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27.01.1980: Kollaps der Nugan Hand Bank


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Am 27. Januar 1980 brach die australische Nugan Hand Bank zusammen, nachdem Bankchef Nugan mit einem Kopfschuss tot aufgefunden wurde. Das Institut hatte Verbindungen zur Mafia, zu Drogenkartellen und zur CIA. 

Nugan Hand Bank CIA
Nugan Hand Bank CIA, Bild: Gegenfrage.com

Die Nugan Hand Bank war eine australische Handelsbank, die an diesem Tag im Jahr 1980 zusammenbrach. Der Zusammenbruch der Bank wurde von einem großen Skandal begleitet. Die Bank war angeblich an einigen illegalen Machenschaften beteiligt, darunter Drogenschmuggel und Waffenhandel.

Außerdem arbeitete das Institut eng mit der CIA zusammen und beschäftigte einige ehemalige Militär- und Geheimdienstagenten. Darunter auch CIA-Direktor William Colby. Die Verluste der Anleger und die Spekulationen rund um die Aktivitäten der Bank führten in den Jahren nach dem Kollaps zu drei großen Untersuchungen durch die Regierung.

Der US-Staatsangehörige Michael Jon Hand, Mitbegründer der Bank, sowie zwei weitere Bankangestellte wurden angeklagt, weil sie die Ermittlungen behinderten, indem sie wichtige Datensätze vernichteten oder verschwinden ließen.

Ehemalige Bankangestellte, darunter Brigadegeneral Erle Cocke und Douglas Sapper, bestätigten, dass die Nugan Hand Bank enge Verbindungen zur CIA hatte und die Finanzen der Behörde verwaltete.

Gründung

Die Nugan Hand Ltd. wurde im Jahr 1973 in Sydney vom australischen Anwalt Francis John „Frank“ Nugan und dem ehemaligen US-Green Beret Michael Jon „Mike“ Hand gegründet. Laut dem Schriftsteller Alfred W. McCoy wurde die Bank auf betrügerische Weise gegründet. Die Bank verfügte zunächst nur über 80 Dollar Eigenkapital und Guthaben in Höhe von fünf Dollar.

Frank Nugan stellte seiner eigenen Firma einen Scheck in Höhe von 980.000 Dollar aus und kaufte damit 490.000 seiner eigenen Aktien. Um dies zu vertuschen stellte er sich selbst einen weiteren Scheck in identischer Höhe aus.

Die Organisation lockte Anleger mit hohen Zinsen von bis zu 16 Prozent an, versprach Anonymität und Steuerfreiheit und bot Investmentberatungen und Geldwäsche an. Schnell wurden einige Geschäfte an Land gezogen, die die Bank zu einem weltweiten Netzwerk heranwachsen ließen.

So wurden etwa Niederlassungen in Chiang Mai, Manila, Hawaii, Singapur, Hong Kong, Taiwan, den Cayman-Inseln und Washington DC gegründet. Ein ehemaliger Mitarbeiter sagte im Jahr 1980, dass die Bank 2,5 Prozent auf unbesicherte Anlagen in Höhe von einer Million Dollar und darüber bezahlte, obwohl die marktübliche Rate in diesem Sektor bei 0,25 Prozent lag.

Dennoch war die Bank niemals in traditionelle Handelsbankgeschäfte wie Aktieninvestitionen oder Hypothekenfinanzierungen involviert. Stattdessen suchten ihre Auftraggeber alle Arten unkonventioneller Investitionsmöglichkeiten. Darunter der Handel mit Waffen oder die Preismanipulation von malaysischem Gummi und indonesischem Öl.

CIA-Agenten und US-Generäle

Über die Zweigstelle auf den Cayman-Inseln wurden auch Steuerumgehungen und andere Ausweichsysteme angeboten. Durch die Rekrutierung verschiedener hochrangiger Militär- und Geheimdienstvertreter gewann die Bank rasch an Ansehen. So belegte der ehemalige Admiral Earl P. Yates die Position des Bankpräsidenten.

Ex-CIA-Chef William Colby leitete die Rechtsabteilung. Auch der australische Magnat Peter Abeles war mit der Bank verbunden. Bernie Houghton war der saudi-arabische Vertreter der Bank, der jedoch in einem Kugelhagel aus dem Land flüchten musste, als wütende Einleger kein Geld ausbezahlt bekamen.

Michael Hand hatte einige enge geschäftliche und soziale Beziehungen zum ehemaligen Polizisten und Mafioso Murray Stewart Riley aus Sydney. Ab April 1976 initiierte Hand fünf Bargeldtransfers in Höhe von 295.000 Dollar an das Büro in Hongkong.

Rileys Mitarbeiter nutzten diese Mittel, um Heroin zu kaufen, das damals nach Australien versendet wurde. Nach Rileys Rat eröffnete Hand weitere Zweigstellen in Thailand, „um Drogengeld anzuziehen“. Zwei Jahre später ordnete er die Zerstörung aller belastenden Aufzeichnungen über Rileys Geldüberweisungen an.

Skandal und Kollaps

In den frühen Morgenstunden des 27. Januar 1980 führte der Tod von Gründer Frank Nugan zum Zusammenbruch der Bank. Nugan der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Aktienbetrugs angeklagt war, wurde in der Nähe von Lithgow, New South Wales, in seinem Mercedes sitzend mit einem Gewehr mit 0,3 Zoll-Kaliber in den Kopf geschossen.

Laut einer Untersuchung soll es sich um Selbstmord gehandelt haben. Allerdings blieben in diesem Fall einige Fragen unbeantwortet. So wurden auf der Waffe keine Fingerabdrücke entdeckt. Und es galt als sehr wahrscheinlich, dass die Polizei Vorkenntnisse über Nugans Tod hatte.

Im Auto wurden zudem Visitenkarten von William Colby gefunden. Außerdem war das Büro von Nugan geplündert worden, und Hand und Yates hatten wichtige Firmenakten angefordert, die als zerstört oder verborgen galten.

Im April 1980 stellte sich heraus, dass die Nugan Hand Bank insolvent war. Hand flüchtete im Juni 1980 unter einer falschen Identität aus Australien, nachdem er zahlreiche Bank-Dokumente zerstört hatte.

Verbindungen zur CIA

Der Politiker und Jurist John Dowd sagte, dass die Bank Drogengelder transferierte und Deals für korrupte Regierungen und die CIA durchführte. Ähnliches gab der ehemalige NSW-Attorney General Frank Walker an. Aus der Sicht der Regierung seien gute Beziehungen zwischen dem australischen Geheimdienst ASIO und der CIA wichtiger gewesen, als Kriminelle vor Gericht zu bringen.

Die Untersuchungsautoren Kwitney J. (1987) und McCoy AW (1991) behaupteten, die Nugan Hand Bank habe den Drogenhandel zwischen Schmugglern und der CIA „erleichtert“. Die Stewart Royal Commission entschied, dass es keine Beweise für diese Vorwürfe gab, was die Ermittler überraschte.

Laut Aussagen des amerikanischen Rüstungsunternehmers Christopher Boyce spielten die CIA und die Bank auch eine Rolle bei der Amtsniederlegung des australischen Premierministers Gough Whitlam.

Michael Hand in den USA untergetaucht?

Im März 1991 berichtete das australische Magazin The Eye, dass Michael Hand in den Vereinigten Staaten lebte und nannte eine Adresse und andere Details. Die australischen Behörden jedoch forderten keine Auslieferung an.

Im November 2015 berichtete der Sydney Morning Herald, dass Hand als Michael Jon Fuller in Idaho Falls, Idaho lebte.

Quellenangaben anzeigen
trove, sydneymorningheraldsydneymorningherald, archive, canberratimes, canberratimessydneymorningherald, wikipedia

2 Kommentare

  1. Heutzutage erschießt man sich nicht mehr als Bankchef, sondern man entwirft die Gesetzestexte, mit denen Merkelchen die Maastrichtverträge brechen und umgehen kann.
    Ist sicherlich nicht „das Gelbe“ aber wer sollte sie sonst entwerfen?

    Viele Grüße au Andalusien
    H. J. Weber

  2. Hallo Helmut,

    damit hast Du die Dinge erstklassig auf den Punkt gebracht.
    Wer sollte auch sonst die Bankregeln entwerfen, wenn nicht die Banken.

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