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Sind Ratingagenturen die Herrscher der Welt?
30. September 2009 | 4 Kommentare
Vorweg: Was sind Ratingagenturen?
Ratingagenturen sind private Firmen, die das primäre Ziel haben Gewinn zu erwirtschaften. Ihr “Produkt”, das Geschäftsmodell, auf das sie sich stützen, ist die Kreditwürdigkeit von sämtlichen Einrichtungen, seien es Staaten, Banken oder Konzerne, zu beurteilen und mit einer Note, also einem Ratingcode zu bewerten. Diese Codes reichen von AAA (beste Qualität) bis D (zahlungsunfähig).
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, für Investoren und Gläubiger auf der gesamten Welt die Bonität ihrer Schuldner zu analysieren, um das Rückzahlungsrisiko ihrer Forderungen einschätzen zu können. Hat ein Schuldner ein AAA-Rating, sind viele Gläubiger bereit ihm Geld gegen niedrigen Zins zu leihen. Hat ein Schuldner ein schlechteres Rating, muss er aufgrund des Risikos höhere Zinsen bezahlen. Im schlimmsten Fall wird ein Unternehmen oder auch ein Staat so schlecht eingestuft, dass er gar keine Investoren mehr findet. Dann droht der Bankrott.
Welche Ratingagenturen sind von Belang?
Um auf dem US-amerikanischen Finanzmarkt – dem wichtigsten und größten Kapitalmarkt der Welt – zugelassen zu werden, muss sich jedes Unternehmen und jeder Staat von mindestens zwei Ratingangenturen bewerten lassen. Hier hat man allerdings keine große Auswahl, denn es sind nur drei (bedeutende) Ratingagenturen zugelassen:
- Moody’s (USA)
- Standard & Poor’s (USA)
- Fitch (GB)
Diese drei Ratingagenturen haben einen Marktanteil von 93%, also handelt es sich sozusagen um ein Monopol.
Wer steht hinter den Ratingagenturen?
Haupt-Aktionär von Moody’s ist das amerikanische Holdingunternehmen “Berkshire Hathaway”, das vom erfolgreichsten Investor und reichsten Mann der Welt, Warren Buffett, geleitet wird. Weitere Großaktionäre von Moody’s sind “Goldman Sachs” und die Rothschild-Bank “Barclays”.
Standard & Poor’s (S&P) ist eine hundertprozentige Tochter des McGraw-Hill-Konzerns. Die drei Hauptgeschäftsbereiche lauten “Bildung”, “Finanzdienste” und “Information und Medien”. McGraw-Hill ist einer der größten Herausgeber von Lehrbüchern an amerikanischen Schulen und Universitäten und bestimmt dadurch wesentlich über Richtig und Falsch im amerikanischen Bildungssystem. Darüberhinaus gibt der Konzern einflussreiche und meinungsbildende Finanzmagazine heraus (z.B. die Business Week) und ist Besitzer einiger Fernsehsender.
Fitch wurde im Jahre 1913 von John Knowles Fitch gegründet, im Gründungsjahr des Federal Reserve System. Zufall? Möglicherweise. Heute gehört die Ratingagentur dem französischen Milliardär Marc Ladreit de Lacharrière, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters “Fimalac”. De Lacharrière sitzt zudem auch u.a. im Kontrollgremium von Renault und L’Oreal und ist Beirat der französischen Zentralbank.
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Wir sehen, dass die Personen hinter den Ratingagenturen auf keinen Fall neutral und unabhängig sind. Sie verfolgen mit Sicherheit in großem Stil eigene Interessen und haben die Möglichkeit, ihre eigenen Unternehmen gut zu bewerten und so unglaubliche Gewinne zu erzielen. Ratingagenturen sind also nicht nur als Analysten von Schuldnern tätig, sondern auch als Nebelkerzen für Staaten, Großbanken und Großkonzerne.
Machdemonstration in Deutschland
Deutschland lehnte unter Bundeskanzler Gerhard Schröder die amerikanische “Afghanistanpolitik” ab. Was daraufhin passierte, weiss der eine oder andere möglicherweise noch nicht: Am 21. September 2005 drohte Standard & Poor’s der Bundesrepublik offiziell, ihr das AAA-Rating zu entziehen. Bereits eine Woche später stand im Bundestag die Entscheidung über eine Ausweitung des Afghanistanmandats der Bundeswehr an. Von irgendwelchen Drohungen war nichts mehr zu hören.
Am 22. November 2005, also acht Wochen später, trat Angela Merkel an Schröders Position. Besteht hier ein Zusammenhang? Wurde es Gerhard Schröder im Westen zu heiss, sodass er sich in die (schützende) russische Wirtschaft direkt in den Gazprom-Vorstand unter die Obhut des späteren Präsidenten Russlands Dmitri Medwedew absetzte? Reine Spekulation, vielleicht klingt das sogar etwas verschwörerisch.
Fazit
Sie haben nun in etwa eine Vorstellung, wie unglaublich mächtig diese unscheinbaren Ratingagenturen eigentlich sind. Diese Privatunternehmen entscheiden über die Zahlungsfähigkeit und somit über das Wohl und das Vermögen jedes größeren Unternehmens, jedes Staates und jeder Bank auf dieser Welt. Sie entscheiden über Gewinner und Verlierer von politischen Auseinandersetzungen bis hin zum Krieg. Jeder, der den Hintermännern dieser Ratingagenturen nicht in den Kram passt, kann als zahlungsunfähig eingestuft werden und geht bankrott.
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Abschließend ein Zitat von Mayer Amschel Rothschild:
“Gib mir die Kontrolle über die Währung eines Landes und es ist mir egal wer die Gesetze macht.”
… und ein Zitat aus der New York Times:
“Die drei großen Rating-Agenturen. Eine einzelne von ihnen ist mächtiger als die US-Regierung. Sie heißen Moody`s, Standard & Poor`s und Fitch.”
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Ein sehr interessantes Buch, in dem dieses Thema hervorragend beschrieben wird und welches mir für diesen Artikel unter anderem als Quelle diente:
Crashkurs (von Dirk “Mr. Dax” Müller)
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Veröffentlicht unter: Kapital · Etiketten: Afghanistan, Banken, Bankrott, Bildung, Deutschland, Edelmetall, Geld, Krise, Medien, Militär, Ratingagentur, Regierung, Russland, System, Überwachung, Universität, USA, Welt, Wirtschaft
4 Antworten zu "Sind Ratingagenturen die Herrscher der Welt?"
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Sehr interessant, so ist es ja für Warren Buffett keine Kunst so dermaßen abzuräumen.. Wenn er sich die Ratings selbst geben kann..
harter tobak, werde mir das buch von dirk müller jedenfalls auch bestellen! sehr aufschlussreicher artikel!
[...] · Kommentar · Finanzkrise · Manipulation Sind Ratingagenturen die Herrscher der Welt? Gegenfrage.com – By [...]
[...] auf die Fragen im Artikel gibt’s evtl. hier oder hier: Ist der endgültige Crash bis auf weiteres [...]