30.03.1976: „Tag des Bodens“ in Palästina


Geschichte/Israel

Am 30. März 1976 demonstrierten Palästinenser gegen die Siedlungspolitik Israels. Die Polizei schlug den Protest gewaltsam nieder, wodurch sechs Demonstranten ums Leben kamen. Seither gedenkt man dieses Vorfalls jedes Jahr am „Tag des Bodens.“

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
Tag des Bodens
Tag des Bodens, Palästina, Bildquelle: Palestinian Information Center

An diesem Tag im Jahr 1976 schlug die israelische Polizei Proteste palästinensischer Bürger gegen den Landraub in Galiläa durch israelische Siedler nieder. Zuvor hatte Israels Regierung eine Ausgangssperre verhängt. Sechs Demonstranten kamen dabei ums Leben, 100 weitere wurden teilweise schwer verletzt und Hunderte wurden verhaftet.

Seitdem finden unter der Bezeichnung „Tag des Bodens“ jedes Jahr am 30. März Demonstrationen in den besetzten Gebieten statt, um dem Vorfall zu gedenken. Traditionell kommt es an diesem Tag zu Generalstreiks und Demonstrationen in den palästinensischen Gebieten.

Nach dem Ereignis des Jahres 1976 entwickelte sich in der arabischen Gemeinde Israels ein neues Gefühl des Nationalstolzes. Nicht zuletzt aufgrund des Zorns gegen die israelische Polizei und der Trauer wegen der getöteten Demonstranten.

Kampf um die Wahrung der Identität

Für die Palästinenser ist der Tag des Bodens seither ein Gedenktag und ehrt diejenigen, die im Kampf um die Wahrung ihrer Identität gefallen sind. Der Tag steht für die politische Unzufriedenheit der arabischen Bürger Israels, die seit jeher für ihre Rechte kämpfen.

Protestmärsche mit massiver Teilnahme finden statt, zudem werden entlang des Grenzzauns zwischen dem Gazastreifen und den 1948 besetzten Gebieten Bäume gepflanzt. Laut der Jerusalem Post befinden sich die Sicherheitskräfte Israels an diesem Tag stets in höchster Alarmbereitschaft, versuchen die Proteste jedoch nicht zu stören.

Bei den Protesten am 30. März 1976 handelte es sich um den ersten organisierten arabischen Protest seit 1948 als nationales Kollektiv gegen Israels Politik. Am Tag des Bodens wird nicht nur in den palästinensischen Gebieten, sondern auch von Palästinensern aus der ganzen Welt an den Vorfall im Jahr 1976 erinnert.

In den meisten Fällen verlaufen diese trotz hoher Teilnahme friedlich. Eine israelische Untersuchung ergab, dass die Märsche zumeist ohne Zwischenfälle stattfinden. Eine Ausnahme war der Protest in Sakhnin im Jahr 2000. Dort sammelten sich hunderte Jugendliche und zogen in Richtung einer israelischen Militärbasis in der Nähe des Dorfs.

Sie winkten mit palästinensischen Flaggen durch den Zaun, um die israelischen Soldaten zu provozieren. Arabische Redner, die ebenfalls vor Ort waren, versuchten sie Demonstranten davon abzuhalten, wurden dann aber angefeindet und geschlagen.

Tag des Bodens 2017

Im Vorfeld des Gedenktags im Jahr 2017 rief die Büro für Flüchtlingsangelegenheiten der Hamas alle Palästinenser weltweit dazu auf, nach Palästina zurückzukehren, um dort „mehr Opfer“ für die Wiederherstellung der verletzten Rechte zu bringen.

In einer Erklärung zum 41. Jahrestag sagte sagte das Büro, dass dieser Tag erneut ein Anlass für den palästinensischen Kampf gegen die israelische Besatzung sei. Alle Palästinenser dürften in ihr Land zurückkehren, es existiere keine Verjährungsfrist.

Während einer Zeremonie im Gazastreifen sangen über 150 Kinder gemeinsam ein Lied über Palästina. Das palästinensische Kulturministerium eröffnete zudem eine Ausstellung, um palästinensische Kultur und traditionelles Handwerk zu präsentieren.

Die palästinensische Jugend wurde dazu aufgefordert, mit ihren Bemühungen und ihrer Kreativität nicht zu verzweifeln. Palästina müsse befreit werden und der israelischen Besatzung widerstehen.

Israelische Medien

Israelische Medien berichten zwar vereinzelt über den Tag des Bodens. Doch kommen in erster Linie israelische Polizisten, Soldaten und Experten zu Wort. Palästinensische Stimmen werden hingegen selten oder nie zitiert.

In 93 Prozent aller Berichte in israelischen Zeitungen zwischen 1977 und 1997 wurden überhaupt keine Ursachen der Proteste erklärt, wie eine Studie aus dem Jahr 2000 ergab. Lediglich die Tageszeitung Ha’aretz hatte zeitweise arabische Reporter vor Ort.

Quellenangaben anzeigen
Palestinian Information Center, Jerusalem Post, Wikipedia (en), palinfo, palinfo, palinfo

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