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30.01.2012: USA geben erstmals Drohnen-Einsätze zu


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Am 30. Januar 2012 gab US-Präsident Barack Obama zum ersten Mal offiziell den Einsatz von Drohnen in Pakistan zu. Bis zu diesem Zeitpunkt handelte es sich um Geheimoperationen, die von der US-Regierung nicht bestätigt wurden.

Obama Drohnen
Obama Drohnen, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 2012 gab US-Präsident Barack Obama erstmals offen den Einsatz von Drohnen in Pakistan an der Grenze zu Afghanistan zu. Er fügte hinzu, dass bei den Drohneneinsätzen keine große Anzahl ziviler Opfer verursacht würden. Diese Bemerkungen traf er während einer Gesprächs mit Internetusern.

Es handle sich um „sehr präzise Angriffe“ gegen Terroristen und man sei „sehr vorsichtig“ beim Einsatz mit Drohnen. Die Behauptung, es gebe viele wahllose Angriffe auf Unschuldige, sei falsch, so der Friedensnobelpreisträger auf Google+ und Youtube.

Er fügte hinzu, dass man lediglich „Verdächtige“ angreife, deren Namen auf einer Liste aktiver Terroristen zu finden seien. Die Drohneneinsätze würden sehr gut kontrolliert.

Laut dem Londoner Bureau of Investigative Journalism wurden zwischen 2004 und 2013 insgesamt 363 Drohnenangriffe auf pakistanischem Gebiet durchgeführt, 311 davon auf Befehl von US-Präsident Obama.

Zehnmal mehr als Bush

Obama ließ während seiner beiden Amtszeiten zehnmal mehr Luftangriffe im verdeckten Krieg gegen den Terror durchführen, als sein Vorgänger George W. Bush. Sogar Obamas erstes Jahr als US-Präsident toppte Bushs gesamte Amtszeit.

Insgesamt 563 Angriffe führten Army und Geheimdienste hauptsächlich in Pakistan, Somalia und im Jemen durch. Bush ließ nur 57 Drohnenangriffe durchführen. Zwischen 384 und 807 Zivilisten wurden in diesen Ländern getötet.

Allerdings handelt es sich dabei um offizielle Zahlen der US-Regierung, die erfahrungsgemäß stark untertrieben sind. Internationale Menschenrechtler und Redaktionen verschiedener Zeitungen gehen von wesentlich höheren Opferzahlen aus.

So schreibt Foreign Policy: „Do Not Believe the U.S. Government’s Official Numbers on Drone Strike Civilian Casualties“ (Glaube nicht den offiziellen Drohnen-Opferzahlen der US-Regierung). Im Artikel heißt es: „Sie [die Zahlen] sind viel, viel zu niedrig.“

Im April 2013 schrieb Jonathan Landay von McClatchy über Geheimdienstberichte, in denen er Opferzahlen durch von der CIA durchgeführte Drohnenangriffe aufschlüsselte. Zwischen September 2010 und September 2011 führte der Geheimdienst demnach 95 Angriffe durch, dabei kamen 482 Personen ums Leben.

Nur ein einziger ziviler Unfall wurde bestätigt, der bei einem Drohnenangriff vom 22. April 2011 in Nord-Waziristan auftrat. Dies entspricht einer Quote von 0,2 Prozent. Pakistanischen Menschenrechtsaktivisten zufolge sind hingegen 93% aller Getöteten zivile Opfer.

Trump lockert Beschränkungen

Laut einem Bericht von Al Jazeera versuchte US-Präsident Donald Trump, die Grenzen für Drohnenangriffe außerhalb konventioneller Kriegsgebiete der Obama-Ära zu lockern. Die New York Times berichtete dies ebenfalls unter Berufung auf Regierungsquellen.

Diese erklärten, dass die Tötungseinsätze nun auch von Soldaten und Geheimdienstlern ohne besondere Voraussetzungen oder Führungsrollen ausgeführt werden dürfen. Eine Überprüfung auf höherer Ebene finde nicht mehr statt.

Die internationale Menschenrechtsorganisation Reprieve fand heraus, dass bei Drohneneinsätzen zwischen Januar und September 2017 unter Donald Trump mindestens 30 Zivilisten bei allein im Jemen getötet wurden, darunter Frauen und Kinder. Und das, obwohl sich die USA dort nicht offiziell im Krieg befinden.

Drohnen in Pakistan

In pakistanischen Metropolen wie Karachi, Lahore oder Islamabad finden Proteste mit hunderttausenden Demonstranten gegen die US-Drohneneinsätze statt. Die pakistanische Regierung stellte in der Vergangenheit mehrfach klar, dass man die Einsätze als „illegal, kontraproduktiv und inakzeptabel“ verurteile.

Ende 2017 kündigte Trump an, finanzielle Hilfen für Pakistans Terrorbekämpfung in Höhe von 33 Milliarden zu streichen, da Islamabad verdächtigt werde Terroristen zu unterstützen.

Pakistans Regierung wies diese Anschuldigung zurück und hinterfragte Trumps Behauptung, Pakistan mit Sicherheitsleistungen zu unterstützen. Islamabad finanziere Antiterror-Operationen größtenteils mit eigenen Mitteln. Dies meldete die pakistanische Zeitung The Nation am 28. Januar 2018.

Washington habe Islamabad „klargemacht, dass Drohnenangriffe innerhalb des pakistanischen Territoriums fortgesetzt werden, bis Islamabad Washington mit ihren Aktionen gegen militante Gruppen zufriedenstellt“.

Nachdem in der Woche zuvor zwei Menschen bei einem US-Drohnenangriff getötet wurden, hatte die pakistanische Regierung vor einer Beschädigung der Beziehungen zwischen beiden Länder gewarnt. Das US-Militär hatte einen Drohnenangriff auf ein afghanisches Flüchtlingslager in Kurram (auf pakistanischem Gebiet an der afghanischen Grenze) durchgeführt.

Quellenangaben anzeigen
newyorktimesthebureauinvestigates, thebureauinvestigatesforeignpolicy, thenation, youtube



4 Kommentare

  1. Ich denke, dass mit den fliegenden Schafotts immer mehr Menschen dazu veranlasst werden, gegen die USA zu kämpfen.
    Man könnte auch sagen: Mit den Drohnenangriffen züchten sich die USA ihre Gegner in den Ländern, in denen Drohnen eingesetzt werden.
    Und wer seine Angehörigen durch diese menschenverachtende Weise verliert, hat auch keine Hemmungen gegen die Bürger der USA menschenverachtende Gegenwehr einzusetzen.
    Die Terroranschlägen in den USA, in den nächsten Jahren, werden es zeigen.
    Auge um Auge…
    Warum sollten auch Menschen, die von Kriegsverbrechern mit völkerrechtswidrigen Kriegen und Drohnenangriffen überzogen werden, denn nicht mit gleicher Münze zurückzahlen?
    Hinterlistiger, als mit Dohnen zu töten, sind Bombenattentate in den USA auch nicht.
    Gut, die Bombenattentäter haben allerdings keinen Friedensnobelpreis vorher verliehen bekommen.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  2. Weit bevor Sich Obama zwangsweise bequemte dieses einzuräumen, hatten die deutschen Journalisten
    Peter Scholl-Latour und Jürgen Todenhöfer unabhängig voneinander Pakistan persönlich bereist und Fotos abgestürzter Drohnen gemacht. Kommentiert wurde das dann in Spezialsendungen im deutschen Fernsehen.

  3. Medien aus dem Nahen Osten berichteten schon Jahre vorher darüber, was auf dieser Seite übersetzt erschien.

  4. Ja natürlich ist das so.
    Ich beziehe mich aber explizit auf die Teilnahme von beiden Journalisten (Todenhöfer war früher einmal CDU Abgeordneter) in entsprechenden Diskussionsrunden zu diesem Thema. Beide haben natürlich die Reise erst dann angetreten, als diese Meldungen immer häufiger wurden, aber es an Beweisen immer noch mangelte.
    Wären diese Beweise stichhaltig da gewesen, hätte sich Scholl-Latour und Todenhöfer die Reisen sparen können.
    Andere sitzen im Alter von über 80 Jahren im Schaukelstuhl und reisen nicht in die pakistanischen Berge.
    Das sollte man schon anerkennen.

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