Gold: Langfristige Kaufkraftentwicklungen


Gold/USA

Verfolgt man in diesen Tagen die Prognosen zum Edelmetallmarkt in großen Zeitungen, so kann einem wahrlich schwindelig werden. Konzernblätter von Bertelsmann, Springer und Staat überschlagen sich mit wissenschaftlichsten Analysen. Oft lässt man dabei den einen oder anderen Experten zu Wort kommen, der aktuelle Kursentwicklungen tiefgründigst zu erklären versucht. Beispiel: Fällt der Kurs, liegt es an Libyen. Steigt der Kurs, liegt es an Libyen. Passiert nichts, warten alle auf News aus Libyen.

Das beliebteste Tauschmittel
der Menschheitsgeschichte: Gold

Sehr beliebt sind derzeit auch die Ereignisse in Griechenland und Portugal, um Preisentwicklungen zu erklären. Neuerdings ist sogar von einem „starken Euro“ die Rede, der aber vielleicht auch nur von einem noch schwächeren Dollar profitiert.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Fernab davon möchte ich in diesem Artikel längerfristige Preisentwicklungen auflisten und in „Gramm Gold“ umrechnen, um wenigstens teilweise herauszufinden, ob sich Gold nun als Wertspeicher eignet, oder eben nicht. Das absolute Pro-Argument physischen Goldbesitzes ist natürlich der geringe Zugriff seitens  Regierungen und Zentralbanken, dazu kommt die weltweite Akzeptanz gegenüber dem Edelmetall. Doch eignet es sich auch als Wertanlage? Zur Recherche nehme ich dabei einen historischen Goldpreis-Chart in US-Dollar + einen historischen Reichsmark/D-Mark in US-Dollar Chart. Löhne und Preise werden aus allen möglichen Quellen herausgekramt (s. ganz unten) und in Gold (Jahresdurchschnitt) umgerechnet.


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19. Jahrhundert

1882 kostete ein Pfund Kalbfleisch 55 Pfennig = 0,2 Gramm Gold
1882 kostete ein Pfund Schweinefleisch 63 Pfennig = 0,23 Gramm Gold
1882 kostete ein Pfund Weizenmehl 24 Pfennig = 0,086 Gramm Gold
1882 kostete ein Zentner Kartoffeln 3,06 Mark = 1,1 Gramm Gold

20. Jahrhundert


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In den USA haben bis heute die Reichen und Mächtigen fast freie Hand, jenseits demokratischer Kontrollen.

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1900 kostete 1 Liter Milch 0,07 Gramm Gold
1925 kostete ein Laib Brot 37 Pfennig = 0,13 Gramm Gold
1930 kosteten 100 kg Weizenmehl 50 Mark (Großhandel) = 17,67 Gramm Gold
1930 betrug die Monatsmiete für einen 4-Personenhaushalt 24 Mark = 8,48 Gramm Gold
1930 verdiente ein Maurer pro Stunde 1,37 Mark = 0,48 Gramm Gold
1930 kostete ein Pfund Rindfleisch 1 Mark = 0,35 Gramm Gold
1930 kostete ein Pfund Salz 8 Pfennig = 0,03 Gramm Gold
1930 kostete ein Pfund Kartoffeln etwa 20 Pfennig = 0,07 Gramm Gold
1933 Durchschnittl. Stundenlohn: 45 Pfennig = 0,2 Gramm Gold
1933 Kubikmeter Wasser: 19 Pfennig = 0,05 Gramm Gold
1936 Durchschnittl. Stundenlohn: 50 Pfennig = 0,18 Gramm Gold
1937 Durchschnittl. Stundenlohn: 60 Pfennig = 0,21 Gramm Gold
1939 kostete ein halber Liter Bier in einer Bar 39 Pfennig = 0,14 Gramm Gold
1950 kostete 1 Liter Milch 0,07 Gramm Gold
1959 kostete ein Liter Benzin 60 Pfennig = 0,13 Gramm Gold
1959 kostete ein Eigenheim im Durchschnitt 33’000 DM = 7,016 kg Gold
1960 verdiente ein Arbeiter durchschnittlich monatl. 449.99 DM = 90,71 Gramm Gold
1965 Müllgebühren pro Gefäß (2-3 Pers.): 16 DM = 3,46 Gramm Gold
1970 Müllgebühren pro Gefäß (2-3 Pers.): 22 DM = 4,93 Gramm Gold
1970 kostete ein Liter Benzin 60 Pfennig = 0,13 Gramm Gold
1975 Kubikmeter Wasser: 2,75 DM = 0,050 Gramm Gold
1975 Müllgebühren pro Gefäß (2-3 Pers.): 48 DM = 4,02 Gramm Gold
1984 Kubikmeter Wasser: 4,50 DM = 0,14 Gramm Gold
1985 Müllgebühren pro Gefäß (2-3 Pers.): 126 DM = 3,88 Gramm Gold
1990 verdiente ein Arbeiter durchschnittlich monatl. 2325.99 DM = 105,33 Gramm Gold
1990 kostete 1 Liter Milch 0,06 Gramm Gold
1990 kostete eine Zigarette 24 Pfennig = 0,01087 Gramm Gold
1992 kostete ein Liter Benzin 1,33 DM = 0,06254 Gramm Gold
1993 kostete ein halber Liter Bier in einer Bar 1,12 DM = 0,0755 Gramm Gold

21. Jahrhundert

2002 kostete eine Zigarette 15,79 Cent = 0,01353 Gramm Gold
2003 kostete ein Laib Brot 2,50 Euro = 0,2259 Gramm Gold
2004 Kubikmeter Wasser: 1,71 Euro = 0,17 Gramm Gold
2005 kostete ein Liter Benzin 1,25 Euro = 0,119 Gramm Gold
2005 kostete eine Zigarette 22,35 Cent = 0,02119 Gramm Gold
2009 verdiente ein Arbeiter durchschnittlich monatl. 2114,29 Euro = 90,26 Gramm Gold
2010 Kubikmeter Wasser: 1,70 Euro = 0,06 Gramm Gold
2011 Pfund Schweinerücken: 5,45 Euro = 0,172 Gramm Gold
2011 Liter Milch: 0,56 Euro = 0,0165 Gramm Gold
2011 kg Zucker 0,65 Euro = 0,019 Gramm Gold
2011 kostete ein Eigenheim durchschnittlich 235’000 Euro = 7,2 kg Gold
2011 kostet ein Liter Benzin 1,64 Euro = 0,051 Gramm Gold


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Diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit! Was wir hier aber sehr schön sehen, ist, dass Waren und Einkommen je nach Konjunktur in ihrer Kaufkraft variieren, doch dass die Preise in Gold gerechnet meist um bestimmte Mittelwerte „herumschwanken“. Pro Kubikmeter Wasser musste man im Jahre 1933 50 mg Gold berappen, genau wie im Jahre 1975. 1984 mussten dafür 140 mg ausgegeben werden, im Jahre 2004 sogar 170 mg, im Jahre 2010 ging es wieder auf das alte Niveau von 60 mg zurück. Ein halbes kg Schweinefleisch kostete im Jahre 1882 beispielsweise 230 mg Gold, was in heutigen Euro gerechnet etwa 7,39 Euro entspricht. Für meinen Grillabend letzte Woche, also rund 130 Jahre später, gab ich für 500 Gramm Schweinerücken genau 5,45 Euro aus. 1959 wurde für ein Eigenheim durchschnittlich 7 kg Gold bezahlt, exakt so viel wie im Jahre 2011. 1960, 1990 und 2009 verdienten Arbeiter durchschnittlich zwischen 90 und 105 Gramm Gold monatlich.

Sicherlich gab es Zeitpunkte extremer Übertreibungen, wie z.B. das Ende von Bretton Woods 1971, die Silberblase 1980 oder die Dotcom-Blase im Jahre 2000. Zeitpunkte, an denen sich Preise und Löhne aufgrund politischer Interventionen kurzzeitig stark änderten. Solche extremen Übertreibungen sind aber nie von Dauer und wurden darum weggelassen. In diesem Beitrag geht es um langfristige Entwicklungen. Mit dem Fazit, dass Gold als langfristiger Wertspeicher geeignet ist und seine Funktion als (bürgerliches) Geld durchaus erfüllt. Legen Sie sich eine Unze Gold in die Schublade, wird sich Ihr Ur-Ur-Ur-Urenkel davon in 200 Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach einen schicken Anzug oder etwas in dieser Größenordnung kaufen können. Legen Sie stattdessen 1000 Euro für 200 Jahre in dieselbe Schublade, bin ich mir dessen nicht so ganz sicher.

Quellen: Historical USD to RM, Die badische Auswanderung nach Nordamerika (s. 127 – 132), Tariflöhne seit 1948, Albstadtwerke, Stadt Achern, Historical Price of Gold, Aldinger Chronik (Buch, herausgegeben 1984), Commerzbank, rück das Geld raus, Was-war-wann.de, Entwicklung des Zigarettenpreises in Deutschland, Was kosten Zigaretten?, Benzinpreisentwicklung, Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 1930, Goldpreisentwicklung seit 1800, Berufstätige Frauen in den goldenen Zwanzigern, Wie viel darf mein Eigenheim kosten?, Aktueller Goldpreis, Goldpreis, Devisenkurse


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4 Comments

  1. Kleiner Tipp:

    Entweder g oder mg. Ziemlich unsinnig, einmal 0,17g und einmal 172mg zu schreiben, wenn es quasi dieselbe Menge ist. Das erschwert höchstens den Vergleich.

    Ansonsten: sehr schöne Austellung! Danke!

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