USA: In den Klauen der Großbanken


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Nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 wurde dem amerikanischen Volk mitgeteilt, dass die größten Banken der Vereinigten Staaten „too big to fail“ seien und es notwendig sei mit Steuermitteln einzugreifen, um diese Banken aus der drohenden Pleite zu retten.

Der Hintergrund dabei war, dass das Finanzsystem einen weiteren Crash einer US-Großbank im Stil von Lehman Brothers nicht verkraftet hätte und gleichzeitig die Wirtschaftstätigkeit der USA und der gesamten Welt zum Stillstand gekommen wäre. Dem Kongress wurde vermittelt, dass Chaos auf Amerikas Straßen ausbrechen würde, wenn die „too big to fail“-Banken keine Rettungspakete erhielten. Das Land wäre frontal in eine neue Große Depression gestürzt. Heute – wir schreiben inzwischen das Jahr 2011 – stellen wir fest, dass in den vergangenen drei Jahren keinerlei Anstrengungen unternommen wurden das US-Bankensystem zu dezentralisieren oder überhaupt irgendetwas zu ändern. Stattdessen werden die „too big to fail“-Banken immer größer und größer. Bereits im Jahr 2002 kontrollierten die 10 größten US-Banken 55 Prozent aller US-Bankenaktiva. Heute steuern die 10 größten US-Banken sogar 77 Prozent aller US-Bankenaktiva.

Diese Großbanken jonglieren mit riesigen Schuldenbergen, Derivaten und Hebelprodukten, welche beängstigend anfällig sind auf äußere Einflüsse und jederzeit einen neuen Crash in der Größenordnung von Lehman Brothers hervorrufen könnten. Das dramatische dabei ist, dass keine der Ursachen für den Crash von 2008 behoben wurde. Das US-Bankensystem ist heute sogar stärker zentralisiert und anfälliger als jemals zuvor. Die sogenannten „Big Six“ der US-Großbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan Chase, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo verwalten ein Vermögen von etwa 60 Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts. Und während gerade diese Institute seit dem Lehman-Crash massive Rettungsaktionen auf Kosten der Steuerzahler erhielten, schlitterten Hunderte von kleinen Banken in die Insolvenz. Im Jahr 2000 hielten die Citigroup, JPMorgan Chase, Bank of America und Wells Fargo rund 22 Prozent aller beim US-Einlagensicherunsfonds FDIC hinterlegten Rücklagen. Bis zur Mitte des Jahres 2009 war diese Zahl auf 39 Prozent angeschwollen. Ein erschreckender Trend!

Seit 2008 haben Banken fast 1,7 Billionen US-Dollar von der Federal Reserve geliehen. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass die US-Banken im Jahr 2009 den stärksten Rückgang der Kreditvergabe seit 1942 verzeichneten. Seit 2008 wurde die Kreditvergabe an kleine Unternehmen um rund 50 Prozent reduziert. Die „too big to fail“-Banken haben sich also riesige Mengen an Geld von der Fed geliehen, dafür keine Zinsen bezahlt und weigern sich dennoch, der freien Wirtschaft Geld zu leihen. Stattdessen investieren sie dieses risiko- und zinslose Geld in Staatsanleihen, auf das die Steuerzahler wiederum Zinsen bezahlen. Grotesk dabei ist, dass diese Großbanken oft selbst überhaupt keine Steuern bezahlen. Zwischen 2008 und 2010 erzeugte Wells Fargo einen Gewinn von insgesamt 49,37 Milliarden Dollar. Während desselben Zeitraums betrug ihre Steuerschuld „negative 681 Millionen Dollar“. Auf gut deutsch bedeutet das, dass Wells Fargo über diesen Zeitraum von drei Jahren tatsächlich 681 Millionen Dollar von der US-Regierung „zurückerhielt“, wie der Blog The Economic Collapse schreibt.

Betrachten wir die ausufernden Schulden, die Derivate und Hebelprodukte im Wert von mehreren hundert Billionen US-Dollar, die ungerechte Umverteilung in Form von zinslosen Krediten für Großbanken, die in deren Bilanzen geparkt werden und die Rendite vom Steuerzahler spendiert wird, sollten wir uns allmählich wirklich fragen, ob diese Banken wirklich „too big to fail“ sein sollten oder ob es der Welt ohne diese Finanz-Staubsauger möglicherweise besser ginge.

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