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20.05.1631: Massaker von Magdeburg


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Am 20. Mai 1631 drangen kaiserliche Truppen nach Magdeburg ein, plünderten alles was sie finden konnten, massakrierten fast die gesamte Bevölkerung und brannten die Stadt nieder.

Massaker von Magdeburg 1631
Massaker von Magdeburg 1631, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1631 führten die kaiserliche Armee und die Streitkräfte der Katholischen Liga das Massaker von Magdeburg durch, auch bekannt als Magdeburger Hochzeit oder Magdeburgs Opfergang.

Dieses Ereignis gilt heute als das schlimmste Massaker während des Dreißigjährigen Kriegs. Die Zerstörung der einst mächtigen, stolzen Stadt, die als „kulturelles Zentrum Norddeutschlands“ galt, erschütterte damals ganz Europa.

Vorgeschichte

Magdeburg, damals eine der größten Städte Deutschlands und etwa so groß wie Köln oder Hamburg, hat sich von der Katastrophe lange nicht erholt. Die Bürger Magdeburgs waren bereits 1524 protestantisch geworden und traten 1531 dem Schmalkaldischen Bund gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V. bei.

Während des Schmalkaldischen Kriegs von 1546/47 diente die Stadt des Niedersächsischen Reichskreises als Zufluchtsort für protestantische Gelehrte. Sie erhielt den Beinamen „Herrgottts Kanzlei“. Die Bürger weigerten sich offen, Kaiser Karls Augsburger Interim anzuerkennen und wurden 1550/51 von kaiserlichen Truppen unter Kurfürst Moritz von Sachsen belagert.

Der Dreißigjährige Krieg tobte bereits viele Jahre lang, als sich Magdeburg erneut gegen die kaiserliche Autorität auflehnte. Die Ratsmitglieder der Stadt waren durch die Invasion von König Gustav Adolf in Pommern am 6. Juli 1630 ermutigt worden.

Der schwedische König war ein lutherischer Christ, und viele Magdeburger waren davon überzeugt, dass er ihnen bei ihrem Kampf gegen die Katholiken helfen würde. Doch hatte die Stadt Magdeburg noch einen guten Grund, sich mit ihm zu verbünden: Die schwedische Armee war eine der effizientesten der damaligen Zeit.

Gustav Adolf war nicht so sehr auf Söldner angewiesen wie andere Herrscher. Seine Armee bestand hauptsächlich aus seinen schwedischen Kämpfern. Die Armeen des römisch-deutschen Kaisers hingegen waren eine bunte Mischung aus Ungarn, Kroaten, Spaniern, Polen, Italienern, Franzosen, Deutschen und anderen.

Im November 1630 entsandte König Gustav seinen Kommandanten Dietrich von Falkenberg, um Magdeburgs militärische Angelegenheiten zu leiten, und versprach der Stadt seinen persönlichen Schutz. Mit Unterstützung des lutherischen Klerus ließ Falkenberg die Vororte verstärken und zusätzliche Truppen rekrutieren.

Auflehnung gegen den Kaiser

Als die Magdeburger Bürger es ablehnten, dem Kaiser eine geforderte Huldigung zu zahlen, belagerten die kaiserlichen Truppen unter dem Befehl des Grafen Johann Tserclaes von Tilly die Stadt.

Die Stadt wurde ab dem 20. März 1631 umstellt und Tilly übertrug seinem untergeordneten kaiserlichen Feldmarschall Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim das Kommando, während er sich anderweitig engagierte. In heftigen Kämpfen eroberten die kaiserlichen Truppen mehrere Teile der Stadtfestung und Tilly verlangte die Kapitulation.

Zu dieser Zeit versammelten sich etwa 24.000 Soldaten vor den Stadtmauern. Nach zweimonatiger Belagerung und dem schwedischen Sieg in der Schlacht von Frankfurt an der Oder am 13. April 1631 überzeugte Pappenheim Tilly, der Verstärkung gebracht hatte, am 20. Mai mit 40.000 Mann unter dem persönlichen Kommando Pappenheims die Stadt zu stürmen.

Die Magdeburger Bürger hatten vergebens auf einen schwedischen Hilfsangriff gehofft. Am letzten Tag der Belagerung waren die Ratsmitglieder davon überzeugt, dass es an der Zeit für einen Friedensschluss sei, doch erreichte dieses Angebot den Grafen von Tilly nicht rechtzeitig.

20. Mai

Am frühen Morgen des 20. Mai begann die Eroberung mit schwerem Artilleriefeuer. Die Befestigungen der Stadt wurden durchbrochen und die kaiserlichen Truppen konnten die bewaffnete Opposition überwältigen. Sie öffneten das Kröckentor, was die gesamte Armee in die Stadt eindringen ließ, um die reichen Warenvorräte zu plündern.

Der schwedische Kommandant Dietrich von Falkenberg wurde von katholischen Truppen erschossen. Als die Stadt fast verloren war, verminte die Garnison verschiedene Bereiche, in anderen legten sie Feuer.

Nach dem Fall der Stadt begannen die kaiserlichen Soldaten die Bewohner zu massakrieren und die Stadt nieder zu brennen. Die Soldaten hatten keine Bezahlung für ihren Dienst erhalten. Darum nutzten sie jede Gelegenheit, alles zu plündern, was ihnen in die Finger kam. Sie verlangten die Herausgabe aller Wertsachen aus jedem Haushalt.

Otto von Guericke, ein Einwohner Magdeburgs, behauptete, dass das Elend begann, als sich Zivilisten weigerten, den Soldaten ihre Wertsachen auszuhändigen. Die Soldaten verprügelten die Bürger, schossen auf sie, spießten sie auf und hängten sie.

Opferzahlen

Von den 30.000 Bürgern überlebten nur 5.000, die sich in den Magdeburger Dom retten konnten. Am 24. Mai ordnete Tilly schließlich ein Ende der Plünderungen an. Am nächsten Tag wurde in der Kathedrale eine katholische Messe gefeiert. Weitere 14 Tage lang wurden verkohlte Leichen zur Elbe transportiert, um Krankheiten vorzubeugen.

Pappenheim beschrieb das Massaker als das schlimmste seit der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. Nach der Kapitulation Magdeburgs gegen die kaiserlichen Streitkräfte kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern, die den Widerstand gegen den Kaiser befürworteten, und denen, die sich gegen eine solche Aktion ausgesprochen hatten.

Selbst König Gustav Adolf vertrat die Meinung, dass die Bürger von Magdeburg nicht für eine solche Schlacht bereit gewesen seien. Papst Urban VIII. drückte seine Zufriedenheit darüber aus, dass „das Nest der Ketzer“ zerstört wurde.

Magdeburg litt nachhaltig unter dem Verlust der Vorräte, der Wertgegenstände, der massiven Zerstörung, an mehreren Epidemien und natürlich am Verlust der Bevölkerung. Zur Zeit des Westfälischen Friedens, der den Dreißigjährigen Krieg 1648 beendete, war die Bevölkerung der Stadt noch weiter gesunken. Nur noch 450 Menschen lebten in der Stadt.

Die Anzahl der Einwohner erreichte erst im 19. Jahrhundert wieder das frühere Niveau. Das Erzbistum Magdeburg wurde säkularisiert und fiel schließlich 1680 an Brandenburg-Preußen.

„Magdeburgisieren“

Die Verwüstungen waren so groß, dass das „Magdeburgisieren“ein gebräuchliches Synonym für eine totale Zerstörung, für Vergewaltigungen und Plünderungen wurde.

Das Massaker wurde von Friedrich Schiller in seinem Werk „Eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ von 1790 mit Nachdruck beschrieben und in einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe verewigt. Auch eine Szene aus Bertolt Brechts Drama Mutter Courage und ihre Kinder von 1941 bezieht sich auf das Massaker von Magdeburg.

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