An diesem Tag
31.03.1943: Die vergessene Bombardierung von Rotterdam (NL)


Geschichte/Niederlande/USA

Am 31. März 1943 bombardierten die USA versehentlich ein Wohnviertel in Rotterdam. Das Ereignis wurde erst 50 Jahre später von einem Journalisten enthüllt und ging als „die vergessene Bombardierung von Rotterdam“ in die niederländische Geschichte ein. 326 Menschen starben, 401 wurden verletzt und zwischen 10.000 und 20.000 Bewohner obdachlos.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
Vergessene Bombardierung Rotterdam
Vergessene Bombardierung von Rotterdam, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1943 bombardierte die US Air Force ein Wohnviertel in der niederländischen Metropole Rotterdam. Während der deutschen Besetzung der Niederlande führten die alliierten Luftstreitkräfte einige Operationen über Rotterdam und der umliegenden Region durch.

Dazu zählten die Bombardierung strategischer Einrichtungen und das Abwerfen von Propagandaschriften. Am 31. März wollten die US-Streitkräfte angeblich Ziele am Hafen in Rotterdam zerstören. Stattdessen wurde ein Wohnviertel bombardiert, wodurch 326 Menschen starben, 401 verletzt und zwischen 10.000 und 20.000 Bewohner obdachlos wurden.

Das Bombardement

Um 12:25 Uhr griffen 102 Bomber der USAAF die Stadt an. Ihr Ziel waren Werften und der Dock-Bereich des Hafens im Westen von Rotterdam. Insgesamt 99 Tonnen Bomben wurden abgeworfen. Allerdings traf man nicht den Hafen, sondern das Industriegebiet zwischen Keilehaven und Merwehaven.

Was genau bei dem Luftangriff schief lief, wurde niemals aufgearbeitet. Angeblich aufgrund der Wolken und des starken Winds wurden auch umliegende Wohngebiete getroffen, darunter der Bezirk Bospolder-Tussendijken.

Die US-Kampfflugzeuge drehten nach dem Abwurf der Bombenlast ab und kehrten zu einem Stützpunkt nach England zurück, ohne sich um die angerichteten Schäden zu kümmern. Berichte, die unmittelbar nach dem Angriff veröffentlicht wurden, beschrieben lediglich „einige gute Treffer“ in Rotterdam.

Einzelne Schicksale

Bob Briegoos, der damals neun Jahre alt war, spielte mit Freunden auf einem Deich, als er die Sirenen hörte. „Ich bin zum Haus eines Freundes gelaufen“, erinnerte er sich, „und bin gerade durch die Tür gekommen, als die Bomben explodierten. In meinem Leben hatte ich noch nie so einen Lärm gehört, die ganze Erde bebte.“

Mary de Koning Mineur und ihre Familie schafften es, sich unter das Treppenhaus der Nachbarn zu retten. Obwohl sie damals erst fünf Jahre alt war, kann sie sich sehr gut an den Luftangriff und seine Nachwirkungen erinnern. „Die Kraft des Bombardements hat unsere Haustür hereingeblasen“, sagte sie.

„Und weil die Tür offen stand, begannen die Leute, die Verwundeten nach dem Angriff in unser Haus zu bringen. Ein deutscher Soldat kam herein und fragte, ob er helfen könne. Meine Mutter fing an zu schreien, weil sie diesen deutschen Soldaten nicht in ihrem Haus haben wollte.“

Cornelia van Drunick, damals 19, überstand die Bombardierung in einem Luftschutzkeller. Anschließend machte sie sich auf den Weg nach Hause durch die schwelenden Trümmer zu ihrer Mutter. „Meine Mutter war immer besorgt, dass mir etwas passieren würde, weil ich in der Nähe des Hafens gearbeitet habe“, sagte sie unter Tränen. „Als ich nach Hause kam, fand ich unser zerstörtes Haus vor. Meine Mutter, meine Tante, einer meiner Neffen und meine Großeltern waren alle tot.“

Dieses Bombardement wurde als die „vergessene Bombardierung von Rotterdam“ bekannt.

Denkmal

Im Rotterdamer Gijling Park wurde eine Gedenkstätte zur Erinnerung an diejenigen errichtet, die durch die Angriffe getötet und verstümmelt wurden. Das Denkmal wurde von Mathieu Ficheroux geschaffen und vom damaligen niederländischen Ministerpräsidenten Ruud Lubbers am 31. März 1993 eingeweiht.

Bis in die 1990er Jahre wurde die vergessene Bombardierung von Rotterdam nicht im niederländischen Schulunterricht thematisiert. Im Vorfeld des 50-jährigen Jubiläums der Luftangriffe brach der niederländische Journalist Cees van der Wel das Schweigen und veröffentlichte einen Dokumentarfilm und einen Zeitungsartikel über den US-Luftangriff.

„Es war uns ein echtes Bedürfnis, die Toten und Überlebenden der Bombardierung zu würdigen“, sagte Marja Tolhoek, eine der Organisatorinnen der Einweihungszeremonie laut einem Bericht der New York Times. „Als ich in der Schule war, hörten wir nur von der deutschen Bombardierung, nichts über die amerikanische Bombardierung. Es gab kein einziges Denkmal für die Opfer.“

128 alliierte Luftangriffe auf Rotterdam

Rotterdam wurde im Zweiten Weltkrieg insgesamt 128 Mal von alliierten Luftwaffen bombardiert, in erster Linie durch die Royal Air Force und die United States Army Air Forces. Etwa die Hälfte der Bombardierungen fanden innerhalb der Stadtgrenzen statt.

Durch die 128 Luftangriffe, die sich meistens gegen die Industrie und die Infrastruktur richteten, kamen laut offiziellen Zahlen insgesamt 884 Menschen ums Leben, 631 wurden verletzt.

Quellenangaben anzeigen
new york times, wikipedia (en)

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