Türkei wendet sich Russland zu, weg von NATO und Dollar?


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Die Türkei behält sich vor, ihre Waffen künftig auch aus Ländern zu beziehen, die keine NATO-Mitglieder sind. Dies sagte der türkische Außenminister gestern im türkischen Fernsehen, nur zwei Tage nach einem Treffen der Präsidenten Russlands und der Türkei in St. Petersburg. Dort wurde laut türkischen Medien auch die Möglichkeit diskutiert, den bilateralen Handel künftig in Rubel und Lira abzuwickeln, statt in US-Dollar.

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Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Donnerstag laut Reuters im türkischen Fernsehen, dass das Land auch außerhalb der NATO-Verteidigungsindustrie nach Kooperationen Ausschau halte. Eine diplomatische Art zu sagen, dass man sich auch auf dem russischen und chinesischen Waffenmarkt umsieht, schreibt Zerohedge. Cavusoglu traf diese Aussage am selben Tag, an dem die Türkei ankündigte, Ziele des Islamischen Staats in Syrien aus der Luft zu bombardieren und sich diesbezüglich mit Russland abzustimmen.

Ankara hatte die Angriffe eingestellt, nachdem türkische Kräfte im vergangenen Jahr ein russisches Flugzeug abgeschossen hatten. Nach dem Abschuss der russischen Maschine durch das türkische Militär drohte ein bewaffneter Konflikt zwischen beiden Ländern. Die NATO warnte die Türkei im Februar, dass sie das Land im Falle eines militärischen Konflikts mit Russland nicht unterstützen werde.

Cavusolgu fügte hinzu, „gemeinsame Aktionen gegen den gemeinsamen Feind“, den Islamischen Staat, durchzuführen. Der Außenminister betonte die Notwendigkeit eines schnellen Handelns, da sich der Islamische Staat anderenfalls auch rasch auf andere Länder ausbreiten könne. Dass diese Aussagen von jener Nation stammen, die mit dem Islamischen Staat regen Ölhandel betreibt, klingt etwas ironisch. Bemerkenswert ist aber, dass man sich anscheinend dem Kreml weiter zuwendet. Die Beziehungen zwischen der Türkei und dem Westen kühlen immer weiter ab, was nicht nur durch die zunehmend türkeikritische Berichterstattung in westlichen Massenmedien festzustellen ist.

„Die Türkei und Russland werden einen gemeinsamen militärischen, geheimdienstlichen und diplomatischen Mechanismus etablieren“, sagte Cavusoglu am Mittwoch laut der Anadolu Post. Russland und die Türkei seien „bereit, den Weg für engere Beziehungen zu ebnen.“ Die Kommentare folgten einem Treffen zwischen Putin und Erdogan am 09. August, der ersten Sitzung der beiden Staatsoberhäupter seit dem Abschuss der russischen Maschine. Auch hier war ein Richtungswechsel der Türkei deutlich festzustellen.

So wurde laut der türkischen Zeitung Günes etwa der Vorschlag diskutiert, den bilateralen Handeln zwischen Russland und der Türkei künftig in Rubel und Lira abzuwickeln, statt in US-Dollar. Erdogan betonte, dass „beide davon profitieren würden“, nicht zuletzt aufgrund des starken Wertverlusts der Türkischen Lira gegenüber dem Dollar. Die Inflation in der Türkei liegt momentan bei 8 Prozent, die jüngsten Abwertungen kippten noch weiteres Benzin ins Feuer.

Zuvor hatte Erdogan die US-Regierung und die EU laut Washington Times beschuldigt, die Putschisten unterstützt zu haben, welche im Juli versucht hatten die türkische Regierung zu stürzen.

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