Zeitungskrise: Warum Zeitungen den Bach runter gehen


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Große Zeitungen stecken in der schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Aber anstatt sich neu aufzustellen, wirft man Reporter raus, beleidigt die eigenen Leser und diffamiert die wachsende Konkurrenz aus dem Internet.

Zeitungen in der Zeitungskrise
Zeitungen, Bild: Gegenfrage.com

Diese Woche wurde bekannt gegeben, dass die Denver Post fast ein Drittel ihrer 100 Reporter feuern wird. Natürlich hat man wieder einmal schnell verschiedene Gründe dafür gefunden, meldet das Mises Institute (MI).

Ein Reporter etwa beschuldigte den Hedgefonds (Alden Global Capital), der die Denver Post besitzt: „30 Stellen sollen bis zum 09. April gestrichen werden. Dieser Hedgefonds wird nicht aufhören, den Journalismus zu töten, um seinen Gewinn zu maximieren.“

Zuvor hatte die Denver Post eine Pay Wall für ihre Website eingeführt, in der Hoffnung, damit mehr Einnahmen zu erzielen. Natürlich gingen die Leserzahlen dadurch dramatisch zurück. Laut einem Kolumnisten des Blatts ist klar: die Leser sind schuld an der Kündigungswelle.

Sehr viele Zeitungen haben dieses Probleme, von der Denver Post bis zum Chicago Tribune, auch in Deutschland ist die Zeitungskrise in vollem Gange. Viele entlassen Personal, zahlreiche Zeitungen machen den Laden komplett dicht. „Aber was können Zeitungen tun, um im Geschäft zu bleiben und Entlassungen zu verhindern?“, fragt MI.

Nun, die Herausforderung für Zeitungen in dieser Hinsicht ist nicht anders als in jedem anderen Marktsegment. Um im Geschäft zu bleiben, müssen Firmen in der Lage sein, Verbrauchern ein Produkt zu einem Preis anzubieten, das der Verbraucher bereit ist zu bezahlen.

Qualität ist zu niedrig

MI schreibt weiter: „Wenn die Verbraucher nicht bereit sind, für den Zugang zu Zeitungen zu bezahlen, bedeutet dies, dass die Qualität als zu niedrig für den geforderten Preis wahrgenommen wird. Die Lösung besteht darin, entweder die wahrgenommene Qualität zu erhöhen oder den Preis zu senken.“

Jüngste Studien haben gezeigt, dass viele Verbraucher – vor allem jüngere -tatsächlich bereit sind, für ihre Nachrichten zu bezahlen. Tatsächlich kam das American Press Institute (API) zu dem Schluss, dass “ fast 4 von 10 Erwachsenen unter 35 Jahren für Nachrichten bezahlen“.

Aber hier ist der Haken: Diejenigen, die immer noch in Betracht ziehen, für Nachrichten zu bezahlen, sind preissensibel. Die Umfragen der API zeigen, dass die Verbraucher nicht daran interessiert sind, mehr als einen Dollar pro Woche (oder 4-5 Dollar pro Monat) für ihre Zeitungen auszugeben.

Leider verlangen die meisten Zeitungen mehr als das Doppelte. Die Denver Post verlangt 12 Dollar pro Monat, damit man an der Paywall vorbeikommt. Das ist sogar mehr als die New York Times, die acht Dollar pro Monat verlangt. In Deutschland muss bzw. darf man sogar oft ein Vielfaches davon löhnen.

Die Publikationen könnten dieses Problem lösen, indem sie entweder die Verbraucher davon überzeugen, dass das Produkt mehr als einen Dollar pro Woche wert ist. Oder die Zeitungen könnten einen Weg finden, ihre Produktionskosten zu senken, so dass ein Dollar pro Woche ausreicht, um einen Gewinn zu erzielen.

Verbraucher sind schuld

Tatsächlich wird von Reportern, Redakteuren und anderen Zeitungsleuten oft geäußert, dass sie unterschätzt werden und dass die Verbraucher bereit sein sollten, mehr für den Zugang zu Zeitungen zu bezahlen.

Mit anderen Worten: „Unsere Qualität ist bereits gut, vielen Dank. Wir leisten einen unverzichtbaren öffentlichen Dienst.“ Wenn die Öffentlichkeit nicht sehen will, wie hoch die Qualität der Zeitungen ist, scheint der Glaube vorzuherrschen, dass es an den Verbrauchern liegt.

Nun, es ist wohl wahr, dass, wie die Zeitungsindustrie behauptet, einige der Berichte, die von Zeitungen publiziert werden, der Gesellschaft insgesamt zugute kommen. Zum Beispiel investigativer Journalismus, der Regierungskorruption aufdeckt. Wie es vor Jahrzehnten beispielsweise der Spiegel machte.

Aber nur ein kleiner Teil von dem, was Zeitungen berichten, hat tatsächlich einen Mehrwert. Die meisten Zeitungen stopfen ihre Blätter mit Berichten über Sport, Filme, die lokale Barszene und anderen wertlosen Kram voll. Das meiste davon ist Unterhaltung oder sonstiger Füllstoff.

Blogger sind schuld

Politische Themen kopiert man sich von den großen Nachrichtenagenturen, erkennbar am Kürzel „dpa“ oder „ap“ unter einem großen Teile der abgedruckten Artikel. Häufig macht man auch Blogs (wie diesen z.B.) für die Zeitungskrise verantwortlich und wirft diesen vor, unseriös zu sein.

Einige größere Medienunternehmen versuchen sogar, Blogger und Vlogger zu unterdrücken, indem sie diese aus Suchalgorithmen drängen lassen oder verklagen, was langfristig noch mehr Geld und Jobs kosten dürfte.

Ganze Abteilungen werden (für wahrscheinlich viel Geld) ins Leben gerufen, um sogenannte Fake News aufzudecken, sogar mit staatlicher Unterstützung. Statt einfach selbst gute Berichte zu veröffentlichen, für die sich die Verbraucher interessieren.

Geschäftsmodell

Wenn man also versucht, die Verbraucher für die Misere verantwortlich zu machen und diese dazu auffordert, mehr zu bezahlen, wird das wahrscheinlich nicht hinhauen. Der Medienwissenschaftler Clay Shirky stellte fest:

„Die Zeitungsleute merken oft an, dass Zeitungen der Gesellschaft insgesamt zugute kommen. Dies ist wahr, aber irrelevant für das vorliegende Problem. ‚Du wirst uns vermissen, wenn wir weg sind‘ war noch nie ein gutes Geschäftsmodell.“

Und dieses Geschäftsmodell wird noch mehr zum Scheitern verdammt sein, wenn sich der Wettbewerb um die Zeit, das Geld und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verschärft. Dieser Wettbewerb hat mehrere Lager.

Er kommt inzwischen aus anderen Medien wie YouTube und kostenlosen Online-Kommentaren zu einer beliebigen Anzahl von Themen aus Sport, Medien, Politik. Auch Kleinanzeigen in Zeitungen sind heutzutage fast völlig überflüssig geworden.

Mit anderen Worten: Die Qualität der von den Zeitungen angebotenen Dienstleistungen wird nicht als hoch genug angesehen, um die Verbraucher von den Wettbewerbern abzubringen.

Erinnerungen an die Musikindustrie

In den meisten anderen Branchen würden Unternehmen auf diese neue Konkurrenz reagieren, indem sie versuchen, ein besseres Produkt zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. Und mit „besser“ ist gemeint, was die Konsumenten wollen.

Doch anstatt ein neues Geschäftsmodell zu finden, das die Leser möglicherweise dazu verleitet, mehr für die Inhalte zu bezahlen, scheint die Hauptstrategie der Zeitungen darin zu bestehen, ihre Kunden zu beleidigen.

Mit Aufkommen des Breitband-Internets zu Beginn des Jahrtausends klagte die Musikindustrie über ein ähnliches Problem: Die CD-Verkäufe gingen dramatisch zurück. Der deutsche Rapper Kool Savas, dessen Musik sich zu Beginn des Jahrtausends wie ein Lauffeuer im Internet verbreitete, was ihn zu einem der erfolgreichsten Rapmusiker des Landes machte, sagte diesbezüglich ganz richtig in einem seiner Songs:

„Peinlich für Deutschland, dass jeder Horst hier Platten releast, um sich dann noch zu fragen: Warum ist die Lage so mies? // Nicht wegen Napster und MP3 oder Kids ohne Geld, sondern einfach, weil den Kids die Mucke nicht mehr gefällt!“

Ähnliches hat die Filmindustrie durchgestanden. Deshalb dominieren günstige Streaming-Portale für Musik und Filme heute den Markt. Parallel dazu können freie Künstler ihre Musik auf kostenlosen Portalen zum Download anbieten. Nur die Zeitungen wollen ihr staubiges Produkt aus dem letzten Jahrtausend noch immer mit Gewalt an den Mann bringen und kämpfen gleichzeitig gegen die kostenlose Konkurrenz.

„Qualitätsjournalismus“, „ausführliche Reportagen“, „Hintergrundberichte“, Berichterstattung vor Ort“ – sind beliebte Schlagwörter der Zeitungen, um für sich selbst zu werben. Das ist alles toll und spitze. Aber dafür muss man sich im 21. Jahrhundert eben keine Zeitung mehr kaufen.

8 Kommentare

  1. @ Bürgender

    Auch da muss differenziert werden. Die Erzeugnisse des Springer Konzerns oder die Linkspresse mit „Süddeutscher Zeitung“ und „Die Zeit“ haben am meisten verloren.

    Die „Junge Freiheit“ oder die „Preussische Allgemeine“ haben hingegen zugelegt.
    Das zeigt ganz klar, dass die Alternativpresse entweder nicht oder nur kaum verloren hat.

    https://spoekenkiekerei.wordpress.com/2017/01/23/luegenpresse-im-turbo-rueckwaertsgang-absturz-der-regionalblaetter/

    Eine der Ursachen ist der Umstand der etwas unglücklichen „Kostenlos Kultur“. Wenn die Leute eine zwar abgespeckte, aber meistens ausreichende kostenlose Version im Internet schneller zu lesen bekommen, dann ist das ein starkes Argument. Die Branche muss eben, wie Alice Weidel von der AfD letztens zutreffend sagte, die Kurve kriegen von der Postkutschenzeit ins Eisenbahn Zeitalter.
    D.h. die gedruckte Version wird mehr und mehr verschwinden und dafür werden alle Onlineangebote kostenpflichtig sein.
    In der Schweiz wurde letztens via Volksabstimmung die Abschaffung der Zwangsgebühren beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk der SRG abgelehnt.
    Spartenfernsehen wäre wahrscheinlich billiger, aber das intellektuelle Niveau sicherlich niedriger.
    Ich hatte ein vierwöchiges Probeabo von Netflix.
    Wenn das die Zukunft sein soll, dann Gute Nacht!

  2. @Markus
    Natürlich richtet sich dieser Artikel an alte Riesenzeitungen, die heute als Sprachrohre der Regierung auftreten, was immer weniger Menschen lesen möchten.

  3. Meine liebe Frau ist nun für einige Tage in Deutschland und ich habe sie gebeten mir eine Bildzeitung mitzubringen.
    Nicht als Informationsquelle, sondern ich möchte mal wieder was zu lachen haben.
    Es ist vollkommen gleichgültig welche große Tageszeitung gelesen wird, sie sind alle auf die Regierungspolitik ausgerichtet.
    Am schlimmsten sind da noch die Wahrheiten, die bewusst in ein falsches Licht gerückt werden.
    Aber- welcher Bundesbürger kann denn laut den UN Beschlüssen zwischen einer Sezession und einer Annektion (wie es das Völkerrecht vorsieht) unterscheiden?
    Alle Zeitungen schreiben doch über die Annektion der Krim, also plappern sie es nach.
    Wenn die Zeitungen morgen schreiben, dass bei dem Giftgasanschlag Putins Ausweis gefunden wurde, dann glauben sie das.
    Die Menschen bekommen die Zeitungen, die sie verdient haben.
    Und da die Auflagen schrumpfen, habe ich Hoffnung, dass die Menschen sich auch außerhalb der Regierungsblätter informieren.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  4. Die Bildzeitung ist meines Wissens auch nicht kostenlos im Web zu lesen. Jedenfalls hatte ich die mal angeklickt und wurde abgefertigt. Aber weiteres weiß ich auch nicht mehr.
    Zum Lachen gibt es dort meines Wissens auch nichts mehr, oder noch nie. Sondern nur zum Weinen.
    Die letzte Bildzeitung, die aber keine Tageszeitung ist, sondern ein Boulevardblatt (vergleichbar etwa mit der britischen „Sun“) habe ich vor sehr vielen Jahren nur überflogen.
    Die Begriffsverwirrung ist symptomatisch und keine deutsche Erscheinung. Auch in England und den USA wird permanent von einem angeblichen „Überfall“ der Wehrmacht auf die Sowjetunion gefaselt, obwohl es sich nur um einen Angriff gehandelt haben kann.

  5. Bild.de erreichbar und kostenlos wie ich eben in Sekunden getestet habe. Es gibt dort aber auch Bezahl-Artikel genau wie es diese bei Spiegel online gibt.

    Vor einigen Wochen kam ich an Spiegel online auch nicht mehr ran. Begründung war, dass ich einen Werberblocker und den Anti-Tracker (uBlock) habe, die ich ausschalten soll. Das machte ich natürlich nicht, und auf diese Bildzeitung für Interlektuelle kann man eh verzichten. Ging mir eh nur um die Headlines.
    Die Anzahl der Tracks die die mir dort gemeldet werden ist sehr hoch. Alles was an politischen Meldungen dort in den Überschriften steht, findet man woanders auch, oft gleiche Überschrift und gleicher Inhalt im Artikel. Gekaufte Artikel einer Nachrichtenagentur eben. Einheitsbrei in deutschsprachigen Mainstream Medien, egal wo man reinschaut. Man sollte sich angewöhnen unterhalb des Artikels mal zu schauen was da als Quelle angegeben ist. Da steht dann auch z.B. beim Handelsblatt u.a. Blättern als Quelle oft eben dpa oder reuters. Also meinungsmanipulierte Information für den deutschen Dummwähler, der ja (siehe Wahlergebnis) für ein WEITER SO! gestimmt hat

    Nun bin ich soeben noch mal zum Test bei Spiegel online rein, und anscheinend haben die das wieder rückgängig gemacht. Haben wohl durch diese Nummer satt Online-Leser verloren. –
    Erfreulich ist, dass sich aber mehr und mehr Bürger an anderer Stelle informieren. Ich habe es früher hier schon erwähnt, dass ich mir vor Jahren mal die Mühe gemacht habe Auslandsmeldungen die z.B. beim Spiegel drin waren zu vergleichen mit dem Original-Artikel (Auslandsquelle im Volltext) was sehr aufschlussreich war. Ebenso wie die damalige Info, dass gewisse Themen überhaupt nicht gemeldet werden, was speziell die Zustände in Schweden u.a. europäischen Ländern betraf. Es hat sich nichs geändert. Bestimmte Themen werden gedeckelt, auch im TV.
    DDR 2.0 – Die Partei hat immer Recht!

  6. Hallo Kaiser Wilhelm,
    ja- genau so ist es.
    Vielleicht noch ein Zusatz:
    Halbwahrheiten werden gezielt als Desinformation benutzt.
    Ein Beispiel: Als das Flugzeug über der Ukraine abgeschossen wurde, wurde in allen Regierungsmedien gemeldet, dass es eine russische Rakete war.
    Ja- klar, ein Verkehrsflugzeug in der Höhe abschießen geht nur mit speziellen Raketen und in der Gegend gab es nur russische.
    Aber wer sie abgeschossen hatte, wurde nicht gesagt.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  7. Die meisten Meldungen der Tageszeitungen beruhen auf Meldungen der Deutschen Presse Agentur oder der Agentur Reuters. Dies erfolgt aus Kostengründen.
    Eigene Rechercheabteilungen können sich kleine Verlage nicht leisten und selbst große Verlage verzichten öfters darauf eigene Korrespondenten in Kriegsgebiete zu schicken.
    Das könnte man dann „westliche Wertegemeinschaft“ nennen.
    Bei der Bildzeitung muss ich die Hosen runter lassen.
    Siehe weiter unten. Ebenfalls in Sekunden überprüft.
    Diese Browsereinstellung ist exakt dieselbe, mit der ich z.B.
    Bankaufträge erteile. Was die „Bild“ da noch zusätzlich von mir verlangt, bleibt mir unerfindlich.
    Allerdings sieht die „Bild“ schon bei der Anmeldung, woher der Zugriff erfolgt. Wenn man in Deutschland sitzt oder in Thailand, dann kann das schon einen Unterschied machen.

    https://www.bild.de/wa/ll/bild-de/privater-modus-unangemeldet-54578900.bild.html

    Hallo Helmut,
    hinsichtlich dieses Verkehrsflugzeuges über der Ostukraine gab es ja noch die Meldung, dass dieses kurzzeitigen Kontakt mit einem Kampfflugzeug hatte. Angeblich deuteten die Einschußlöcher auf eine 30 mm Bordkanone hin.

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