Yanis Varoufakis: Politiker sollten überwacht werden, nicht die Bürger


Deutschland/Griechenland/Politik

Yanis Varoufakis sprach offen über die Deutsche Bank, die EU, Überwachung, Griechenland und Wolfgang Schäuble in einem sehenswerten Interview, geführt von Tilo Jung.

In einem Interview, das Tilo Jung mit Yanis Varoufakis führte, traf der frühere griechische Finanzminister einige interessante Aussagen über die Politik in Europa. Auf die Frage, worauf zukünftige Politiker achten müssten, sagte er:

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Größere Offenheit. Transparenz sei das einzige Gegengift gegen politische Spielereien. „Ich wünschte, es gäbe überall Kameras. Überall, bei jedem Meeting, im Büro des Premierministers, damit die Leute sehen, was wirklich passiert.“

Sämtliche Regierungsaktivitäten müssten voll überwacht werden. „Ich möchte, dass Regierungen transparent und Bürger unsichtbar sind. Jetzt haben wir das Gegenteil. Undurchsichtige Regierung und gläserne Bürger.“ Er schlug vor, alle EU-Sitzungen live zu übertragen.

Varoufakis über Schäuble

Wolfgang Schäuble bezeichnete er als sehr schlechten Finanzminister für die Deutschen. Er verhalte sich wie die Populisten: „Er spielt mit den Vorurteilen des durchschnittlichen deutschen Wählers.“ Etwa indem er die Bürger glauben ließe, dass das einzige richtige Wirtschaftsmodell das deutsche sei.

Derzeit gehe es Deutschland noch gut, aber „am Ende kommt die Krise zu dir zurück und haut dir eine rein“, so Varoufakis. Am Zusammenbruch der Rentenkassen, der Insolvenz kleiner Banken, der Negativzinsen und der wachsenden Ausländerfeindlichkeit sei Wolfgang Schäuble schuld. Schäuble jedoch versuche das alles der EZB in die Schuhe zu schieben.

Die deutsche Sparpolitik werde zu weit getrieben. „Familien sparen und Unternehmen leihen. Wenn aber alle sparen, wer leiht sich dann noch etwas? Was passiert wenn alle sparen? Der Preis des Geldes sinkt. Der Preis des Geldes sind die Zinsen. Darum habt ihr Negativzinsen. Nicht wegen Draghi.“

„Wenn jeder in Deutschland spart, müssen sie das Geld irgendjemandem leihen“, so Varoufakis weiter. Deutschland zwinge sich durch diese Wirtschaftspolitik selbst dazu, das angesparte Geld im Ausland zu verleihen. Gleichzeitig beschweren sich die Deutschen darüber, dass sich andere Länder von ihnen Geld leihen.

Griechenland kein souveräner Staat

Griechenland sei kein souveräner Staat, die Regierung sei lediglich etwas, „was so ähnlich aussieht“, das Land eine Nation, die brutal unterdrückt werde. Bei den Unterdrückern handle es sich um das europäische Establishment. Darunter deutsche und französische Banken, die im Namen Griechenlands freigekauft worden seien.

Die Deutsche Bank bezeichnete Varoufakis als „bankrott“, als „scheußliche Institution“ und als ein „Riesenproblem“, die eigentlich nur von Schäuble am Leben gehalten werde, auf Kosten der deutschen Bevölkerung. Die Eurogruppe verglich er mit dem sowjetischen Politbüro.

  • Zum kompletten Interview (28 Minuten lang) geht es hier: klick.
  • Zum Youtube-Kanal von Tilo Jung (Jung & Naiv) geht es hier: klick.

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1 Comment

  1. Da hat der Mann durchaus Recht.
    Aber ich denke, er meint nicht sich und die griechischen Schuldner- Politiker, sondern die Anderen.
    Es sind nämlich immer die Anderen!

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