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16.01.1917: Zimmermann-Telegramm


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Am 16. Januar 1917 sandte der deutsche Außenminister das sogenannte Zimmermann-Telegramm an den deutschen Botschafter in den USA. Darin schlug er Mexiko eine deutsche Beteiligung an einem Krieg gegen die USA vor.

Zimmermann-Telegramm
Zimmermann-Telegramm

Das Zimmermann-Telegramm (oder Zimmermann-Depesche) war eine geheime diplomatische Mitteilung des Auswärtigen Amtes am 16. Januar 1917 an den deutschen Botschafter in den USA. Dieser leitete es am 19. Januar an den Kollegen in Mexiko weiter.

Darin schlug Außenminister Arthur Zimmermann im Vorfeld des Eintritts der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg ein militärisches Bündnis zwischen Deutschland und Mexiko vor. Mexiko würde Texas, Arizona und New Mexico wiedererlangen. Der Vorschlag wurde vom britischen Geheimdienst abgefangen und entschlüsselt.



U-Boote gegen die Hungerkrise

In Deutschland brachen zu Beginn des Jahres 1917 Hungerkrisen aus, da die britische Marine den deutschen Handel blockierte. Aus diesem Grund plante Berlin ab 01. Februar den „uneingeschränkten U-Boot-Krieg“. Dafür sollten etwa 200 deutsche U-Boote entsandt werden, die alle Schiffe in entsprechenden Gewässern ohne Vorwarnung zu versenken.

Da sich dort auch amerikanische Handelsschiffe befanden, welche den Feind belieferten, würden diese automatisch ebenfalls betroffen sein. Darum rechnete die deutsche Regierung mit einem baldigen Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg.

Um dies zu verhindern oder wenigstens zu verzögern, hatte Zimmermann (ohne Rücksprache mit Berlin) die Idee, die USA in einen amerikanischen Konflikt zu verstricken. Er schlug Mexikos Präsident Carranza vor, mit deutscher und nach Möglichkeit auch japanischer Unterstützung in den Süden der USA einzudringen.

Mexiko würde dafür Texas, Arizona und New Mexico zurückerhalten, die die USA im 19. Jahrhundert annektiert hatten. Bis heute ist nicht ganz geklärt, ob dieser Vorschlag ernst gemeint oder nur ein Bluff war.

Nichtsdestotrotz wurde der Vorschlag vom britischen Geheimdienst abgefangen und entschlüsselt und an die US-Regierung übergeben. Aus Sicht der USA wurde der europäische Krieg damit zu einer Bedrohung für die nationale Sicherheit.

Die Stimmung in den USA dreht sich

Die Veröffentlichung des Telegramms brachte die amerikanische Gesellschaft in Aufruhr, besonders nachdem der deutsche Außenminister Arthur Zimmermann die Echtheit des Telegramms am 03. März, zwei Tage nach der Veröffentlichung in der New York Times, zugegeben hatte.

Das Telegramm war schließlich eine der Begründungen für die Kriegserklärung der USA an Deutschland im April 1917. Einige Historiker glauben hingegen, dass der Kriegseintritt der USA längst feststand und lediglich nach Begründungen für die US-Öffentlichkeit gesucht wurden.

Das Telegramm sei der US-Regierung darum zeitlich mehr als gelegen gekommen. So beschrieb etwa die britische Historikerin Barbara Tuchmann das Zimmermann-Telegramm „als einen jener Glücksfälle, die schon manchem US-Präsidenten den Schritt in einen unpopulären Krieg erleichtert haben.“

Die Codes

Die Entschlüsselung wird als der bedeutendste Triumph des britischen Geheimdienstes im Ersten Weltkrieg beschrieben. Als „Meisterleistung“, die den Verlauf des Ersten Weltkriegs zugunsten der Briten drehte.

Eine „Meisterleistung“ war es allerdings möglicherweise nur bedingt. Die deutschen Codes lagen dem britischen Geheimdienst bereits jahrelang vor. Britische Fischer hatten den Codeschlüssel im Dezember 1914 an Bord eines versenkten deutschen Kriegsschiffs in einer Kiste entdeckt.

Im Februar 1915 fiel den Briten ein weiteres Codebuch in die Hände. Tuchmann bezeichnete die Codes als „Hebel, mit dem man die Vereinigten Staaten in Bewegung setzen konnte“.

Inhalt des Telegramms:

„Wir beabsichtigen, am ersten Februar uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu beginnen. Es wird versucht werden, Amerika trotzdem neutral zu halten. Für den Fall, dass dies nicht gelingen sollte, schlagen wir Mexiko auf folgender Grundlage Bündnis vor. Gemeinsame Kriegführung. Gemeinsamer Friedensschluss. Reichlich finanzielle Unterstützung und Einverständnis unsererseits, dass Mexiko in Texas, Neu Mexico, Arizona früher verlorenes Gebiet zurückerobert. Regelung im einzelnen Euer Hochwohlgeborenen überlassen. Euer Hochwohlgeborenen wollen Vorstehendes Präsidenten streng geheim eröffnen, sobald Kriegsausbruch mit Vereinigten Staaten feststeht, und Anregung hinzufügen, Japan von sich aus zu sofortigem Beitritt einzuladen und gleichzeitig zwischen uns und Japan zu vermitteln. Bitte Präsidenten darauf hinweisen, dass rücksichtslose Anwendung unserer U-Boote jetzt Aussicht bietet, England in wenigen Monaten zum Frieden zu zwingen. Empfang bestätigen. Zimmermann“

11 Kommentare

  1. Ich denke da geht einiges durcheinander:
    1. Die Zimmermann Depesche war nicht ernst gemeint, sondern eine Warnung an die USA sich aus dem Krieg auf dem eurasischen Festland herauszuhalten. Eine fixe Idee des Reichskanzlers, mit dem Kaiser nicht abgesprochen.
    Quelle: Kaiser Wilhelm II,
    „Ereignisse und Gestalten“ (so um 1922)
    Es war nie beabsichtigt, Mexiko militärisch zu unterstützen, weil dazu Schiffe nötig gewesen wären um die Kontinentalblockade der Briten zu durchbrechen.
    2. Es gab bereits 1915 eine klare Warnung der USA an Berlin, sofort in den Krieg gegen Deutschland einzutreten, wenn die Angriffe der Tauchboote gegen die „internationale Handelsschiffahrt“ (so der Wortlaut!) nicht unterblieben.
    Der Kaiser setzte sich durch und Deutschland steckte zurück- bis 1917. So ergab sich die unmögliche Situation, dass zwar die Briten die internationale Handelsschiffahrt in Richtung deutscher Häfen unterbinden durften, aber deutsche Tauchboote durften gleiches nicht gegenüber britischen Häfen tun. Wenn man weiß, wer diesen Krieg auf westlicher Seite bezahlt hatte, nämlich Rothschild in London und in New York, wobei die US Regierung als Bürge bereits 1914 auftrat, den wundert diese „Logik“ nicht.

    Die USA nutzten die Zimmermann Depesche lediglich um die dumme Öffentlichkeit für den Krieg zu gewinnen.
    Als ob Deutschland mit seinem vorherrschenden Materialmangel noch Offiziere und Kriegsmaterial hätte erübrigen können um dieses nach Mexiko zu entsenden!
    Vor allem- wie denn- mit Ruderbooten?
    An der haushoch überlegenen angelsächsischen Flotte kam niemand durch! Als die Briten völlig überraschend Panzer, Tarnname: Tank, an der Front einsetzten, forderte das deutsche OKH die Entwicklung eines deutschen „Tanks“.
    Das wurde von der deutschen Industrie abgelehnt, mit der Begründung man könne nicht noch Panzer bauen, weil man selbst mit der normalen Feldartillerie nicht mithalten könne.
    In der Tat war es so, dass Briten und Franzosen spätestens am Sommer 1915 soviel Granaten zur Verfügung hatten, dass vor jedem Angriff bis zu 24 Stunden lang die deutschen Stellungen ununterbrochen einen vorbereitenden Artillerieangriff starten konnten.
    Bei den deutschen Armeen war das nicht der Fall. Selbst im günstigen Fall waren mehr als 12 Stunden Artillerie Trommelfeuer zur Zermürbung des Gegners nicht drin.
    Erst 1917 wurden auf Drängen des OKH doch einige Panzer von der deutschen Industrie geliefert. Ein völlig nutzloses Unterfangen: die Stückzahlen waren extrem niedrig im Vergleich zum Gegner.

  2. Das steht doch da bei mir.
    1. Das Deutschland war überhaupt nicht in der Lage einen möglichen Waffengang Mexikos (wegen der Annexion Kaliforniens) zu unterstützen.
    2. Kaiser Wilhelm II erwähnt in seinem von mir angesprochenen Buch diese Depesche (Telegramm) und schreibt ausdrücklich, dass der Reichskanzler (den der Kaiser mehrfach während des Krieges durch einen Neuen ersetzte),
    diese Sache ohne sein Wissen veranlasste und zwar nur als Drohung gegenüber den USA, falls diese Deutschland den Krieg erklärten.
    Aber die USA waren natürlich informiert genug, um zu wissen, dass dem Reich jede Möglichkeit fehlte der Drohung auch Taten folgen zu lassen.
    Die Kriegserklärung der USA war deshalb fällig, weil der russische Zusammenbruch an der Ostfront, deutsche Kräfte für die Westfront freimachte. Frankreich selbst musste mehrfach durch britische Truppen stabilisiert werden, weil die Franzosen erheblich demoralisiert und friedensbereit waren.
    Letzteres ist nicht beim Kaiser nachzulesen, sondern bei Generalfeldmarschall (GFM ) Erich Ludendorff.

  3. Ohne Rücksprache mit Berlin, steht doch da. Und dass der US-Regierung das Telegramm, das möglicherweise nur ein Bluff war, ganz gelegen kam, steht da auch. Dennoch danke für die Ergänzungen aus originaler Lektüre.

  4. Richtig, mein lieber Bürgender.

    Weitere Ergänzung: die erwähnte Zahl von 200 U-Booten, die aber Tauchboote waren, kannte auch GFM Ludendorff und hatte dafür nur ein bitteres Lachen übrig.
    Das Reich ging 1914 mit 23 Tauchbooten in den Krieg.
    Die monatliche Neuproduktion dieser Boote betrug während des Krieges durchschnittlich 8 Stck. Davon müssen die Verluste durch Wasserbomben auf allen Weltmeeren abgezogen werden. Wie da 200 Boote auf einmal herkommen sollten, wusste weder Ludendorff noch ich.

  5. Wie schon mein Vorgänger @Markus schrieb, konnte dieses „Angebot“ technisch überhaupt nicht realisiert werden.
    Zwischen Deutschland und Mexiko lag auch 1917 ein Weltmeer und die deutsche Kriegsflotte war vom Kaiser zur Untätigkeit bestimmt.
    Er brauchte die Flotte, um etwas bei den Friedensverhandlungen mit England und Frankreich in der Hand zu haben. Diese deutsche Kriegsflotte war der britischen Marine zahlenmäßig deutlich unterlegen!
    Dazu kam die französische Flotte und die US amerikanische Flotte! Eine Zusammenarbeit mit Mexiko (z.B. mit einem oder zwei U-Booten) wäre von den USA sofort mit der Kriegserklärung beantwortet worden!
    Man kann es drehen wie man will: die Zimmermann-Depesche sollte in Wahrheit an die Adresse der USA gehen und an niemand sonst. Die USA hatten sofort nach Ausbruch des Krieges 1914 per Schiff Hilfslieferungen an England auf den Weg gebracht. Als deutsche U-Boote (etwa 1915) damit drohten diese Hilfe zu unterbinden, drohten die USA im Gegenzug mit der Kriegserklärung.
    Da Deutschland 1915 nur 26 U-Boote insgesamt besaß, wäre die „Unterbindung“ sowieso nicht möglich gewesen.
    So blieb es dabei: die USA brachen die Neutralität und unterstützten England und Deutschland schaute zu.
    1917 war die Zimmermann-Depesche daher entweder eine Warnung an die USA oder eine rein britische Fälschung.

  6. Das was überhaupt noch nicht erörtert wurde und generell ein Stiefkind der geschichtlichen Forschung ist, ist die Frage ob der Erste WK überhaupt gewinnbar gewesen wäre.

    Ich hatte mir schon vor etlichen Jahren folgendes Urteil gebildet: Hätte das Deutsche Reich vor dem Sommer 1914
    aufgerüstet und auch die Strategie modernisiert, hätte dieser Krieg mit einem deutschen Sieg enden können.
    Die Einkreisungspolitik Englands und Frankreichs war zwar in Berlin politisch erkannt worden, aber da für den Kaiser die Frage der Kosten die Priorität hatte und im Außenamt dass Geheimbündnis Frankreichs mit Russland unbekannt war, dachte man im Falle der Fälle schon zurecht zu kommen.

    Übrigens ganz im Gegensatz zum Zweiten WK!
    Dieser Krieg wäre auch dann nicht gewinnbar gewesen, wenn das Schwergewicht des Angriffs auf die Rote Armee
    nicht in der Mitte, sondern im Süden gelegen hätte und wenn die sehr hohen Fallzahlen von Verrat innerhalb der Wehrmacht nicht gewesen wären. Das hätte den Krieg nur verlängert.
    Anders wird ein Schuh draus: wäre der Erste WK nicht auf diese entehrende Weise zu Ende gegangen, dann hätte der Zweite WK nicht stattgefunden!

  7. der schlieffenplan sah an der westfront ein zahlenverhältnis von 1 zu 7 vor: für eine division, die im süden verteidigen sollte, sollten im norden 7 angreifen.

    sein nachfolger, moltke der jüngere, änderte dieses verhältnis auf 1 zu 3.
    trotzdem flüchtete die französische regierung nach wenigen wochen nach bordeaux.

    der krieg im westen hätte mit schlieffen nur wenige wochen gedauert. er wurde von moltke dem jüngeren und von kaiser wilhelm, der ihn ernannte, verloren. moltke hat nicht nur in der vorbereitung, sondern auch in der führung des krieges so vollständig versagt, wie selten ein deutscher general.

    hitler hat dann 26 jahre später gezeigt, wie man es richtig macht.

    auch der zweite weltkrieg wäre gewinnbar gewesen, wenn nach der niederwerfung frankreichs sofort england angegriffen worden wäre.

    das englische kabinett unter churchill plante damals, bei einem deutschen angriff die regierung nach kanada zu velegen. sie rechnete nicht damit, eine invasion abwehren zu können. hatte ja auch keine armee mehr.

    daß dies nicht geschah, bedeutete, daß england als gigantischer flugzeugträger und us-brückenkopf vor der deutschen haustür rund ein million deutscher soldaten in frankreich band, die auf die invasion warteten und daß die deutsche rüstung unter den bombenangriffen geschwächt wurde. bekanntlich erreichte sie im jahr 1944/1945 ihren höhepunkt, als fabriken unterirdisch gebaut werden mußten und ein oder zwei drittel der züge nicht mehr ankamen.

    wer den krieg gegen die usa niemals gewinnen konnte, war japan. es hatte nur einen zehntel der wirtschaftskraft der usa.
    anders ausgedrückt: wenn japan im jahr zwei flugzeugträger bauen konnte, konnte die usa 20 bauen.

  8. „auch der zweite weltkrieg wäre gewinnbar gewesen, wenn nach der niederwerfung frankreichs sofort england angegriffen worden wäre.“

    Das, mein lieber havald, ist ein gewaltiger Irrtum!
    Warum?
    Ei, weil dann wesentliche Kräfte im Westen gebunden worden wären- um genau was zu erreichen??
    Außerdem waren die Roten Armeen bereits Ende März 1941
    mit mindestens dreieinhalb Millionen Mann an den Grenzen zum Deutschen Reich und Rumäniens aufmarschiert!
    Warum Rumänien?
    Ei, weil der gesamte Ölnachschub für das Deutsche Reich aus Rumänien und der Sowjetunion erfolgte.
    Der sowjetische Teil wäre sofort weggefallen, logisch, der rumänische Hauptteil wäre mit der Besetzung der rumänischen Erdölquellen auch weggefallen!
    Derweil die Wehrmacht mit der Empfehlung von Dir mit getauchten Panzern den Kanal durchwatet und an der Küste Britanniens entweder abgeschossen oder mit Spritmangel liegen bleibt.
    Ich werfe Hitler eine Menge vor; aber das er so dumm gewesen sein soll- das werfe ich ihm nicht vor.
    Nein, der Kardinalfehler bestand in den mangelnden Gesprächen zwischen Hitler und Stalin. Hitlers Angebot vom Dezember 1940 an die Sowjetunion, dem Dreimächtepakt beizutreten war unausgegoren- weil darin die Gegnerschaft zu England und USA versteckt war.
    Darauf konnte Stalin nicht eingehen und deshalb lehnte er diesen Vorschlag zu Silvester 1941 ab, nachdem Molotov bereits Ende November mündlich abgelehnt hatte.

  9. Also nochmals zum Verständnis:
    England konnte ohne ausreichende Flotte überhaupt nicht angegriffen, geschweige denn besiegt werden.
    Das Z-Programm Hitlers für den Aufbau einer starken Flotte
    sollte erst 1943 beginnen und bis 1947 laufen.

    Ganz abgesehen davon, dass England keinen Krieg verlieren konnte, weil hinter England schon immer die USA steckten.

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