Besetzung von Mekka
21.11.1979: Mob zerstört US-Botschaft in Pakistan


Geschichte

Am 21. November 1979 brannte ein wütender Mob in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad die US-Botschaft nieder und tötete einen US-Marine. Hintergrund war die Besetzung von Mekka, welche am Tag zuvor begonnen hatte.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
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US-Botschaft in Berlin, Archivfoto, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1979 griff in Pakistans Hauptstadt Islamabad ein wütender Mob die US-Botschaft an. Die fünfstündige Belagerung begann als organisierter Studentenprotest vor den verschlossenen Toren des Botschaftsgeländes.

Als die Demonstranten jedoch damit anfingen, Teile der Außenmauer einzureißen und in den Komplex eindrangen, wurde der Protest gewalttätig. Ein Schusswechsel brach aus, und ein Marinesoldat, der auf dem Dach des Gebäudes stand, wurde erschossen.

Radiobeitrag

Die Angriffe sollen durch einen Radiobeitrag des iranischen Führers Ayatollah Khomeini ausgelöst worden sein. Dieser sagte, dass die Amerikaner hinter der Besetzung der heiligsten Stätte des Islam stünden, der Großen Moschee in Mekka, Saudi-Arabien. Mekka wurde am Tag zuvor von 500 Kämpfern verschiedener Nationalitäten besetzt.

Das US-Außenministerium beschrieb den iranischen Radiobeitrag als „unverantwortliche, offene Lüge“. Laut saudi-arabischen Behörden gab es keinen Hinweis auf eine Beteiligung des Westens an der Besetzung der Großen Moschee. Es handle sich ausschließlich um eine Tat islamischer Fundamentalisten.

Dennoch gab es antiamerikanische Proteste in vielen islamischen Ländern. Darunter auf den Philippinen, in der Türkei, in Bangladesch, im östlichen Saudi-Arabien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Pakistan.

Die amerikanischen Beziehungen zu Pakistan befanden sich ohnehin bereits auf einem Tiefpunkt, nachdem die USA im April ihre Hilfsleistungen für Pakistan aufgrund der nuklearen Ambitionen eingestellt und den pakistanischen Führer General Mohammed Zia ul-Haq für die Menschenrechtslage im Land kritisiert hatten.

Geiselnahme

Als die Demonstranten damit anfingen, Fenster zu zertrümmern und das Gebäude in Brand zu stecken, suchten mehr als 100 Botschaftsangehörige Zuflucht in einem mit Stahl ausgekleideten und fensterlosen Gewölbe im Obergeschoss.

Zu den Gefangenen im Raum gehörten US-Diplomaten, pakistanische Mitarbeiter und ein Journalist des Time-Magazins. Der Botschafter, Arthur W. Hummel Jr., befand sich nicht in der Botschaft, als der Angriff begann.

Die eingekesselten Mitarbeiter konnten sich mit dem Botschafter in Verbindung setzen, der daraufhin den Alarm auslöste und ein Eingreifen der pakistanischen Regierung verlangte. Währenddessen fanden die Demonstranten ihren Weg auf das Dach des Gebäudes. Mitarbeiter sagten später, die Lüftungsschächte seien beschossen worden.

Rettung

Die Anspannung war hoch, da iranische Studenten nur zwei Wochen zuvor 66 amerikanische Bürger in der US-Botschaft in Teheran als Geiseln nahmen. US-Präsident Jimmy Carter drohte darum mit einer militärischen Reaktion.

General Zia befahl der pakistanischen Armee, die gefangenen Amerikaner zu retten. Pakistanische Soldaten brachten die Situation um etwa 18:00 Uhr Ortszeit, etwa fünfeinhalb Stunden nach Beginn des Angriffs, unter Kontrolle. Mehrere andere amerikanische Institutionen in Pakistan waren ebenfalls das Ziel scheinbar orchestrierter antiamerikanischer Gewalt.

Bei der Durchsuchung des Botschaftskomplexes nach der Belagerung wurden weitere fünf Leichen gefunden. Ein Amerikaner, zwei pakistanische Mitarbeiter und zwei Demonstranten.

Nachwirkungen

Die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan blieben bis 2001 schlecht. Erst als die pakistanische Regierung sich am „Krieg gegen den Terror“ beteiligte und dabei half, die Taliban in Afghanistan zu stürzen, entspannte sich die Situation.

Pakistan nahm mehr als 500 Mitglieder von al-Kaida gefangen und überstellte diese an die USA. Allerdings konzentrierten sich extreme Gruppen in Pakistan weiterhin auf US-Einrichtungen. Allein im Jahr 2002 gab es sieben Angriffe auf eine kleine amerikanische Gemeinde, die in Pakistan lebt und arbeitet.

Die amerikanische Botschaft in Islamabad ist heute eine der am stärksten befestigten in der Welt. US-Geheimdienstmitarbeiter und Mitarbeiter der diplomatischen Sicherheitskräfte analysieren täglich bis zu fünf potenzielle Angriffsbedrohungen.

Quellenangaben anzeigen
bbc, iranian

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