An diesem Tag
01.10.1918: Krise in Deutschland


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Am Morgen des 01. Oktober 1918 traf Max von Baden in Berlin ein, um sein Amt als deutscher Kanzler anzutreten. Dem voraus ging ein heftiger Konflikt zwischen dem Militär und der Regierung.

Reichstag, Max von Baden
Reichstag, Max von Baden, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1918 kam Max von Baden um vier Uhr morgens nach Berlin, um sein Amt als neuer deutscher Kanzler anzutreten. Anlass dafür war ein Konflikt in der deutschen Militär- und Regierungsführung, der seinen Vorgänger Georg von Hertling zum Rücktritt veranlasste.

Obwohl die Alliierten die mächtige Hindenburg-Linie – die schwer befestigte Verteidigungszone, die als letzte Verteidigungslinie an der Westfront vorgesehen war – in den letzten Septembertagen 1918 durchbrochen hatten, hielten die deutschen Truppen weiter stand.

Waffenstillstand

Die Nachricht, dass der deutsche Verbündete Bulgarien einen Waffenstillstand beantragt und gewährt hatte, sorgte beim deutschen General Erich Ludendorff jedoch für Unruhe.

Auf einem von Kaiser Wilhelm II. am 29. September einberufenen Kronrat verlangte Ludendorff von der deutschen Regierung einen sofortigen Waffenstillstand auf der Grundlage des von US-Präsident Woodrow Wilson vorgelegten Vierzehn Punkte-Plans vom Januar.

Dieser abrupte Richtungswechsel Ludendorffs, der bis dahin die deutschen Truppen für besiegt hielt, und sein direkter Appell an den Kaiser, verärgerten Regierungsführer Hertling, der zu spät kam, um selbst aktiv an dem Treffen teilzunehmen, und prompt die Kanzlerschaft niederlegte.

Als von Baden am nächsten Morgen in Berlin ankam, machte er deutlich, dass seine Politik nicht darin bestehen werde, einen Waffenstillstand zu suchen, bis die deutsche Armee ihre Stabilität an der Front wiederherstellen konnte.

Er argumentierte, dass sich Deutschland mit dem Friedensversprechen in eine prekäre Lage bringen werde. Laut von Baden mache eine Waffenstillstandsforderung jede Friedensinitiative unmöglich.

Verfassungsreformen

Von Baden setzte rasch notwendige Verfassungsreformen in Deutschland um und untergrub die Macht des Dritten Oberkommandos des Militärs. Insbesondere jene von Ludendorff, in der Hoffnung, dass ein gemäßigteres und demokratischeres Deutschland mit den Alliierten günstigere Waffenstillstandsbedingungen aushandeln könne.

Trotz seines anfänglichen Widerstandes wandte sich von Baden am 04. Oktober selbst an Wilson, um einen sofortigen Waffenstillstand zu verhandeln.

Während der nächsten Wochen überwachte von Baden auf Druck der linken Sozialdemokraten die Errichtung einer deutschen Republik und die Abdankung Kaiser Wilhelms am 09. November.

Er verkündete dann seinen eigenen Rücktritt und übergab die Kontrolle an den sozialdemokratischen Führer Friedrich Ebert. Von Baden war nur einen Monat lang als deutscher Reichskanzler im Amt.

1 Kommentar

  1. Kaiser Wilhelm gab selbst eine andere und in meinen Augen schlüssigere Erklärung ab. Nachzulesen in seinem Buch aus 1922 „Ereignisse und Gestalten“.

    Wilsons Friedensplan war, als die deutsche Regierung darauf zurück kam schon 5 Monate alt und war von den Kriegsgegnern in Europa England, Frankreich, Italien, Belgien nicht akzeptiert worden.
    dennoch versteiften sich deutsche Linke (Sozialdemokraten, Spartakus etc) auf diesen Friedensplan und arbeiteten weiter am Zusammenbruch der deutschen Munitionsfertigung. Diese machte etwa seit Mitte August 1918 immer mehr der schwer ringenden Front zu schaffen.
    Es kam einfach immer weniger Munition und Ersatzgeschütze an der Front an, weil durch Streiks in Deutschland die Produktion immer weiter absank.
    Hinzu kamen die „Verluste“ auf dem Transport des dennoch gefertigten Kriegsmaterials von der Heimat an die Front in Frankreich und Belgien. Auch die Frontsoldaten selbst litten unter Defätismus und riefen immer häufiger zu einem Waffenstillstand auf. Als diese Revolten, zusammen mit den Revolten in der Heimat immer häufiger wurden und die „Hindenburg-Linie“ von den Gegnern schließlich durchbrochen wurde, forderten nicht nur GFM von Ludendorff, sowie Max von Baden, sondern auch GFM von Hindenburg den Rücktritt des Kaisers, weil dies eine Vorbedingung der Gegenseite war. Dabei war allen Beteiligten klar, dass mit der Abdankung des Staatsoberhauptes die Armee vollständig auseinander brechen müsste. Genau das geschah dann auch.
    Doch ohne Schwert war Deutschland den Bedingungen der Gegner hilflos ausgesetzt, wie wir am diktierten Versailler Vertrag später gesehen haben.
    Dass Deutschland danach nicht in einen zweiten „Dreißigjährigen Krieg“, einem erbarmungslosen Bürgerkrieg geriet, verdanken wir in erster Linie den weiter zur Armeeführung haltenden Truppen zu verdanken. Diese beendeten die „Räterepublik“ in München genauso wie den Aufstand der Matrosen oder den Aufstand in Berlin.
    Ohne diese politische Stabilisierung wäre in Deutschland genau das passiert, was in Bürgerkriegsländern immer geschieht: Zusammenbruch der industriellen Produktion, vollständiger Verfall der Landeswährung, Hunger infolge einbrechender Leistung der Landwirtschaft.
    Zum Hunger und zu etwa zwei Millionen Hungertoten kam es im Winter 1919/20 dann auch. Aber das war „wenig“ im Vergleich dazu, was in einem zerrissenen und gegeneinander kämpfenden Volk sonst passiert wäre.
    Insofern waren die Rotfront-Kämpfer allesamt unterbelichtet, weil diese sich vorstellten, wenn man erst die Regierung in Berlin hätte dann würden alle Anderen kuschen und sich fügen. Nein, das wäre ein unvorstellbares Gemetzel geradezu apokalyptischen Ausmaßes geworden!
    Ganz abgesehen davon, dass die Polen die Schwäche Deutschlands genau beobachtet hatten und im Osten Deutschlands einfielen mit dem Ziel, die Oder schon damals zum Grenzfluß zu machen. Gestoppt und zurück geschlagen wurden die polnischen Truppen durch die Freiwilligenverbände, welche aus dem Zusammenbruch der Kaiserlich-Deutschen Armee hervorgegangen waren.

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