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30.10.1961: Die Zarbombe wird gezündet


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Am 30. Oktober 1961 detonierte die sowjetische Zarbombe. Die stärkste Wasserstoffbombe, die jemals zur Explosion gebracht wurde. Mit einer Sprengkraft von mindestens 50 Megatonnen TNT war sie weit über 3.000 mal stärker als die Hiroshima-Bombe.

Zarbombe
Zarbombe, Bild: Gegenfrage.com, Motiv: Flagge Sowjetunion, gemeinfrei

An diesem Tag im Jahr 1961 ließ das sowjetische Militär die „Zarbombe“ über dem Archipel Nowaja Semlja im Norden Russlands detonieren. Die Zarbombe ist die stärkste jemals zur Explosion gebrachte Atomwaffe mit einer Sprengkraft von 50 Millionen Tonnen TNT.

Zur Veranschaulichung: Die von den USA im Jahr 1945 über Hiroshima abgeworfene Atombombe „Little Boy“ hatte je nach Quelle eine Sprengkraft von 16-20 Kilotonnen, und raffte binnen Sekunden 80.000 Menschen dahin.

Noch einmal so viele starben in der Folgezeit an Verbrennungen oder nuklearer Strahlung. Die Zarbombe war 3.300 bis 3.800 mal stärker als die Little Boy, oder auch mindestens 1.400 mal stärker als die Hiroshima- und Nagasaki-Atombomben zusammen.

Die offizielle Bezeichnung der Zarbombe ist AN602 und hatte den Codenamen „Wanja“. Die Entwickler nannten sie auch „Grosser Ivan“ oder auch „Kuzkina Mat“, was Kuzkas Mutter bedeutet und im Russischen etwa gleichbedeutend ist mit „Ich zeige dir, wo lang der Hase läuft“. Die CIA bezeichnete die Bombe als „Joe 111“. In der US-Presse etablierte sich die Bezeichnung „Zarbombe“, welche die Russen später übernahmen.

Nur halbe Sprengkraft

Die Zarbombe sollte ursprünglich über eine Sprengkraft von 100 Megatonnen verfügen. Doch hätte dann der radioaktive Niederschlag zu große Probleme bereitet. Durch die Halbierung der Sprengkraft reduzierte sich der zu erwartende radioaktive Niederschlag um 97 Prozent.

Zudem wären bewohnte Teile der nördlichen Sowjetunion von der Detonation betroffen gewesen. Allerdings hatte die Bombe keinen wirklichen militärischen Nutzen, dafür war sie zu schwer zu transportieren.

Zur damaligen Zeit gab es kein Flugzeug, welches das 27 Tonnen schwere, acht Meter lange und zwei Meter breite Monster in einem Interkontinentalflug hätte transportieren können. Eher sollte mit der Zarbombe der Westen beeindruckt werden, was durchaus gelang.

Die Idee, eine Bombe von dieser Größenordnung herzustellen, entstand laut einigen Quellen am 10. Juli 1961 während eines Treffens zwischen Regierungschef Nikita Chruschtschow und dem Atomwaffenentwickler und späteren Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow.

Chruschtschow hatte es angeblich sehr eilig damit, da der Atombombenabwurf während des 22. Kongresses der Kommunistischen Partei zwischen dem 17. Oktober und 31. Oktober 1961 stattfinden zu lassen. Das Entwicklungsteam bestehend aus Victor Adamskii, Yuri Babaev, Yuri Smirnov und Yuri Trutnev stand unter enormem Druck bei der Herstellung der Bombe.

Abwurf der Zarbombe

Für den Abwurf modifizierte man einen Tu-95-Bomber, der mit einer Maximallast von 25 Tonnen spezifiziert war. Zudem entwickelten die Sowjets einen speziellen Fallschirm, um den Abstieg der Bombe zu verlangsamen. So hatte der Pilot genügend Zeit, um sich an sicheren Ort zu bringen.

Das Flugzeug wurde von Andrei Durnovtsev gesteuert, der die Zarbombe um 11:32 Uhr Moskauer Zeit in einer Höhe von 10,5 km über Mityushikha Bay in Nowaja Semlja im Nordpolarmeer abwarf.

Die Bombe wurde in einer Höhe von 4 km zur Detonation gebracht. Der Abstieg von der Abwurfhöhe bist zur Detonationshöhe dauerte 188 Sekunden. Diese Zeit musste für den Piloten reichen, sich so weit wie nötig von der Bombe zu entfernen.

Knapper hätte die Zeit nicht sein dürfen. Das Flugzeug stürzte durch die Druckwelle 1.000 Meter in die Tiefe, eher der Pilot wieder die Kontrolle erlangte. Nur eine Sekunde nach der Detonation war der Feuerball bereits über 5 km breit. Der Lichtblitz konnte aus einer Entfernung von mehr als 2000 km gesichtet werden.

Ein 320 km entferntes Forscherteam sah selbst mit starken Sonnenbrillen noch einen extrem hellen Blitz aufleuchten, trotz dichter Wolken. Der Atompilz stieg auf eine Höhe von etwa 64 km, mehr als sieben mal höher als der Gipfel des Mount Everest, und hatte einen Durchmesser von 95 km.

Die Sprengkraft maßen die Forscher mit 51,5 Megatonnen. Wissenschaftler schätzten diese sogar auf 57 bis 58,6 Megatonnen. Die Schockwelle war noch messbar, als sie schon zum dritten Mal um den Planeten gerast war.

Stärker als stärkste US-Bombe

Die Sprengkraft betrug damit das Zehnfache aller im Zweiten Weltkrieg verwendeten Explosivstoffe zusammengerechnet und war um ein Vielfaches stärker, als die größte US-Wasserstoffbombe „Castle Bravo„.

Die Explosion drückte die Oberfläche der Insel platt, Felsen schmolzen. Laut einigen Berichten gingen durch die Druckwelle selbst im Norden Finnlands und in Norwegen noch Fenster zu Bruch.

Aufgrund der erheblichen Bedenken wegen des radioaktiven Niederschlags durch Atombombentests einigten sich die Atommächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion im Jahr 1963 darauf, dass nur noch unterirdische Sprengungen durchgeführt werden dürfen.

Quellenangaben anzeigen
kingofbombs 1 + 2, rt, gizmodo, ctbto

9 Kommentare

  1. Obwohl die Sprengkraft der AN 602 also stark reduziert war, wurden immer noch 57 Millionen Tonnen des herkömmlichen TNT Sprengsatzes erreicht.
    Das zeigt, welche geradezu satanische Kraft dahinter steckte.
    Wer alt genug ist, keine Kinder hat und die erforderliche Menschen- und Menschheitsverachtung aufbringt, der geht darüber zur Tagesordnung über.
    Wer einen der obigen drei Merkmale aber nicht erfüllt, der sollte mit mehr Ernst durchs Leben gehen. Heutige Nuklearprengköpfe sind zwar kleiner, aber deutlich zahlreicher wie 1961.
    Und deshalb ist es wichtig, dass diese Rangordnungskämpfe, die wir von den Tieren behalten haben, auf staatlicher Ebene irgendwann aufhören.

  2. Für alle die keine genaue Vorstellung haben, was Nuklearwaffen anrichten, stelle ich hier unterhalb erneut die Simulation ein.

    Ist ganz einfach:
    Im oberen Balken (1) einen der dort hinterlegten Orte aussuchen, oder einen eigenen Ort eingeben, oder über die implementierte Google Map Option einstellen.

    Im Balken (2) kann man frei wählbar den blast yield in Kilotonnen eintippen, oder aus einer großen Auswahl bekannter nukleare Sprengköpfe auswählen, die Zar Bombe ist auch dabei.

    In (3) die Basisoptionen, also Luft- oder Bodendetonation, und unbedingt die beiden anderen Optionen anklicken dort.
    In den Advanced Options weitere Einstellungen zur Ermittlung in Bezug auf Personenschäden, Strahlenbelastung und anderes. Je mehr man dort anklickt, so besser die Information über Personenschäden in Sachen Kollateralschäden

    Wichtig ist die Höhe der Detonation. Bestimmte Nuklearsprengköpfe brauchen einen Mindestwert. Um für den radioaktiven Fallout ein akzeptables und beabsichtigtes Ergebnis zu bekommen, muss z.B. für einen 350 Kilotonnen blast yield (W-78 Minuteman III der Amis) eine minimum Detonationshöhe von 0.57 Kilometer (1870 feet) einhalten, und darf gewisse Werte nach oben hin nicht überschreiten

    In (4) besteht die Möglichkeit mehr als eine Bombe zu platzieren und den genauen Punkt der Detonation zu bestimmen, in dem man den Ziel-Marker auf der Karte verschiebt. Mit der Option Probe Location setzt man fiktiv eine Person irgendwohin.

    Und dann drückt man in (4) auf den ROTEN KNOPF (Detonate)

    Die Zar Bombe z.B. hätte den Effekt, dass bei einer Detonation in einem Radius von 100 Kilometern alle Personen Verbrennungen dritten Grades erleiden.

    http://nuclearsecrecy.com/nukemap/

    PS: Mein Tipp in Bezug auf den Ort der Detonation sind die bekannten US Einrichtungen. Also Ramstein, oder das US Zentrallager in Gerresheim. Dumm, wenn man in deren Nähe wohnt. Ich muss mal prüfen, denn ich glaube es gibt eine Info über die Menge der Ziele die für einen Atomkrieg von jedem Land mit Nuklearwaffen bereits vorprogrammiert sind. Es ist alles fertig, und die Aussagen Clinton / Trump in Bezug auf den echten Roten Knopf sind im Internet abrufbar.

  3. Guter Tip mit dem Detonationsgebiet.
    Was aber die Zielorte angeht, bin ich mir sicher, dass diese je nach politischer Lage wechseln. So standen vor 1990 deutsche Ziele, polnische Ziele, tschechische Ziele, ungarische, sowjetische Ziele auf der Zielkarte der Nato Raketen.
    Davon sind jetzt nur noch die russischen übriggeblieben und ob auch chinesische Ziele dazukommen, wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Präsident wissen können.
    Und auf der Gegenseite ist es genauso. Wenn im Falle des Falles sich die Situation zuspitzt, könnte Frankreich wieder einmal aus der Nato austreten. Darin haben die ja eine gewisse Übung. und schon werden französische Ziele kurzfristig aus russischen oder chinesischen Zielkarten gestrichen. Die Zar Bombe wäre ohnehin nicht einsetzbar, weil dieses schwere Ding nicht schnell genug zum Zielort geflogen werden könnte.

  4. Interessant, dass die 100 Mt Zarbombe über Berlin etwas weniger Tote, dafür aber viel mehr Verletzte hervorbringen würde, als die 50 Mt Version. Liegt das an der Detonationshöhe?

  5. @Bürgender – Sicher hat das alles mit der Höher des Detonationspunktes zu tun. Bei unrichtiger Eingabe erfolgt auch ein entsprechender Hinweis, eben dass sich die Situation in Bezug auf sofortige Opfer und die verstrahlten Personen ändert je verwendetem Gefechtskopf. Darum schrieb ich ja vom BEABSICHTIGTEN Fallout. Je mehr Verstrahlte umso größer der Schaden, denn diese Strahlenopfer müssen versorgt werden, das bindet Kräfte. Gleiches Prinzip (ich erwähnte es bereits früher) bei der Taktik von Guerilla Truppen. Scharfschützen VERLETZEN einen Gegner durch einen gezielten Schuss, der nicht tödlich ist. Vorzugsweise Offiziere der Gegner.

  6. @Jürgen Borowski – Die Zar Bombe ist in dieser Aufstellung zwar drin, aber nur um deren Wirkung zu simulieren. Warum damals die Sprengkraft halbiert wurde steht doch in dem Artikel. Das Zauberwort heißt Radioaktive Wolke (Fallout)

    Ich stellte diese nette Simulation auch ein für Bürger, die sich schon bei den vergleichsweise harmlosen Vorfällen Tschernobyl und Fukushima in die Hose gepinkelt haben. Ebenso für all die kriegsgeilen Couch-Potatoes, welche für ein scharfes Vorgehen gegen Putin bzw. gegen Russland plädieren. Die wollen anscheinend den totalen Krieg, und wollen ihn totaler als er jemals war, und das anders als damals sogar ohne Volksbefragung.

    Was die Zielgebiete betrifft, so mögen die sich ändern, aber dann werden sie auch sofort aktualisiert. Jede ICBM Einheit, jede US Airforce Staffel und alle anderen Streitkräfte auch, haben für den Fall der Fälle IMMER einen aktuellen Einsatzplan. Der Fall der Fälle wäre z.B. der Angriff Russlands auf die USA und NATO Partner. 1933-45 ist vorbei, heutzutage wird ggf. erst einmal auf den Knopf gedrückt, wenn atomar geantwortet werden soll. Die entsprechenden Jets sind in kurzer Zeit mit A-Bomben bestückt. Jeweiliger Einsatz und Route im Bordcomputer gespeichert. Ausführbar auch bei Nacht, inkl. Wolkendecke und Bodennebel.

    Bekannt bzw. einlesbar sind totale MENGE der Einsatzziele und die Art. Die Ziele werden nämlich unterteilt in Militärische Ziele, Ziele gegen Infrastruktur und ggf. noch weitere Unterteilungen. Ich habe aber ab sofort kaum noch einen Zeitfaktor um das in Textform näher zu erläutern.

    Positiv: Wenn A-Sprengköpfe auf Deutschland fallen ist die Rückzahlung der Hypothek auf das Eigenheim vorerst ausgesetzt. In vielen Fällen entfallen auch die von den EU Kommissaren ausgeheckten neuen Bestimmungen in Sachen Verdämmung der Hütte zum Einsparen von Energie.

  7. 528 oberirdische atomare Explosionen hat unser Planet mehr oder weniger gut ausgehalten.
    Auch in Nagasaki und Hiroshima leben wieder Menschen.
    Ich denke, dass Kriege zwischen den Mächtigen dieser Welt nicht nur dadurch verhindert wurden, dass eine unbewohnbare Welt entstehen könnte, sondern dass sich Diejenigen die als Erste schießen, sich nicht mehr im eigenen Land in Bunkern verstecken können, während das Fußvolk an der Front abgeschlachtet wird.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  8. @H.J.Weber
    Weltweit in total wurden knapp 2100 Kernwaffentests durchgeführt und das bei weitem nicht nur oberirdisch und es wird angenommen, dass 300.000 Menschen durch den radioaktiven Niederschlag geschädigt wurden. Beim Test im Bikini Atoll 1954 (Castle Bravo) wurden japanische Fischer noch in 160 Kilometer Entfernung extrem verstrahlt, einige starben kurz darauf, was in Japan heftigste Proteste auslöste. Und noch 30 Jahre später war das Atoll unbewohnbar. Die von den US Streitkräften als nicht effizient bezeichnete Hiroshima Bombe (da nur ein Bruchteil des fissilen Materials explodierte) ist gegenüber dem Potential was heute vorliegt doch ein Witz. Und man denke doch mal die Panik, als von Fukushima ein wenig Strahlung an der US Westküste landete, oder die Panik nach Tschernobyl. Was die heutigen Klopper anrichten können kann man bis ins Detail simulieren, mit allen Angaben inkl. radioaktive Wolke (Fallout) je nach Windrichtung. Spiel doch einfach mal hier mit, empfehle ich immer wieder. Bedienungsanleitung vor einem Jahr hier hinterlegt siehe Kommentare oberhalb

    http://nuclearsecrecy.com/nukemap/

    Der Plante Erde hält so Einiges aus, seine Bewohner in einem totalen Atomkrieg auf sicher nicht. Wie du es richtig formuliert hast: Keiner wird sich mehr verstecken können.

    Hier noch ein aktueller Artikel in Sachen langfristige Schädigungen

    http://www.deutschlandfunk.de/70-jahre-nach-hiroshima-immer-noch-erkranken-atombombenopfer.697.de.html?dram:article_id=327518

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