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19.06.1885: Frankreich schenkt USA die Freiheitsstatue


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Am 19. Juni 1885 überreichte Frankreich den Vereinigten Staaten die Freiheitsstatue, welche heute ein Wahrzeichen der westlichen Demokratie darstellt. Doch steckte hinter diesem Geschenk nicht nur bedingungslose Freundschaft, sondern auch politisches Kalkül.

Freiheitsstatue
Freiheitsstatue, Bild: Gegenfrage.com

Die über 100 Jahre alte Dame auf diesem Bild ist eigentlich überhaupt keine Amerikanerin, sondern Französin: Die Freiheitsstatue. An diesem Tag im Jahr 1885 erreichte sie den New Yorker Hafen. Sie war ein Geschenk und sollte die Freundschaft Frankreichs gegenüber den Vereinigten Staaten ausdrücken.

Der Bildhauer Frederic-Auguste Bartholdi war Leiter des 93 Meter hohen Projekts (inkl. Sockel), welches Freiheit und Demokratie ausstrahlen soll. Für den Transport von Europa nach Amerika wurde die aus Kupfer und Eisen bestehende, 225 Tonnen schwere Statue in 350 Teile zerlegt und in 214 Kisten verpackt.

Vier Monate später wurde sie auf Bedloes Island (1956 umbenannt in Liberty Island) wieder zusammengesetzt. Am 28. Oktober 1886 weihte Präsident Grover Cleveland die Freiheitsstatue vor Tausenden Zuschauern ein. Bis 1902 wurde die Freiheitsstatue neben ihrer Funktion als Wahrzeichen auch als Leuchtturm genutzt.

Politisches Kalkül

Dahinter steckte jedoch nicht nur Freundschaft und Völkerverständigung, sondern auch eine politische Taktik: Frankreichs Regierung wollte nach dem verlorenen Krieg gegen Deutschland, der daraus resultierenden Isolation in Europa und schwelenden Rachegelüsten die Vereinigten Staaten durch Geschenke und Wohltaten auf ihre Seite ziehen.

Die Figur hält in der rechten Hand eine Fackel, in der linken Hand die Unabhängigkeitserklärung und an den Füßen liegt eine zerbrochene Kette. Die Freiheitsstatue weist große Ähnlichkeit zum deutschen Nationaldenkmal aus dem Jahr 1876 auf, dem Hermannsdenkmal in Detmold, welches für die „Deutsch-französische Erbfeindschaft“ stand.

Im Jahr 1876 begannen auch die Arbeiten an der Freiheitsstatue, fast zehn Jahre sollten bis zur Fertigstellung vergehen.

Sonstiges

Heute befindet sich in Paris ein kleiner Nachbau der Freiheitsstatue (11,50 Meter), seit 2004 gibt es auch eine in Colmar, der Heimatstadt des Erbauers Bartholdi. Eine weitere steht in Las Vegas.  Für das Stahlgerüst der Freiheitsstatue in New York lieferte der französische Ingenieur Alexandre Gustave Eiffel die passenden Baupläne, der auch das Stahlgerüst des Eiffelturms entworfen hat.

Im Zuge der tobenden Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten in den 1930er und 40er-Jahren und dadurch entstandenen heftigen Protesten, welche von der US-Regierung gewaltsam unterdrückt wurden, wurde in der deutschen Dokumentation „Ein Spaziergang rund um die Freiheitsstatue“ ironisch bemerkt: „Es scheint ein tiefer Sinn darin zu liegen, dass dieses Monument der Freiheit Amerika den Rücken zudreht.“

Der irische Literaturnobelpreisträger George Bernard Shaw sagte seinerzeit: „Ich bin bekannt für meine Ironie. Aber auf den Gedanken, im Hafen von New York eine Freiheitsstatue zu errichten, wäre selbst ich nicht gekommen.“



10 Kommentare

  1. Gefällt mir, dieser Satz:
    „Es scheint ein tiefer Sinn darin zu liegen, dass dieses Monument der Freiheit Amerika den Rücken zudreht.“

    Erinnert mich an das Parlament in Wien. Auch dort gibts ja sowas Ähnliches. Die Statue vor dem Parlament stellt die Pallas Athene dar, die griechische Göttin der Weisheit, der Strategie, etc. Natürlich spötteln auch die Wiener, warum diese Göttin dem Parlament den Rücken zudreht…..

    http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=8900e7-1537725621.jpg

    Wenn wir schon mal bei Österreich und bei heiteren Themen sind, noch einer:

    Man erinnere sich noch an die Zeit, als Kreisky Bundeskanzler war. Gehörte den Sozialdemokraten an, stellte sich auch gerne als Mann des Arbeitervolkes dar, als Proletarier. O.k., er war auch bei den Anhängern der anderen Parteien beliebt, genoss überall Achtung und Respekt. Ging trotzdem, dass er Halbjude war, seinen Weg und empfing in Österreich zum Ärgernis Israels auch Arafat.

    Seine Abstammung aber wurde von den Österreichern oftmals spassig interpretiert. Und zwar mit der Frage:

    „Ist Kreisky Proletarier?“
    Antwort:
    „Prolet ja, Arier nein“……

    So hat jedes Tierchen eben sein Pläsierchen…..

  2. Es bleibt wie es war:
    Seit dem Internet kann jeder Bürger seinen nachweislichen Bildungsnotstand einem staunenden Millionenpublikum kundtun! Geschieht das aber in der Form wie in obigem zweiten Kommentar, dann ist das schon mehr als nur peinlich. Da passt der Fragesatz -Ja wie dumm ist denn sowas bitte?-

    https://www.youtube.com/watch?v=rq68A07CDcM

  3. @ Mr. Julian.
    Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 war einer der wenigen Kriege die Deutschland gewonnen hat.
    Das habe ich nicht gegoogelt, das weiß ich noch aus dem Geschichtsunterricht, also seit ca. 65 Jahren. Unsere heutige Generation behält das nicht einmal bis zur Reifeprüfung, aber bestehen trotzdem. Bei uns gab es nur die Turbo-Reifeprüfung mit 18 Jahren, und es wurden keine Prüfungsthemen vorgegeben. Man musste den gesamten Stoff der letzte 12 Jahre drauf haben.
    Zugegeben : Das war schon pervers.
    MfG. grillbert aus Hamburg.

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