Wu Gan, der "Super Vulgar Butcher":
China wirft Deutschland Einmischung in innere Angelegenheiten vor


China/Deutschland/Politik/USA

Die deutsche Botschaft in Peking hat gemeinsam mit der US-Botschaft die Verurteilung eines chinesischen Bloggers kritisiert. Chinas Regierung betrachtet dies als eine Einmischung in innere Angelegenheiten.

Wu Gan "Super Vulgar Butcher"
Wu Gan „Super Vulgar Butcher“, Bild: Gegenfrage.com

China hat die deutsche und die amerikanische Botschaft in Peking beschuldigt, sich in innere Angelegenheiten des Landes einzumischen. Diplomaten hatten die Strafverfolgung eines Rechtsanwalts und eines Aktivisten kritisiert.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying, sagte am Donnerstag während einer Pressekonferenz in Peking, dass eine gemeinsame Erklärung der Botschaften, in der die Freilassung des Aktivisten Wu Gan und des Anwalts Xie Yang gefordert wurde, unverantwortlich sei.

„Die Botschaften dieser beiden Länder sind diplomatische Vertretungen, die kein Recht haben, mit dem Finger auf Chinas innere Angelegenheiten und die Souveränität der Justiz zu zeigen“, so die Sprecherin.

„Wir hoffen, dass die zuständigen Botschaften ihre Aufgaben klar verstehen und etwas dazu beitragen, um das gegenseitige Vertrauen, das gegenseitige Verständnis und die Kooperation zu stärken, und nicht umgekehrt“, fügte sie hinzu.

Die beiden Botschaften kritisierten eine „schwere Misshandlung“ von Wu und Xie während der Haft. „Wir fordern die chinesischen Behörden auf, Anwälte und Verteidiger von Menschenrechten als Partner bei der Stärkung der chinesischen Gesellschaft durch die Entwicklung der Rechtsstaatlichkeit zu sehen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

„Super Vulgar Butcher“

Wu, ein Blogger, besser bekannt unter seinem Online-Namen „Super Vulgar Butcher“, wurde am Dienstag wegen eines Umsturzversuchs inhaftiert und zu acht Jahren Haft verurteilt.

„Wu Gan hat weite Informationsnetze genutzt, um eine große Menge an Rhetorik zu verbreiten und die Staatsmacht und das von der Verfassung geschaffene System anzugreifen“, so die Anklage. Wu zeigte sich während der Gerichtsverhandlung uneinsichtig.

Menschenrechtsaktivitäten

Wu engagierte sich seit Mai 2008 für Menschenrechte. 2009 unterstützte er eine Frau, die wegen des Deng Yujiao-Vorfalls wegen Mordes angeklagt war. Seitdem bloggt er über Menschenrechtsverletzungen in China und vertreibt provokative T-Shirts, Banner und künstlerische Werke über verschiedene Fälle.

In einem Fall zeichnete er einen Hitlerschnurrbart auf das Foto des obersten Richters in China und warf diesem Korruption vor. Im Frühjahr 2015 begann Wu für die Anwaltskanzlei Beijing Fengrui zu arbeiten. Am 20. Mai 2015 wurde er jedoch von der Polizei in Nanchang inhaftiert und am 07. Juli aufgrund von Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt angeklagt.

Im August 2017, nach zwei Jahren Haft, wurde Wu in Tianjin erneut wegen Untergrabung der Staatsgewalt vor Gericht gestellt. Das jüngste Urteil vom Dienstag ist eine der härtesten Strafen für chinesische Menschenrechtsaktivisten in der jüngeren Zeit.

Quellenangaben anzeigen
guardian, newyorktimes, wikipedia, presstv

2 Comments

  1. Zur Abwechslung könnten die Chinesen die Gepflogenheiten der Lücken- und Lügenpresse gegenüber der AfD thematisieren.

  2. Naja- wer in Deutschland angekettet in einer Polizeizelle auf einer feuerhemmenden Matratze verbrennt, die nur mit Brandbeschleuniger entzündet werden kann, hat eben Selbstmord begangen.
    Der Gefangene der ein Jahr vorher in der selben Zelle an seinen Kopfverletzungen gestorben ist, hat sich auch wohl selbst erschlagen.
    Was würden wir wohl in Gelächter ausbrechen, wenn das die chinesische Justiz melden würde.
    In Deutschland wurden Verteidigergespräche abgehört und die Gefängnisse schon für die Angeklagten gebaut, als diese noch in Untersuchungshaft waren.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

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