Fürstentum Andorra: Das vergessene Steuerparadies?


Deutschland/Frankreich/Krass!/Militär/Österreich/Schweiz/Spanien/USA

Die meisten werden sich noch daran erinnern: Ende 2008 sollte die OECD ihre Schwarze Liste von Steuerparadiesen deutlich ausweiten, wie Frankreich und Deutschland lautstark forderten.

Doch irgendwie war eines dieser Steuerparadiese weniger im Gespräch als andere: Andorra. Ein beliebtes Skigebiet, zudem ein sogenannter Schurkenstaat mit Bankgeheimnis und ohne Einkommen- oder Kapitalsteuern, zumindest spricht man so international darüber.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Kontoeröffnung in Andorra


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Ein Grund für die Geringbeachtung könnte sein, dass man es als Ausländer alles andere als leicht hat, ohne Beziehungen Geld in Andorra anzulegen. Banken sind bei der Einrichtung von Konten für Gebietsfremde eher zurückhaltend. Ein Konto auf dem Postweg zu eröffnen ist nicht möglich. Teilweise wird dafür sogar verlangt, dass man bei der Bank ein Empfehlungsschreiben aus Andorra vorlegt. Die Herkunft der zur Deponierung vorgesehenen Gelder muss einwandfrei und zweifelsfrei belegt werden können, damit kein Verdacht auf Geldwäschetätigkeit entsteht. Außerdem ist ein persönliches Erscheinen zur Eröffnung eines Kontos notwendig. Per Post oder gar per Internet ist dies bislang nicht möglich.

Die offizielle Geschäftssprache in Andorra ist Katalanisch. Es wird auch Spanisch und Französisch gesprochen, doch alles darüber hinaus wird kompliziert. Mit Englisch könnte man noch Glück haben, mit Deutsch stehen die Chancen eher schlecht, sich in Andorra zu verständigen.

Startet man den Versuch in Andorra ein Konto zu eröffnen, möchte aber keine Überweisung an eine dortige Bank tätigen, stößt man auf die nächste Hürde: Spanien fordert bei der Einreise nach Andorra eine Devisenerklärung bereits ab 6.010 Euro, Frankreich ab 7.620 Euro. Die andorranische Währung ist zwar der Euro, doch ist dieser nur unilateral eingeführt, was bedeutet, dass Andorra nicht an der Europäischen Währungsunion beteiligt ist. Auf Euro lautende große Banknoten sind chronisch Mangelware aufgrund der Unterversorgung durch die spanische Zentralbank.


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Ähnliche Hindernisse muss man allerdings auch in anderen „Steueroasen“ wie Monaco oder Liechtenstein überwinden. Ohne Beziehungen wird’s schwierig. Graben wir etwas tiefer.

Vergangenheit

Einige merkwürdige Punkte zum Thema Andorra gibt es natürlich auch. Im Jahre 1934 erlangte der russische Adelige Boris Skossyrew die Macht in Andorra und ließ sich am 7. Juli vom Generalrat zum König Boris I. wählen. Bekannt über seine Person ist, dass er während der bolschewistischen Revolution im Jahre 1917 in England politisches Asyl suchte. Dort diente er zwei Jahre bei der britischen Armee. Danach war er in Diensten des Foreign Office in diversen mehr oder weniger geheimen Missionen unterwegs, die ihn nach Sibirien, Japan und in die USA führten. Seine Herrschaft dauerte jedoch nur genau 14 Tage bis zum 21. Juli, da er durch Intervention des Bischofs von Urgell verhaftet und des Landes verwiesen wurde.


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Im September 1939, unmittelbar nach dem Deutschen Einmarsch in Polen, schloss Andorra einen Friedensvertrag mit Deutschland, was maßgeblich dazu beitrug, dass Andorra im Zweiten Weltkrieg, wie auch die anderen „Steuerparadiese“ Liechtenstein, Monaco und die Schweiz, seine Neutralität bewahren konnte.

Staatsoberhaupt von Andorra ist Nicolas Sarkozy

Was nicht ganz ins Bild der französischen Jagd auf „Steueroasen“ passt, ist ein kurzer Blick auf die Regierung Andorras: Zwei ausländische Amtsträger haben nämlich die Funktion des Staatsoberhauptes. Einer davon ist kein Geringerer als der französische Präsident Nicolas Sarkozy. Sarkozy, der Wirtschaftsanwalt, der seinen Kunden dazu verhalf, ihr Geld in Genf zu deponieren. Der nach eigenen Angaben weder Immobilien noch Wertgegenstände besitzt, und neben einem gutbürgerlichen Kleinwagen ganz offiziell und anständig seine Geldanlagen auf einem französischen Konto offenlegt. Etwas schwieriger zu erklären ist in diesem Zusammenhang sein Urlaub im Wert von 100.000 Euro auf einer Luxus-Jacht im Jahre 2007, ein Haufen Holz für einen angeblich bescheidenen und ehrlichen Volksvertreter mit einem Einkommen von damals 8.400 Euro monatlich (kurz später hat er sein Gehalt um 140% auf 20.000 Euro erhöht), nicht wahr?


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Natürlich ist anzunehmen, dass Andorra die Schmuckkiste für europäische Vermögende sein dürfte. Es wäre ja mehr als merkwürdig, wenn Sarkozy als Staatsoberhaupt der Steuerhölle Frankreich sein Vermögen dort nicht steuerfrei verschwinden lassen würde.

Quellen: Steinbrück sagt Steueroasen den Kampf an, Das Ende eines „Schurkenstaates“, Andorra-Intern, Andorra, Kriegführende Staaten im Zweiten Weltkrieg, Boris I. König von Andorra vom 7. bis 21. Juli 1934, Kritik an Sarkozy wächst, Zwei Millionen Euro und ein Mini, Gehört auch Nicolas Sarkozy auf eine schwarze Liste?, Wie viel verdient Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy?


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