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17.10.1957: Russland stoppt CIA-Putsch in Syrien


Geschichte/Großbritannien/Syrien/USA

Terrorismus, USA, Russland – alles topaktuelle Schlagwörter in Bezug auf die Situation in Syrien. Doch schmiedeten westliche Geheimdienste bereits vor Jahrzehnten fast identische Pläne für einen Umsturz in Damaskus und versuchten diese im Jahr 1957 umzusetzen. Mangels Kooperation der Nachbarländer und dank eines Eingreifens Moskaus scheiterte die Operation.

Syrien Putsch 1957
CIA-Putsch 1957, Syrien und andere Flaggen, alle gemeinfrei

Syriens Krise des Jahres 1957 war eine Zeit schwerer diplomatischer Auseinandersetzungen während des Kalten Krieges. Beteiligt waren Syrien und die Sowjetunion auf der einen Seite, die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten, einschließlich der Türkei und dem Bagdad-Pakt, auf der anderen. Syrien hatte zu dieser Zeit die Kontrolle über eine der wichtigsten Öl-Pipelines im Nahen Osten. Diese verbanden irakische Ölfelder mit der Türkei.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Die Spannungen begannen am 18. August, als die syrische Regierung unter Shukri al-Quwatli den Westen mittels einiger Umstrukturierungen provozierte. So wurde wurde etwa Oberst Afif al-Bizri, der als Sowjet-Sympathisant bekannt war, zum Chef des Generalstabs der syrischen Armee ernannt.

Schnell wurde eine kommunistische Machtübernahme in Damaskus befürchtet. Die benachbarten Staaten Irak, Jordanien und Libanon erwägten darum eine militärische Intervention in Syrien. Es war jedoch nur die Türkei, die Tausende Soldaten entlang der syrisch-türkischen Grenze positionierte.

Am 12. August 1957 hatte Syrien drei US-Diplomaten des Landes verwiesen und unterstellte ihnen, einen CIA-Putsch vorbereitet zu haben. Damit lag Syriens Regierung ganz richtig: Der britische Secret Intelligence Service (SIS, heute MI6) und die CIA wurden seinerzeit von ihren Regierungen beauftragt, den syrischen Präsidenten und einige wichtige politische und militärische Persönlichkeiten zu ermorden.

Am 02. September 1957 hatte US-Außenminister John F. Dulles während einer Pressekonferenz davor gewarnt, Syrien könne „ohne eine Intervention innerhalb der nächsten 60 Tage“ zu einem kommunistischen Staat werden. Großbritanniens Premierminister Macmillan und US-Präsident Eisenhower waren von der Notwendigkeit überzeugt, die einflussreichsten Männer in Damaskus um die Ecke zu bringen, schrieb der britische Guardian.

Der erklärte Vorwurf gegenüber Syriens Regierung war „Verbreitung von Terrorismus“ und die Verweigerung des Zugangs zum Öl im Nahen Osten. Dies diente als Rechtfertigung für den sogenannten Macmillan-Eisenhower Plan.

CIA bewaffnet Rebellen und zettelt Aufstände an

Dieser sah die Gründung des „Freien Syrischen Komitees“ vor, sowie die „Bewaffnung politischer Gruppen mit paramilitärischen oder anderen aktionistischen Fähigkeiten“ in Syrien. Die CIA und der SIS wurden damit beauftragt, mit Hilfe der Muslimbruderschaft Aufstände auf syrischem Boden anzuzetteln. Die beiden Geheimdienste sollten sich vollständig über die Aktion austauschen und zusammen arbeiten.

Es wurden Zwischenfälle unter syrischer Flagge (s. False Flag Operations) an den Grenzen pro-westlicher Nachbarstaaten wie dem Irak und Jordanien inszeniert, um militärische Konflikte auszulösen. Auch in den Nachbarländern selbst wurde durch die Geheimdienste Sabotage betrieben, um es Syrien anzukreiden. Zunächst war geplant, die syrische Ba’ath-Regierung gegen ein pro-westliches Regime auszutauschen, doch befürchtete man in diesem Fall großen Widerstand aus der Bevölkerung.

Erst 46 Jahre später, im Jahr 2003, tauchte erstmals ein diesbezügliches Dokument auf. Drei Männer, die es zu ermorden galt, waren namentlich darin erwähnt: Abd Al-Hamid Sarraj, Chef des syrischen Militärgeheimdienstes; Afif Al-Bizri, Chef des syrischen Generalstabs; und Khalid Bakdasch, Führer der syrischen kommunistischen Partei.

Angetrieben wurde die Operation vom damaligen CIA-Mitarbeiter Kermit Roosevelt, Enkelsohn des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt. Der Plan scheiterte letztendlich an der mangelnden Kooperation der arabischen Nachbarstaaten Syriens, ein militärischer Alleingang der Türkei gegen Syrien wurde ebenfalls abgelehnt.

Aus geheimen Dokumenten des britischen Kabinetts über die Syrien-Krise des Jahres 1957 geht hervor, dass man mit einer „starken und entschlossenen“ Antwort Moskaus auf den versuchten Regime-Change der USA in Syrien, sowie mit einem möglichen Krieg zwischen der Sowjetunion und dem Westen rechnete.

Der damalige syrische Präsident Shukri al-Quwatli brach im Zuge der Suezkrise die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien und Frankreich ab und schloss ein Militärabkommen mit der Sowjetunion. In der Tat kritisierte Chruschtschow das Einwirken der Vereinigten Staaten scharf und dachte laut über eine militärische Intervention in Syrien nach.

Russland greift in die Krise ein

Am 13. September 1957 warnte der sowjetische Ministerpräsident Nikolai Bulganin in einem Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes vor Konsequenzen im Falle eines militärischen Vorgehens der Türkei gegen Syrien. Die USA warnten darauf die Sowjetunion vor einem militärischen Vorgehen gegen die Türkei.

Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow kündigte an, er werde Raketen auf die Türkei abfeuern lassen, für den Fall dass Syrien angegriffen wird. Am 16. Oktober 1957 beschuldigte Chruschtschow die USA und die Türkei, einen Regierungsumsturz in Syrien zu planen. Er reichte daraufhin eine Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein.

Nur einen Tag später, am 17. Oktober 1957, machte die Türkei einen Rückzieher und beteuerte, keinen Krieg gegen Syrien beginnen zu wollen. Zudem sicherte die Türkei den UN zu, sämtliche grenzüberschreitende Operationen zu beenden. Damit war der CIA-Putsch gescheitert.

Bereits ein Jahr zuvor hatte eine ähnliche Drohung Moskaus das Ende der britisch-französisch-israelischen Aggression gegen Ägypten bezüglich der Verstaatlichung des Suez-Kanals erwirkt. Seit rund einem Jahrhundert ist Syrien den USA und Großbritannien ein Dorn im Auge.

Pläne für Syrien-Krise ab 2011 bereits Jahrzehnte alt?

Bereits im Jahr 1917 hatte Damaskus der Balfour-Deklaration heftig widersprochen, in der Großbritannien sich mit der Errichtung eines zionistischen Staates in Palästina einverstanden erklärt hatte. Im Jahr 1946, kurz nach der Unabhängigkeit Syriens, begannen britische und amerikanische Geheimdienste mit Putschplänen in Syrien. Man könnte daraus also ableiten, dass die Pläne für die Syrien-Krise ab 2011 bereits viele Jahrzehnte alt sind.

Als im Jahr 1948 Israel gegründet wurde, rückte Syrien zusammen mit Ägypten, dem Irak, Libanon und Transjordanien mit insgesamt 55.000 Soldaten im Palästinakrieg von 1948/49 gegen den neu gegründeten Staat vor. Nach dem Untergang der Sowjetunion im Jahr 1991 musste sich Syrien politisch neu positionieren. So öffnete Damaskus seine Wirtschaft gegenüber dem Westen.

Unter Bashar al-Assad wurde die Gründung von Parteien zugelassen. Mobiltelefone, Internet und internationales Fernsehen wurde den Bürgern zugänglich gemacht. Im Jahr 2005 verabschiedete sich Assad von der sozialistischen Planwirtschaft.

Laut der Zeitung New Yorker beauftragte US-Präsident Bush im Jahr 2007 die CIA, Operationen im Iran durchzuführen. Dies brachte Destabilisierungsmaßnahmen in den verbündeten Staaten Syrien und Libanon mit sich. Dafür sollten u.a. „extremistische Gruppen“ im Land unterstützt werden.

Seit 2011 toben Unruhen in Syrien. Laut westlicher Presse handelt es sich dabei um „innenpolitische Unruhen“. Tatsächlich aber wurden diese zunächst durch heftige Nahrungsmittelspekulation westlicher Banken ausgelöst, worauf Präsident Assad nach kurzer Zeit mit einigen politischen Reformen reagierte.

Dadurch ebbten die Proteste zunächst ab. Die USA nutzten jedoch den Moment und schleusten von nun an Zehntausende ausländische Kämpfer ins Land, die seither versuchen die syrische Regierung zu destabilisieren. Seit September 2015 kämpft Russland an der Seite der syrischen Regierung.

Quellenangaben anzeigen
gobalresearch, wikipedia (en), guardian, vice, googlebooks, newyorker


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