Neuer Mega-Boom: Staatsanleihen ohne Rendite


Eurozone/USA/Wirtschaft

Staatsanleihen mit negativer Rendite erfreuen sich anscheinend sehr großer Beliebtheit: So wuchs der globale Nullzins-Bondmarkt seit Anfang 2015 um über 300 Prozent auf 11,7 Billionen Dollar. Tatsächlich erinnern diese Entwicklungen an die Subprime-Krise ab 2007, nur neunmal größer.

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(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Im Buch „A History of Interest Rates“ (Eine Geschichte der Zinssätze) beschreiben die Autoren Sydney Homer und Richard Sylla die globale Zinsentwicklung der vergangenen vier Jahrtausende. Vor 900 Jahren war etwa Venedig gesellschaftlich und wirtschaftlich sehr fortgeschritten und auch dort wurden die ersten Staatsanleihen emittiert, die sogenannten Prestiti. In den folgenden Jahrhunderten sollten die Zinssätze zwischen 5-22 Prozent schwanken. Als im Jahr 1517 die ersten niederländischen Anleihen ausgegeben wurden, lagen die Renditen bei rund 20%. Und im Laufe der letzten Jahrhunderte, schwankten die Renditen von Staatsanleihen auf der ganzen Welt typischerweise in einem Bereich zwischen 5 und 15 Prozent.

Das ist im Prinzip der langfristige Durchschnitt, der Bereich, den man wahrscheinlich als „normal“ bezeichnen könnte. Heute befinden sich die Renditen von Staatsanleihen in der Nähe von Null, in einigen Ländern sogar unter Null. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass die Anleger, die diese Staatsanleihen kaufen, garantiert Geld verlieren werden, wenn sie sie bis zur Fälligkeit halten. Staatsanleihen galten lange als „sicherer Hafen“, doch vor diesem Hintergrund kann man sie nicht einmal mehr als eine Investition bezeichnen.

Dennoch bläst sich dieser Markt immer weiter auf: Im Februar 2015 belief sich die Summe aller Staatsanleihen der Welt mit negativen Renditen auf 3,6 Billionen Dollar. Ein Jahr später waren es bereits 7 Billionen Dollar, im Mai 2016 sogar 9,9 Billionen und im letzten Monat 10,4 Billionen Dollar. Und in den vergangenen 30 Tagen wuchs diese Summe um weitere 1,4 Billionen auf 11,7 Billionen Dollar. 11,7 Billionen Dollar, ein höherer Wert als das Bruttoinlandsprodukt Chinas!

Irgendwie erinnert es an die Subprime-Blase ab 2007: Bürger erhielten Kredite zu extrem günstigen Konditionen, auch wenn diese bereits hoch verschuldet waren oder keine ausreichenden Einkommen hatten, um die Kredite zurückzuzahlen. Das Ganze ging schief, den Rest kennen wir. Zum Vergleich, die Subprime-Staatsanleihen-Blase ab 2015: Staaten erhalten Kredite zu extrem günstigen Konditionen, auch wenn diese hoch verschuldet sind und keine ausreichende Wirtschaftsleistung haben.

Die Subprime-Krise hatte übrigens ein Volumen in Höhe von 1,3 Billionen Dollar. Die neue Subprime-Krise der bankrotten Staaten ist damit rund neunmal so groß. Hier kennen wir das Ende der Geschichte allerdings noch nicht.

2 Comments

  1. Staatsanleihen ohne Rendite oder gar mit negativem Zins kauft man nur in Panik. Und diese Panik kommt aus der Angst um den Gesamtbestand des privaten finanziellen Vermögens.
    Der bankrotte Staat profitiert von marktfernen und unnatürlich niedrigen Zinsen. Denn anders kann er seine uferlosen Kredite nicht mehr bedienen. Müsste die US Regierung einen korrekten Marktzins bezahlen, wäre das Obama Regime im Handumdrehen zahlungsunfähig. Die Schuld beträgt rund 20 Billionen Dollar.
    Der Einfachheit rechne ich, obwohl es unterschiedliche Festschreibungszeiträume gibt, mit einem einheitlichen Zinssatz p.A. von 6,5 %. Das bedeutet eine jährliche Zinslast von rund 1,3 Billionen Dollar nur an Schuldendienst und ohne Neuverschuldung.
    Dann wäre es aus mit der Aufrüsterei, dann müsste gespart werden. Auch das Volk müsste den Gürtel enger schnallen.
    Und weil das so ist, wird nicht gespart und es wird keine realistischen Marktzinsen geben.
    Deshalb ist es unsäglich dumm, überhaupt Staatsanleihen zu kaufen.

  2. Ich glaube nicht, daß der Privatanleger diese Staatsanleihen kauft, sondern eher die Versicherungsinstitute die Gelder ihrer „Opfer“ dort anlegen. Ich habe meine beiden Lebensversicherungen rückgekauft, als mir klar wurde, daß diese nur durch Staatsschulden unterlegt sind. Volker Pispers und Rico Albrecht sollte man sich in diesem Zusammenhang durchaus man anhören.

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