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WM, Aufschwung und alles Okay

Der deutsche Arbeitsmarkt steuert langfristig goldenen Zeiten entgegen. Im Jahr 2025 könnte es in Deutschland nur noch knapp 1,5 Millionen Menschen ohne Arbeit geben, behaupten die Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus Nürnberg. Doch es kommt noch besser: Während angeblich die verheerendste Wirtschaftskrise aller Zeiten tobt, kennt man in Deutschland nur eins: Party! Die WM-Begeisterung hat laut einem Sprecher des deutschen Brauereiverbandes “karnevalsmäßige Ausmaße” angenommen. Hat unsere Fußball-Elf weiterhin so großen Erfolg, wird damit gerechnet, dass die feiernden Deutschen bis zu 200 Millionen Liter Bier zusätzlich trinken werden. Wenn das mal kein gutes Zeichen ist.

Daumen hoch (Bildquelle: Thommy Weiss | PIXELIO)Da passt es doch so gar nicht ins Bild, dass sich immer mehr “Superreiche” freiwillig dazu bereit erklären, mehr Steuern zu bezahlen. Da sie von unseren ebenfalls sehr reichen Politikern steuerlich nicht sonderlich belastet werden und eine immer größer werdende Unterschicht dies eines Tages als ungerecht empfinden könnte, fürchten sie um den sozialen Frieden in Deutschland. So fordert beispielsweise Millionär Peter Krämer aus Hamburg die Vermögenssteuer wieder einzuführen. Er habe Angst vor Vorstadtbränden wie in Frankreich, da die Autos der Vermögenden wohl als erstes in Flammen aufgehen würden. Na wenn das keine soziale Ader ist. Dass wir langfristig “goldenen Zeiten” entgegen steuern glaubt dieser Millionär offenbar nicht.

Glücklicherweise haben wir noch unseren Bundespräsidenten in spe, Christian Wulff, der nach Aussage von FDP und CDU gleich einen Aufschwung mitbringen wird, “ein Sommermärchen”. Ähnliches verkündet Börsenanalyst Karlheinz Küting: Inmitten der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte haben die deutschen Unternehmen nicht nur das Schlimmste abgewendet. Sie stehen am Ende des Horrorjahres sogar besser da als zu dessen Beginn.

Nur eine Branche scheint wieder mal aus der Reihe zu tanzen: Deutsche Banken sind die schlechtesten in ganz Europa. Sie haben einer Studie zufolge deutlich mehr faule Kredite in ihren Büchern als Institute anderer Staaten Europas, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCooper feststellt. Das bekleckert deutsche Geldhäuser nicht gerade mit Ruhm, zumal Spaniens drittgrößter Immobilienfinanzierer erst die Tage pleite ging. Sind “wir” also noch schlechter als Spanien?

“Pustekuchen”, verkündet JP Morgan, denn Europas Banken geht es super! Wer etwas anderes behauptet, der interpretiert die faulen Bilanzen eben falsch. Man muss sich einfach an die wahren Experten halten: US-Finanzminister Timothy Geithner glänzt beim G-20-Gipfel mit dem grandiosen Vorschlag gleichzeitig zu konsumieren und zu sparen. Klingt sehr vielversprechend, nicht wahr?

Übrigens müssen jetzt rund 1.100 Banken die 442 Milliarden-Geldspritze der EZB von vergangenem Jahr zurückzahlen. Ob das ohne größere Schwierigkeiten ablaufen wird? Aber ja, “es wird keine Probleme geben“, verspricht die EZB. Ach ja?

Einen echten Aufschwung dürfen wir wohl weiterhin beim Gold erleben: “Gold ist eine ideale Währung. Der Anteil von Gold an Währungsreserven wird weiter zunehmen”, sagt Analyst Bayram Dincer von LGT Capital Management. Gold wird laut Experten, wer auch immer damit gemeint ist, möglicherweise zehn Jahre in Folge in seinem Preis steigen. Bzw. werden die Währungen weiter fallen. Das wäre dann die längste Gold-Hausse seit 1920. Auch hier bleibt es also spannend.

Fazit

Es kommt zu einem riesigen Transfer von öffentlichem Vermögen in private Hände, im Zuge dessen erfolgt ein riesiger Transfer von Privatschulden in öffentliche Hand. Betrug? Man könnte es auch als eine klassische Insolvenzverschleppung bezeichnen. Vielleicht hat aber auch alles seine Ordnung? Lassen wir uns überraschen, wir werden es bestimmt bald wissen.

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