Wird den Briten der Afghanistan-Krieg zu teuer?


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„Das Vereinigte Königreich hat bereits 14 Milliarden Pfund im Krieg gegen Afghanistan verloren und kann es sich nicht leisten, noch mehr Geld für militärische Operationen in diesem Land  zu verschwenden“, wie der britische Politiker und ehemalige Vorstand der Großbank Warburg Lord Oakeshott von der Zeitung TheNation zitiert wird. „Wir verlieren Hunderte von Menschenleben und viel Geld in einem sinnlosen Krieg, um einen gescheiterten Staat zu stützen – bereits mehr als im Irak, wo wir ebenfalls 8 Milliarden Pfund verloren haben“, so Oakeshott weiter. Das Vereinigte Königreich verliere pro Jahr 4 Milliarden Pfund seiner Wirtschaftsleistung, damit die Truppen in Afghanistan bleiben können. „Das sind 500 Pfund pro Steuerzahler, und das zu einem Zeitpunkt, in dem die britische Haushaltskasse und Geldbörsen der Bürger leer sind.“

Die Kommentare wurden abgegeben, nachdem Lord Oakeshott die neuesten Zahlen über die Kosten des Krieges aus einer schriftlichen parlamentarischen Anfrage im letzten Monat erhalten hatte, woraus hervorging, dass sich die Gesamtausgaben zwischen 2001 bis 2010 auf 10 Milliarden Pfund belaufen haben sollen. „Großbritannien könnte ein weitaus sichereres und stärkeres Land sein, wenn wir dieses Geld zur Bekämpfung von Straßengangs und Analphabetismus ausgegeben hätten.“ Die Aussichten seien düster, da ein Fünftel der jungen Leute nicht lesen könne und arbeitsunfähig sei, wie er weiter betonte. „Und das im 21. Jahrhundert in einem entwickelten Land!“

Derweil schmieden andere Lager in der britischen Politik aus ähnlichen Gründen ganz andere Pläne für Afghanistan. Wie die Zeitung Weesa aus Kabul berichtet, soll Tobias Ellwood, konservativer Abgeordneter in Bournemouth East, einen Plan vorgelegt haben, nach dem Afghanistan in acht Staaten unterteilt werden soll. Deren Hauptstädte wären demnach Kabul, Kandahar, Herat, Mazar Sharif, Kundus, Jalalabad, Khost und Bamiyan. Nach einem Jahrzehnt der Besatzung seien die westlichen Besatzer allmählich kriegsmüde, wie Ellwood bekräftigte.

Momentan befinden sich 10’000 britische Soldaten in Afghanistan. Großbritannien hat seit dem Überfall auf Afghanistan im Jahr 2001 insgesamt 378 Soldaten unter der Führung der NATO verloren. Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2010 durch das Institut International Council on Security and Development (ICOS) haben 92 Prozent der afghanischen Bürger keine Kenntnis von den Ereignissen am 11. September 2001 in New York und Washington. 40 Prozent der Befragten sind der Ansicht, die ISAF-Truppen hätten die Absicht, den Islam zu zerstören oder das Land zu besetzen.

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