Gegenfrage.com | News, die andere weglassen » Krass! » Kippt die “Politische Korrektheit?”
Kippt die “Politische Korrektheit?”
30. November 2009 | 3 Kommentare
Schon beim gutgemeinten Aussprechen der Worte “Schwarzer”, “Jude” oder “Moslem” bekommt so mancher schlechtes Gewissen. Niemand will ein “Neonazi” sein oder als “Ewig gestriger” tituliert werden. Darum benutzt man irreführende Begriffe wie “Südländer” oder verdreht einfache Worte wie z.B. “Leser” zu “Leser(n)/innen“, um ja niemanden auszugrenzen. Doch woher kommt dieses seltsame Verhalten? Hängt es womöglich mit der politischen Vergangenheit unserer Vorfahren in den 1930er-Jahren zusammen? Ich bin nicht ganz sicher, schließlich beobachtet man ähnliche Phänomene in Frankreich, den Niederlanden oder Großbritannien. Auch in Italien, der Schweiz und in Österreich, ja, eigentlich in ganz Europa verhält man sich so. Man nennt es im Volksmund auch “Politische Korrektheit”, oder politisch korrekt “political correctness”.
Ich möchte keinen Artikel über die Entstehung und die Ursachen der political correctness schreiben, dafür hält Google einige Top-Artikel für euch bereit. Viel mehr möchte ich beeindruckende Beispiele aufzeigen, auf welche ich in den letzten Monaten beim Surfen im WWW stieß. Auch interessant ist der gesellschaftliche Aspekt, denn nach meinen Beobachtungen findet momentan einen Umbruch statt.
Nur so viel sei gesagt: Seit vielen Jahrzehnten steckt in unseren Köpfen, dass der Wohlstand gesichert ist, jeder einen Arbeitsplatz bekommt (“Arbeitslose sind einfach nur faul”), unser soziales Netz lässt keine Armut zu. In den Sechziger Jahren gab es scheinbar sogar so viel zu tun, dass man zusätzlich zu den bereits zahlreich vorhandenen südeuropäischen Gastarbeitern noch weitere aus dem Nahen und Mittleren Osten ins Land holte. Der Wirtschaftsboom hielt lange Zeit an, also war Platz für alle, jeder bekam Arbeit. Und wer nicht arbeitete, der lebte eben von Arbeitslosengeld, Frührente oder erhielt sonstige Leistungen. Niemand interessierte sich für die immer weiter wachsende Unterschicht, denn der J.O.B. warf genug Geld ab, um sich ein traumhaftes Eigenheim zu finanzieren, einen schicken Sport-Zweitwagen abzubezahlen und für einen Urlaub am Strand reichte es ebenfalls gerade so.
Die Rezession
Doch im Jahre 2008 schlitterte ganz Europa in die Rezession. “Nanu” sagten sich die meisten, “wird wohl nicht so schlimm sein”, hofften sie. Doch Pustekuchen, die Rezession verschärfte sich, ein Jahr später hatten bereits 3,2 Millionen Menschen aufgrund der Rezession ihre J.O.B.’s verloren. Und hier sind wir an einem kritischen Punkt angelangt. Denn wenn es den Menschen nicht mehr gut geht und es schwieriger wird, sich sozialen Mißständen zu entziehen, dann kommen Fragen auf. Fragen zur sozialen Gerechtigkeit. Jeder kennt die Stammtischparolen über Ausländer, dass man “sie alle abschieben” sollte und dass sie hier keine Rente erhalten sollten, weil sie “niemals in den deutschen Rententopf eingezahlt haben”.
In der Regel geht der wütende, angetrunkene Stammtischler nach solchen Abenden nach Hause in die warme Stube, trinkt noch einen Absacker vor dem 106 cm Plasmafernseher und legt sich anschließend in sein Wasserbett, um am nächsten Morgen pünktlich zur Frühschicht zu erscheinen. Solange diese Ablenkungen existieren, funktioniert das System wunderbar, der Durchschnittsdeutsche ist zwar etwas maulig, doch im Grunde stets tolerant und weltoffen. Doch was passiert, wenn der Stammtischler die Raten für sein Eigenheim und seinen Zweit-Sportwagen nicht mehr aufbringen kann? Wenn es keinen Plasmafernseher mehr gibt und keinen Arbeitsplatz, wo man 8 Stunden täglich beschäftigt ist? Dann werden Schuldige gesucht. Und genau das erleben wir momentan.
Staatsbankrott und Armut
Staaten gehen bankrott, zuletzt Island, Irland, Dubai.. Als nächstes dürften einige Ostblockstaaten folgen, welche dann ihre horrenden West-Schulden nicht begleichen werden und somit aller Wahrscheinlichkeit nach den gesamten Westen mit in die Tiefe reissen. Und da im Grunde nicht die Staaten bankrott gehen, sondern nur deren Bürger, entsteht auch im satten Westen nach einigen Jahrzehnten (in der Regel 60-80 Jahre) wieder eine bürgerliche Armut. Schuld sind dann vermutlich Politiker, Banker, Arbeitgeber, alle jene, die etwas zu sagen haben und ein dickes Portemonnaie besitzen. Es ist modern, Banker zu hassen. Doch kann der Banker der örtlichen Volksbankfiliale genauso wenig dafür wie der Fabrikarbeiter. Er ist nur Teil des verkorksten Systems und erledigt seinen J.O.B. Die echten Übeltäter bringen ihre Schäfchen lange vorher ins Trockene und bleiben unerreichbar.
Die Suche nach Schuldigen
Problematischer wird es, wenn sich die einen Bürger gegenüber den anderen benachteiligt fühlen. Wer will schon politisch korrekt sein, wenn der Magen knurrt?
80% aller Intensiv-Straftäter sind Türken und Araber. Auf wen wird der hochverschuldete Häuslebauer also als erstes mit dem Finger zeigen, wenn das Geld alle ist? Auf alles, was dem liebgewonnenen System Schaden zufügt, auf Menschen, die teuer sind für den Rechtsstaat und somit für die übrigen paar Steuerzahler. So beginnen innere Spannungen und Unruhen. Und genau dorthin entwickelt sich unsere Gesellschaft gerade. Noch vor fünf Jahren waren offene Diskussionen über politisch unkorrekte Themen nahezu undenkbar. Tolerant und gutgläubig zu sein war “IN”. Zumindest solange man seine eigenen Kinder nicht in einer sogenannten Brennpunktschule unterbringen musste.
Presse und Politik
Derzeit wendet sich das Blatt, man sieht linksradikale Übergriffe gegenüber normalen Bürgern, prominente Ausländer rufen dazu auf, sich gegen Deutsche zu wehren, doch viele Bürger erheben sich allmählich und machen dagegen Stimmung. In verschiedensten Foren kippt die Stimmung gegen die political correctness. Schnell wird die schlechte Stimmung auch deutlich, wenn man sich Leserkommentare diverser Artikel durchliest (im Artikel ganz runter scrollen). Auch in einem Artikel über Thilo Sarrazin sind die Leserkommentare sehr eindeutig. Es verhärten sich die Fronten.
Mit steigender Arbeitslosigkeit und wachsender Unzufriedenheit verschwindet also die political correctness, wie wir beobachten. Während Deutschlands Politiker nach politisch unkorrekten Passagen in Pixiebüchern suchen, protestiert das wütende Volk gegen Moscheen und noch mehr teure Minister. Ein neues Phänomen sind auch politisch unkorrekte Onlinegames, wie die Anti-Minarett-Initiative und ganze Ortschaften, die keine Muslime bei sich haben möchten.
Gesellschaftliche Probleme
Ich beobachte diese Entwicklungen mit Bedenken. Political Correctness ist natürlich Unsinn, Probleme müssen umgehend und offen angesprochen werden. Doch dieser Zug ist abgefahren, jahrelang wurde schöngeredet und toleriert und nun spaltet sich die Gesellschaft. Normale Bürger können sich in den Brennpunktvierteln aller Großstädte Europas nicht mehr gefahrlos bewegen und die Politik sieht dem Treiben tatenlos zu. Die Bürger haben keine Lust mehr auf diesen Zirkus, Werte und Tugenden verblassen, eine riesengroße Unterschicht entsteht, die Gesellschaft hat keine Identität mehr.
Die Sehnsucht nach einer heilen Welt könnte bürgerliche Europäer in Bestien verwandeln, die nach Überschreiten einer unbestimmten Grenze anfangen “aufzuräumen”. Es fehlt nur der Zündfunke, der berühmte Tropfen, eigentlich genügt bereits ein simples Motto. Man erinnere sich an bürgerkriegsähnliche Zustände, weil Fußballfans mit einem Spielergebnis nicht zufrieden waren. Was geschieht, wenn etwa 1000 mal so viele Menschen Hunger haben und wütend durch die Straßen ziehen? Vertrauen Sie dann noch auf die Polizei? Das wäre sehr blauäugig (Wortspiel?). Falls die Polizisten dann nicht sogar selbst mitrandalieren.
Fazit
Wenn sich nicht alle Beteiligten bemühen, wird Europa es wohl nicht schaffen, dem gesellschaftlichen Zerfall entgegenzusteuern. Es wird kaum machbar sein, die wachsende Unterschicht mit hohen Sozialleistungen zufriedenzustellen, es wird auch nicht möglich sein, die immer weinger werdenden Steuerzahler noch mehr zu belasten. Es gibt immer mehr Rentner, die sich ihren sorgenfreien Lebensabend zwar verdient, unsere Politiker das Geld aber schon längst ausgegeben haben. Top-Verdiener verdienen immer mehr, Geringverdiener immer weniger. Die schlimmste jemals dagewesene Währungskrise steht vor der Tür.
Was können wir tun?
Was wir tun können, ist uns von Banken, staatlichen Leistungen und Großkonzernen unabhängig zu machen, Kontakte zur Familie und zu Freunden zu pflegen, autarker zu werden. Wer Kartoffeln im Garten hat, muss nicht unbedingt jeden Samstag im Supermarkt einkaufen, um über die Runden zu kommen. Bringen Sie sich durch Vorsorge (Nahrungsmittel, Edelmetalle, Outdoor-Ausrüstung) in eine Position, in der Sie keine Schuldigen suchen und nicht als wütender Mob durch die Straßen ziehen müssen. Benutzen Sie das Geld der Banken (Euro, Dollar, Franken usw..) nur für das Nötigste, keine Kredite, keine Verträge. Sorgen Sie dafür, dass man Ihnen nichts wegnehmen kann, so müssen Sie später auch nicht neidisch auf den Besitz von Anderen sein. Lassen Sie sich nicht durchleuchten. Versuchen Sie offen zu sein für Neues, halten Sie nicht an alten Gewohnheiten fest. Die Unzufriedenheit ist ein Resultat der Abhängigkeit von unseren Eliten, wie man im Zuge der Wirtschaftskrise wunderbar sieht. Also muss man sich davon lösen.
Wir können wirklich nur hoffen, dass es keine inneren Spannungen geben wird, dass irgendjemand einen vernünftigen Ausweg aus dieser Misere einleitet. Und hoffentlich ist es dieses mal kein Kriegstreiber.
_________________________________________________________________
Vielleicht interessiert Sie auch folgender Beitrag:
-
Politische Vetternwirtschaft Bush, Clinton, Ford, Johnson, Obama, Churchill, Cheney, Truman, Madison, die Queen.. Was verbindet diese hochrangigen Persönlichkeiten miteinander? Klar, es gab zwei Bushs und zwei oder drei Clintons. Churchill und...
Veröffentlicht unter: Krass! · Etiketten: Banken, Bankrott, Deutschland, Dollar, Edelmetalle, Euro, Frankreich, Geld, Gesellschaft, Großbritannien, Irland, Italien, Krise, Medien, Militär, Österreich, Schulden, Schweiz, Steuern, System, Unruhen, USA, Welt, Wirtschaft
Letzte Kommentare
- spaßbremse bei Ron Paul: “Wohlfahrtssystem nützt den Reichen”
- Elly bei Bernanke: “US-Finanzpolitik hält keine 20 Jahre mehr”
- spaßbremse bei Bernanke: “US-Finanzpolitik hält keine 20 Jahre mehr”
- ronon bei Ron Paul: “Wohlfahrtssystem nützt den Reichen”
- ronon bei Weltbank warnt vor “antideutscher Stimmung in Europa”
- ronon bei Weltbank warnt vor “antideutscher Stimmung in Europa”
- Propaghandi bei Ron Paul: “Wohlfahrtssystem nützt den Reichen”
- roleam bei Sarkozy: Sparen? Aber bitte nur die anderen!
Unabhängige Information
- Bullion-Investor.net
- Bunte Nachrichtenagentur Deutschland
- Dorian Grey
- Frank Meyer & Bankhaus Rott
- Gelbes Forum NACHRICHTEN
- Hartgeld.com
- IKnews.de
- info.kopp-verlag.de
- Infokrieg.tv
- Klatschnews.com
- Krisenfrei.de
- Mybullion.de
- Net-News-Express
- NuoViso
- Querschüsse
- Radio-Reschke.de
- Schnittpunkt2012
- Seite3.ch
- SPIEGELblog
- The Intelligence
- Wirtschaftsfacts.de
Amazon
Meistgelesene Beiträge
- Ex-Schatzkanzler: “Ende des Euro ist unvermeidlich”
16.364 mal gelesen - Doku: “Hitlers Krieg? Was Guido Knopp verschweigt”
14.881 mal gelesen - Nigel Farage: “Die EU schafft Konflikte in Europa”
11.433 mal gelesen - Gold: Rekordjagd ohne Jäger?
10.548 mal gelesen - Euro: Offizieller und inoffizieller Wertverlust
9.310 mal gelesen - Die PIGS sind eigentlich die “PIGSBISGULIWURM”
9.127 mal gelesen - Max Keiser: Deutschland wird wieder ‘Deutsches Reich’
9.115 mal gelesen - Russland und China drohen offen mit drittem Weltkrieg
8.954 mal gelesen - ‘Die Eurozone befindet sich in der Endphase’
8.766 mal gelesen - “Silberzehner” als Schutz vor dem Crash
8.104 mal gelesen
© 2012 Gegenfrage.com | News, die andere weglassen


















Vielen Dank, sehr treffender Artikel. Fast zeitgleich mit der Minarettgeschichte!
Aus dem „kleinen Finger“ wird später „die ganze Hand“
So lange das schreckliche und laute Gejaule und Geblöke von den Minaretten herab den hierunter leidenden Anwohnern nicht zugemutet wird, habe ich nichts gegen diese von unmündigen Menschen sich geschaffenen Symbole. Auch so lange ein andauerndes Gebimmele von Kirchtürmen herunter unterbleibt, habe ich nichts gegen Kirchtürme.
Ich sehe aber auch bei den Minaretten die übliche Salami-Taktik (wie z.B. beim Ladenschluss):
Zuerst Minarett ohne Muezzin
Dann Minarett mit Lautsprecher
Dann Minarett mit Muezzin
Dann Minarett mit Muezzin+Lautsprecher
Die Reichen und darunter auch viele „Gutmenschen“ haben mit diesem ganzen Thema sowieso persönlich kein besonderes Problem. Die werden dort hinziehen, wo es kein Muezzin-Gejaule und kein Kirchturm-Gebimmele gibt. Zurückbleiben müssen die verblödeten Unterschichten.
als erstes sei gesagt, dass deine Einschätzung die beste ist, die ich bisher zu dem Thema gelesen habe!
Ich möchte dich allerdings darauf aufmerksam machen, dass der Wandel der Thematik nicht erst seit der Rezession zu beobachten ist, sondern seit 2004, dh. Hartz IV und der Agenda. Seitdem verschiebt sich die Thematik weg vom Generalverdacht gegenüber den Bürgern in Sachen Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie hin zur traditionellen linken Anklage des sozial ungerechten, ausbeuterischen Kapitalismus. Da die Linke den Kern der Political Correctness bildet, verschiebt sich auch die Thematik mit der neuen strategischen Ausrichtung der Linken.
Die Rezession beschleunigt den Prozess selbstverständlich, insofern die bisherigen Themen den wirtschaftlich verängstigen Bürger zunehmend kalt lassen. Mit der Political Correctness erreicht man immer weniger Zuhörer, zumal auch der Bogen überspannt wurde, man sich in Widersprüche verstrickte und die Thematik auch abgedroschen ist.
Bisher griff die Verschiebung hin zu traditionellen linken Themen nicht in der erwarteten Intensität. Die realen Ängste des Bürgers vor sozialer Verelendung lassen ihn Hilfe eher bei etablierten bürgerlichen Parteien suchen. Wir werden sehen, wie die Linke mit dem bisherigen Misserfolg ihrer alten neuen strategischen Ausrichtung auf Dauer umgehen wird, zumal sie keine Alternative zu bieten hat, wie es selbst der DKP Häuptling erkannt hat, und das Gejammer über den blutsaugenden Kapitalismus mangels solcher zu nichts als zur Zerstörung führt.