Eurokrise: Ist Portugals Rettung gescheitert?


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In Portugal ist die Rettung aus der Finanzkrise völlig gescheitert: Die Schulden sind heute fast doppelt so hoch wie 2007, die Produktivität ist weiterhin schwach, die Arbeitslosigkeit hoch. Durch die Gelddruckprogramme der EZB steigen nun die Teuerungsraten.

Krise in Portugal
Krise in Portugal, Bild: Flaggen EU + Portugal, gemeinfrei

Griechenland taucht derzeit wieder auf dem Krisenradar auf. Doch nicht nur dort, sondern auch in Portugal hat die Euro-Rettung völlig versagt, schreibt Armstrong Economics. Es habe keine effektive Lösung für die Schuldenkrise in Südeuropa gegeben. Die Verschuldung Portugals sei heute wesentlich höher als vor Ausbruch der Krise.

Hatte das Land 2007 nach Maastricht-Vertrag 120,09 Milliarden Euro Schulden, so sind sie heute mit 232,67 Milliarden Euro fast doppelt so hoch. Unter anderem Europäische Steuerzahler hätten das Land im Jahr 2011 mit 78 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt, welche jedoch ausschließlich für die Rettung von Banken verwendet wurden. Der Beitritt zum Euro habe Südeuropa wirtschaftlich zerstört, so Armstrong.

IWF warnt, EZB druckt

Der IWF forderte Portugal im Februar dazu auf, die Staatsschulden zu reduzieren und mahnte Anleger zur Vorsicht. Dennoch lobte die Institution das Land für seine Anstrengungen im Kampf gegen die Krise. Der IWF beteiligte sich ebenfalls an der 78 Milliarden Euro-Tranche in 2011.

Durch die monetären Impulse der EZB sind die Verbraucherpreise in der Eurozone im Januar 2017 erstmals seit Januar 2013 um durchschnittlich 1,8 Prozent gestiegen. Insbesondere „steil ansteigende Preise“ in Deutschland (2,2 Prozent) und Spanien (3 Prozent) seien dafür verantwortlich, meldet DW.

Nach Angaben von Eurostat stiegen die Energiepreise im Februar um 9,2 Prozent, die Preise für Dienstleistungen um 1,3 Prozent. Lebensmittel, Alkohol und Tabak kosteten 2,5 Prozent mehr.

Die EZB hat in den vergangenen zwei Jahren mit „gedrucktem“ Geld Vermögenswerte in Höhe von 1,5 Billionen Dollar aufgekauft. Die EZB möchte die Schuldenlast krisengeschüttelter Mitglieder der Eurozone wie Italien, Griechenland und Portugal senken, indem sie die Zinsen niedrig hält, während die Inflation steigt.

Die Europäische Kommission warnte im Februar vor „extremen Ungleichgewichten“ in Portugal. Hohe private und öffentliche Verschuldung, hohe Arbeitslosigkeit, schwache Produktivität und notleidende Kredite seien weiterhin die Schwachstellen der portugiesischen Wirtschaft. Auch das Wachstumspotential sei weiterhin sehr niedrig.

Quellenangaben anzeigen
armstrong, washingtonpost, dw, portugalnews

10 Kommentare

  1. …Die Schulden sind heute fast doppelt so hoch wie 2007…
    Die Schulden der USA sind auch heute doppelt so hoch wie 2007.

    Es ist das altbekannte Spiel, das die Banken seit jeher betreiben:
    In Zeiten des Wohlstands lockt man die Menschen in die Schulden,
    dann werden die Zinsen erhöht und die Geldmenge wird reduziert, die Kaufkraft des Geldes und damit auch der Schulden steigt an, die Menschen können die Schulden nicht mehr bedienen und das Eigentum wird gepfändet.
    Jetzt kommt bald der Zinsanstieg und dann greifen sich die Banken eine Menge der als Pfand hinterlegter Sicherheiten, obwohl sie für das Geld erzeugen nur 1% Sicherheit bei der EZB hinterlegen mussten.
    Im Klartext: Der Häuschenbauer, der seine 100 TSD nicht mehr an die Bank zurückzahlen kann, verliert sein Häuschen an die Bank und die Bank hat dann bei der EZB 1.000 Euro Schulden, aber ein Häuschen mit einem Wert von100 TSD.
    Und da jagt die Polizei rumänische Hütchenspieler, die vor der Bank Passanten um einige Euro betrügen.
    Was für eine verkehrte Welt.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. @Helmut Josef Weber
    Das Silberkomplott! Absolute Pflichtlektüre.

    Nun müssen den Schulden nur noch die Preise folgen.

  3. Man sollte nicht immer nur die Privatbanken als Schuldige ausmachen. Denn der wahre Schuldige an dem ganzen finanziellen Desaster sind die Regierungen.
    Nach der ersten Rezession 1966 war den westlichen Regierungen der Schreck in die Glieder gefahren. Denn im Osten tönte es sofort: „allgemeine Krise des Kapitalismus!“
    Somit erinnerte man sich an den Ökonomen Keynes, der da Konjunkturprogramme empfahl. Dazu müsse man Schulden machen und diese Schulden dann später in der Konjunktur wieder tilgen. Aber zu diesen Schulden addierten sich nicht nur Zinsen, sondern auch Rüstungsausgaben- der Kalte Krieg musste auch bezahlt werden.
    In der Folgezeit hat sich das dann aufgeschaukelt.
    Selbstverständlich haben die Banken davon profitiert, aber eben auch die Konsumgüterindustrie und letztlich auch der Arbeitnehmer der sich ein neues Auto finanzieren lies und später diese Schulden mit dann höherem Einkommen zurückzahlte.
    Aber jeder Turm fällt einmal um wenn er zu hoch gebaut wurde.
    „Nun müssen den Schulden nur noch die Preise folgen“.
    Ja, das könnte man meinen und wird wahrscheinlich als vorübergehende Erscheinung auch so sein.
    Allerdings verschwinden die Schulden durch Inflation nicht, weil diese noch nie durch Inflation verschwunden sind.
    Denn zu einer angenommenen Jahresinflation von 30 % gehören Schuldzinsen von mindestens 38 %. Und deshalb können die Schulden nicht verschwinden. Schulden verschwinden immer nur durch einen Crash und oder Währungsreform.

  4. Der kleine, nette Portugiese, oder der Millionenstar bei Benfica und die ganzen Algarve-Gewinnler haben natürlich nichts damit zu tun.
    Die Armen werden ärmer, trotzdem leben wir noch. So wie auf der ganzen Welt. Frust ist vorhanden.

  5. Hallo Hermann Heim.
    Zu den Armen einige Zeilen.
    Nun wohne ich in Spanien, aber habe natürlich als Vater und Opa enge Verbindungen nach Deutschland.
    Mein Schlagwort könnte provokativ heißen: Die Armen leben wie die Fürsten in Deutschland.
    Jeder Deutsche kann maximal auf eine Lebensqualität absinken, die im 18. Jahrhundert auch nur *ansatzweise* Fürsten und Königen hatten.
    Nur die Fürsten lebten in beheizten Räumen und hatten, wenn überhaupt, fließendes Wasser, kalt und warm; sie brauchten nie hungern, wurden aber (gegenüber den heutigen Armen) nur recht dürftig medizinisch versorgt.
    Kein TV, keine Computer, kein Smarti, kein Strom, usw.
    Eine Reise in das nächste Land war eine beschwerliche Tortur über viel Tage.
    Nun werden einige sagen: Der Mann hat doch überhaupt keine Ahnung davon, was wirklich unter den Armen in Deutschland los ist.
    Doch- habe ich, denn ich habe eine schwerbehinderte erwerbsunfähige Tochter, die in Deutschland (zur Aufstockung Ihrer Rente) die Grundsicherung erhält und in einer eigenen Wohnung lebt.
    Sie lebt dort, wie die oben erwähnten Fürsten, dafür sorgt der deutsche Staat durch eine angemessene Wohnung, zahlt die Heizung, die Krankenkasse und die Nebenkosten für die Wohnung.
    Mit den anderen etwa 400,00 Euro, muss meine Tochter dann den Monat über den Rest bestreiten; müsste….
    Da meine Ehefrau und ich, unsere Tochter ***legal***mit einem Betrag unterstützen, der mehr doppelt so hoch ist wie das deutsche Kindergeld, erhalten wir für unsere Tochter auch noch deutsches Kindergeld.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  6. Hallo H.J.Weber!
    Bedauere vom Herzen ihre schwer behinderte Tochter. Denke aber, dass wenn in DEU ihr nur mehr 400 Euro bleiben, von ihnen doch hoffentlich etwas Unterstützung kommt. Und dass es vor Hunderten von Jahren den“Fürsten“ gut ging bedeutet nur, dass bis heute sich nicht all zu viel verändert hat. Obwohl heizen mit Zuschuss geht meist noch.
    Liebe Grüße nach Andalusien und fahren sie vielleicht mal mit dem Rad an die Algarve zwecks Augenschein.
    H.Heim

  7. Genau deshalb, Helmut, habe ich mich schon früher hier und anderswo dagegen verwahrt, „Merkeltanien“ in Bausch und Bogen zu verdammen. Aktuell können sich nur die Wenigsten über die Lebenssituation beschweren.
    Nur fährt der Zug auf dem falschen Gleis in die falsche Richtung.
    Je mehr die Merkel am Steuer sitzt und nicht bereit ist zu verschwinden, desto weiter entfernt sich Deutschland von sich selbst.

  8. @ Bürgender

    Frage: bei WordPress- Programmen müsste es doch möglich sein, eine Bearbeitungsfunktion frei zu schalten.
    Dann hätte ich die unglückliche Formulierung „je mehr die Merkel“ ändern können in „je länger die Merkel“.

  9. Danke. Schau mal bei Tichys Einblick vorbei, da geht das.
    Ergebnis: deutlich weniger Fehler.
    Aber das geht nur dann, wenn alle Einschränkungen des Browsers des jeweiligen Nutzers ausgeschaltet sind. Bei Tichy geht nichts ohne Cookies.

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