Was Häuser und Autos wirklich kosten


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Dass der Deutsche Staat uns ausnimmt, daran haben sich meisten schon gewöhnt. Man achtet nur noch auf das Netto, also „das was unten steht“, die Abzüge von der eigenen geleisteten Arbeit beachtet kaum mehr jemand.

Dabei ist Deutschland nicht nur ein Hochlohn-Land, wie so oft von der Industrie beklagt, sondern auch ein Vielarbeits- und ein Megasteuer-Land. Anhand von ein paar kurzen Beispielen will ich erörtern, was der Fiskus eigentlich an uns verdient, bzw. stellen wir uns in diesem Beitrag die Frage, wo das ganze Geld hinverschwindet.

Beginnen wir unsere Rechnung mit folgendem Beispiel:

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Herr Mustermann, Arbeitnehmer in einer Firma in West-Berlin mit 4000 Euro monatlichem Bruttoeinkommen, kauft einen Kleinwagen. Der Händler erhält von Herrn Mustermann netto 10.000 Euro für besagten Kleinwagen. Was Herr Mustermann aber tatsächlich für diesen Kleinwagen im Wert von 10.000 Euro an Arbeitskraft aufbringen muss, möchte ich hier an einem Rechenbeispiel vorführen. Zu den 10.000 Euro kommt gleich zu Beginn die MwSt. von 19%, somit steht auf dem Preisschild „11.900 Euro“.

Da Herr Mustermann von seinen 4000 Euro brutto aber nach allen Abzügen (Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Rentenversicherung, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag und Lohnsteuer) nur noch 2207,36 Euro, und somit nur 55,18% übrig hat, muss er insgesamt fast doppelt so viel Arbeitsleistung aufbringen, um das Fahrzeug zu erwerben (errechnet mit dem Brutto-Netto-Rechner von Focus-Money).

Insgesamt beläuft sich die zu leistende Arbeitskraft für das Auto im Wert von 10.000 Euro + MwSt. auf 21.565,78 Euro..

Das heisst, um das Geld für diesen Kleinwagen aufzubringen, muss Herr Mustermann zusätzlich 11.565,78 Euro erarbeiten. Er kauft also eigentlich zwei Kleinwagen dieser Sorte + einen 14-tägigen All-Inklusive Urlaub in einem 5-Sterne-Hotel auf Fuerteventura.

Allein die aufgebrachte Lohnsteuer, um das Geld für den Kleinwagen zu erarbeiten, beträgt in Herrn Mustermanns Fall 4.723,91 Euro.

Aus dieser Perspektive relativiert sich die Abwrackprämie von Herrn Steinbrück recht schnell, nicht wahr?

Dass Herr Steinbrück das als „Steuergeschenk“ bezeichnet, ist natürlich eine bodenlose Frechheit. Der einzige, der etwas geschenkt bekommt, ist er. Zudem sind die zusätzlichen Steuerabgaben des Fahrzeugherstellers, welche den reellen Wert des Fahrzeuges noch weiter senken würden, in dieser Rechnung nicht berücksichtigt.

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Noch wahnsinniger ist das nächste Rechenbeispiel

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Folgender Fall: Herr Mustermann hat seinen Kleinwagen im Wert von 10.000 Euro mit einer Summe von 21.565,78 Euro bar bezahlt und beschließt nun, seine Mietwohnung zu verlassen und in die „eigene Tasche zu bezahlen“. Da seine Verlobte und er gerne irgendwann Kinder bekommen möchten, sieht er sich vorbeugend nach einer hübschen Doppelhaushälfte in Berlin um.

Er entscheidet sich für eine Immobilie mit 5 Zimmern, 127m² Wohnfläche und einem schönen Süd-Garten für 231.950 Euro.

Da Herr Mustermann bereits 50.000 Euro gespart hat, steht er mit einer Eigenkapitalquote von 21,56% recht solide da, so die Bank. Herr Mustermann unterschreibt ein gängiges Annuitätendarlehen über 181.950 Euro mit einem Nominalzins von 4,55%  und einer Zinsbindungsdauer von 10 Jahren. Der Tilgungssatz beträgt 1,50% bei einer Gesamtlaufzeit von 31 Jahren, wodurch sich eine monatliche Belastung von 917,33 Euro errechnet.

Die anfallenden Zinsen im Zeitraum von 31 Jahren fangen aufgrund der Restschuld hoch an (anfangs über 8000 Euro pro Jahr), und fallen mit jedem Kreditjahr, in den letzten 3 Jahren liegen die Zinskosten sogar unter 1000 Euro. Daher das beliebte Argument „Zinsen fallen, Mieten steigen“.

Wenn man die über die gesamten 31 Jahre angefallenen Zinsen allerdings addiert, kommt man auf eine monströse Summe von 157.382,51 Euro, was die Gesamtkosten für das Haus auf astronomische 389.332,51 Euro katapultiert.

Nun zu den Rücklagen. Als Faustregel gilt: Die Küche sollte alle 15 Jahre erneuert werden, Bäder spätestens alle 20 Jahre. Heizung und Heizkörper schaffen ebenfalls kaum mehr als 20 Jahre, Fenster und Außentüren höchstens 25 Jahre. Dachziegel und Außenputz sind alle 30 Jahre dran. Also beschließt Herr Mustermann Rücklagen zu bilden von einem Prozent des Kaufpreises pro Jahr. Dadurch entsteht für ihn eine weitere monatliche Belastung von 193,29 Euro. Auf die vollen 31 Jahre wären das zusätzliche Kosten von 71.904,50 Euro.

Das ergibt zusammengerechnet eine Belastung von 461.237,01 Euro.

Zu den Nebenkosten zählen außerdem die Gebühren für die Beurkundung des Kaufvertrags beim Notar. Diese sind in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben und richten sich nach dem Wert der Immobilie – im Falle von Herrn Mustermann kommen wir grob überschlagen auf 900 Euro.

Nach erfolgreich abgeschlossenem Kaufvertrag erhält Herr Mustermann nach kurzer Zeit Post vom Finanzamt. Die Grunderwerbssteuer wird in Rechnung gestellt, welche sich auf 3,5% des Kaufpreises beläuft. In unserem Fall auf genau 8118,25 Euro. Im gleichen Zuge stellt das Finanzamt nach beglichener Rechnung eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus – weitere 500 Euro.

Nun möchte auch noch der Immobilienmakler sein Stück vom Kuchen abhaben. Dieser ist verhältnismäßig bescheiden und verlangt lediglich 4% des Kaufpreises, woraufhin ihm Herr Mustermann 9278 Euro überweist.

Inzwischen sind wir bei einer Gesamtsumme von 480.033,26 Euro angekommen. Dabei habe ich in meiner Rechnung ganz sicher einiges vergessen. Pflichtversicherungen kämen auch noch dazu, aber das ist sehr individuell, darum lassen wir es mal außen vor. Die Grundsteuer fehlt auch in der Rechnung.

Nun wollen wir aber noch ausrechnen, was Herr Mustermann bei gleichbleibenden Berufs-, Familien- und Wirtschaftsbedingungen an Arbeitsstunden aufbringen muss, um das Haus abzubezahlen.

Mit 4000 Euro Bruttoeinkommen und 160 Arbeitsstunden monatlich kommen wir auf einen Stundenlohn von 25 Euro. Netto bleiben davon nach Abzug aller Steuern und Versicherungen 13,85 Euro übrig. Teilt man die 480.033,26 Euro durch den Nettostundenlohn, kommt man auf sage und schreibe 34.659,44 Arbeitsstunden.

Wenn man wie im ersten Beispiel zusätzlich noch die an den Staat bezahlte Einkommenssteuer usw. berücksichtigt, muss Herr Mustermann für sein kleines Reihenhäuschen 866.486 Euro an Arbeitskraft aufwenden. Das entspricht einem Aufpreis von stattlichen 634.536 Euro, oder 373,57%.

Wer die wahren Profiteure einer Immobilienfinanzierung sind, ist ja nun klar: die Banken und der Staat.

Da soll noch mal einer sagen, eine Immobilie auf Kredit wäre ein gutes Investment. Wenn man ein finanziertes Haus als Luxusgut betrachtet, spricht in der Tat nicht viel dagegen. Als Sicherheit oder Altersvorsorge würde ich es aber eher nicht bezeichnen.

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Nachtrag: Was hier fehlt, ist der Arbeitgeberanteil. Vielen Dank für die zahlreichen Hinweise!

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Dieser Artikel dient nicht der Investmentberatung, sondern zeigt lediglich meine persönlichen Berechnungen, welche mich von einer Auto- und Immobilienfinanzierung abgebracht haben. Ich als Nicht-Experte gebe keine Gewähr auf Richtigkeit, es geht hier primär um die Tendenz!