Verdrängt der „Petroyuan“ den Petrodollar?


China/USA/Wirtschaft

Der US-Dollar könnte schon bald ernsthafte Konkurrenz vom chinesischen Yuan erhalten. Vieles hängt von Saudi-Arabien ab, glaubt ein Finanzmagazin.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
Petroyuan
Petroyuan, Bild: Gegenfrage.com, Motive: Flaggen USA + China, gemeinfrei

Im Jahr 1974 machten US-Präsident Richard Nixon und König Faisal aus Saudi-Arabien einen Deal. Spätestens daraus ging das Petrodollar-System hervor, welches bis heute anhält. Der Deal beinhaltete, dass Saudi-Arabien Öl an seinen größten Importeur der Welt verkauft, damals die USA.

Die USA wiederum bieten Saudi-Arabien Geld, militärische Hilfe und politische Unterstützung. Die Saudis reinvestieren dann Milliarden ihrer Petrodollar-Einnahmen in US-Staatsanleihen. Seit dieser bahnbrechenden Vereinbarung wird Öl fast ausschließlich in US-Dollar gehandelt, selbst wenn die Käufer und Produzenten nicht amerikanisch sind.

Die Folgen waren massiv. So wurde eine enorme Nachfrage nach dem US-Dollar geschaffen und etablierte diesen als globale Handelswährung. Dadurch wurde es den USA letztendlich ermöglicht, ein riesiges Defizit zu machen und Geld zu sehr niedrigen Zinssätzen aufzunehmen, um die US-Ausgaben und das Wachstum für die kommenden Jahrzehnte zu finanzieren.

In den letzten Jahren wenden sich jedoch einige Nationen vom Petrodollar ab. Eine Ursache ist sicherlich die zunehmende Sanktionspolitik der westlichen Nationen, glaubt das Finanzmagazin FXStreet.

So hat beispielsweise Washington die russische Wirtschaft ins Visier genommen, um Moskau zu schwächen. Als Reaktion darauf hat sich Russland allmählich von der Abhängigkeit des US-Dollars gelöst. Russland rückt näher an China heran und schafft Alternativen zum SWIFT-System, das nicht vom Westen kontrolliert wird.

China und Russland haben darüber hinaus vereinbart, Yuan und Rubel für den bilateralen Ölhandel zu verwenden. Ein Handelssystem ohne den Dollar wird es den Ländern ermöglichen, die Sanktionen der USA zu umgehen und ihnen entgegenzuwirken. Diese Abkehr vom Petrodollar hat die Fähigkeit der USA verringert, den Dollar als Waffe einzusetzen.

Die Alternative: Petroyuan?

China die USA inzwischen als weltweit führender Ölimporteur überholt. Aus Chinas Sicht ist es daher sinnvoll, diese Transaktionen in Yuan abzuwickeln. So wie Petrodollar in den letzten vier Jahrzehnten mehr Nachfrage nach US-Dollar schaffte und die US-Wirtschaft stützte, soll der Petroyuan auch die Nachfrage nach Waren und Schuldtiteln in China ankurbeln.

Zu diesem Zweck möchte Peking in den kommenden Monaten auf Yuan notierte Öl-Futures einführen. Im Juli hat die Shanghai INE (International Energy Exchange) eine Studie über Rohöl-Futures in Yuan abgeschlossen. Das INE möchte demnach versuchen, die Benchmark bis zum Ende des Jahres zu starten.

Um den Petroyuan zu etablieren, hat China in den vergangenen Jahren aktiv den größten Ölproduzenten Saudi-Arabien umworben. Viele Experten glauben, dass die anderen ölexportierenden Länder diesem Beispiel folgen könnten, sollte Saudi-Arabien zustimmen.

Sicherheit in Gold

„Das Problem ist jedoch Chinas geschlossener Kapitalmarkt und die Unfähigkeit, chinesische Währung außer Landes zu bringen“, so FXStreet weiter. Um diese Angst zu lindern, soll China den Ölproduzenten eine Option bieten, den Yuan in Shanghai und Hongkong in physisches Gold umzutauschen.

Sicherlich wird es nicht einfach sein, den Dollar zu ersetzen, und es gibt immer noch Herausforderungen, wie China braucht, um die großen Länder zur Teilnahme zu bewegen. Darüber hinaus könnte Saudi-Arabien Rückschläge in ihren Beziehungen mit ihrem langjährigen Verbündeten USA erleiden.

Die jüngste Entwicklung deutet darauf hin, dass sich die Beziehungen Saudi-Arabiens zu China verbessern. Im Mai dieses Jahres unterzeichnete König Salman Abkommen mit China im Wert von 65 Milliarden Dollar. König Salman sagte öffentlich, er hoffe, dass China eine größere Rolle in den Nahost-Angelegenheiten spielen könne.

Im August dieses Jahres fügten China und Saudi-Arabien weitere 70 Milliarden Dollar hinzu. Der Deal umfasste Investitionen, Handel, Energie, Post, Kommunikation und Medien.

Ende des Petrodollar?

Obwohl der US-Dollar nicht über Nacht seinen Status als Weltreservewährung verlieren dürfte, könnte der Start von auf Yuan lautenden Rohöl-Benchmarks den Anfang vom Ende des Petrodollar bedeuten, so FXStreet weiter. Was passiert mit dem Dollar und dem Öl bei der Einführung des Petroyuan?

Die Einführung eines Yuan-Futures-Referenzindex für China in den kommenden Monaten könnte eine große Verschiebung innerhalb der globalen Ordnung darstellen. Es könnte möglicherweise eine progressive Abwertung des US-Dollars auslösen.

Zunächst dürfte es eine allgemein geringere Nachfrage nach US-Wertpapieren geben. Anschließend, so schätzt Carl Weinberg, Chefvolkswirt bei High Frequency Economics, dass Transaktionen im Wert von 600 bis 800 Milliarden aus dem Handel in US-Dollar entfallen werden.

Durch die Abwertung der amerikanischen Währung werde der Ölpreis in Dollar steigen. Auch die Preise für Gold und andere Rohstoffe werde in Dollar steigen, so die Prognose.

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fxstreet

2 Comments

  1. Da wäre ich vorsichtig. Denn die Chinesen sind extrem hoch in eigener Währung verschuldet. Anders wäre das hohe Wirtschaftswachstum auch nicht darstellbar gewesen.
    Zudem ist China an einem hohen Dollarkurs interessiert;
    kein Wunder bei über 2,5 Billionen Dollar Guthaben, wozu noch hohe Sachwerte in den USA kommen.
    Wenn der Dollar um 10 % gegenüber dem Euro oder dem Yen (Renminbi) verliert, verliert China sofort die Kleinigkeit von 250 Mrd. Dollar.

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