Krise in der Zentralafrikanischen Republik: Südafrika und Frankreich für eine Intervention


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Die Zentralafrikanische Republik (Z.A.R.) kommt weiterhin nicht zur Ruhe. Wie diese Woche bekannt wurde, starteten Truppen der Regierung erneut Angriffe, welche sich, laut einer Erklärung der Vereinten Nationen, gegen Zivilisten richteten.

Rebellen, Zentralafrikanische Republik
Autor: hdptcar, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Das Zentrum der aktuellen Zusammenstöße war „Ärzte ohne Grenzen“ zu Folge die Stadt Bossangoa, in der Nähe der tschadischen Grenze. Tausende Menschen seien auf der Flucht, nahezu 30.000 Menschen sollen Zuflucht in einer katholischen Mission gefunden haben.

Allein im Jahr 2013 mussten zwischen 400.000 und 500.000 Menschen die Flucht von zu Hause antreten, was nahezu 10% der Gesamtbevölkerung des kleinen Staates entspricht. Präsident Michel Djotodia stritt jegliche Beteiligung der Regierungstruppen an den Angriffen ab, und machte Banditen für die Vorkommnisse verantwortlich. Seit dem Putsch im März 2013 durch die Séléka-Rebellen, der mit der Flucht des Präsidenten Francois Bozizé endete, regiert Djotodia das Land.

Frankreich kündigte an sein Kontingent von 250 Soldaten in der Z.A.R. aufzustocken, zögert aber weiterhin ohne UN Mandat einzugreifen. Gemeinsam mit der Republik Südafrika drängte man diese Woche gegenüber den Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union auf ein schnelles Handeln.



Das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland hält unterdessen seine Reisewarnung gegenüber dem mittelafrikanischen Land aufrecht. Auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes heißt es: „Angesichts fortdauernder sehr hoher Sicherheitsrisiken und wieder aufflammender Kampfhandlungen warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in die Zentralafrikanische Republik. (…) Im gesamten Land besteht die Gefahr, Opfer von Gewaltkriminalität (Plünderungen, Straßenüberfälle) und von militärischen Handlungen zu werden. Nach Übergriffen hat die Republik Kamerun vereinzelt Grenzübergänge vorübergehend geschlossen. Am wichtigsten Grenzübergang in die Republik Kamerun bei Garoua-Boulaï kann es zu Blockaden durch streikende Lkw-Fahrer kommen.“

Seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1960 hat die Zentralafrikanische Republik nur wenige friedliche Perioden durchlebt. Von Diktatoren bis zu selbsternannten Kaisern und Rebellengenerälen… wer durfte sich nicht alles zum Präsidenten des armen gescholtenen Landes machen? Im Oktober 2013 erst werden Rufe nach einem internationalen militärischen Eingriff dort laut. Warum erst jetzt?

Um einen Eingriff der internationalen Staatengemeinschaft in humanitären Katastrophen zu ermöglichen, muss zunächst ein wichtiger ökonomischer Grund seitens einer großen westlichen Wirtschaftsmacht vorliegen, was die Vergangenheit beweist. Aus Hilfsbereitschaft ist in den seltensten Fällen etwas passiert. Was könnte also an der Zentralafrikanischen Republik interessant sein? Unter Umständen seltene Metalle und Diamanten.

Wie aus dieser Grafik ersichtlich ist, gehört die Z.A.R. zu den wenigen Staaten auf der Welt mit Diamantenvorkommen. Schaut man sich nun die Diamantenexporte an, stellt man fest, dass Israel und Belgien nahezu 50% des weltweiten Diamantenhandels in der Hand haben. Mit nahezu 1/3 aller exportierten Güter ist Belgien der Hauptexport-Partner der Zentralafrikanischen Republik.

Die Diamantenbörse in Antwerpen in Belgien ist ein eigener Bezirk für sich, in dem 80% der jüdischen Bevölkerung Antwerpens arbeiten. 85% aller Rohdiamanten gehen durch Antwerpen, jährlicher Umsatz circa 39,5 Milliarden Euro. Dazu kommt der Handel mit „polierten“ (bearbeiteten) Diamanten von circa 11,7 Miliarden Euro/Jahr.

Man weiß von Frankreich und der BRD, dass die beiden Länder in Sachen „nuklearer Abschreckung“ miteinander kooperieren. Dass ähnliche Regelungen zwischen dem kleinen Belgien und Frankreich existieren, ist deswegen nicht auszuschließen. Ein weiterer erstaunlicher Fakt: Neben den Séléka finden auch auch andere Rebellengruppen wie die christlich-fundamentalistische Lord’s Resistance Army (LRA) in Zentralafrika ihr Rückzugsgebiet.

Aus Fällen im nahegelegenen Kongo ist bekannt, wie die dänische Dokumentation „Blood In Mobile“ belegt, dass Rebellengruppen gezielt versuchen Edelmetall und Diamantenminen einzunehmen und die Rohstoffe über eigene Kanäle (ähnliche wie der illegale Waffenhandel) an meist europäische und amerikanische Firmen zu exportieren. Wie es im Diamantengeschäft zu geht, zeigt etwa der Fall Sierra Leone.

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1 Kommentar

  1. Das mit den Diamanten ist echt ein Hammer. Wußte bis dato nichts über Zentralafrika. Hatte letztens in der Google-Bildersuche afrikanische Hauptstädte gesucht und angesehen, und mir fiel auf daß Bangui sehr ländlich aussah. Kaum zu glauben, daß die auf solchen Vorkommen sitzen. http://ds-lands.com/bangui.html

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