die ganz kleinen: das Kupfergeld und die zehn Cent Stücke.
    Außerdem muss auf den Toiletten die Reinigungskraft bezahlt werden. Die dummen Südkoreaner haben an diese Dinge wahrscheinlich nicht gedacht.

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