US-Sanktionen: Iran droht mit Ausweitung des Atomprogramms


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Der US-Kongress forderte das Weiße Haus zuletzt zu neuen Sanktionen gegen den Iran auf. Ein iranischer Top-Diplomat gab an, dass man in diesem Falle das Atomprogramm weiter ausbauen werde. In Deutschland hängen mindestens 10.000 Arbeitsplätze vom Ergebnis der Verhandlungen ab.

Wird seit 1979 von den USA bedroht: Teheran
Bild: Amir1140, Lizenz: CC-BY-SA-3.0-migrated

Sollte Washington die Sanktionen wieder aufnehmen, wird Teheran sein Atomprogramm weiter ausbauen, sagte Irans Generaldirektor des iranischen Außenministeriums für politische und internationale Sicherheit, Hamid Baedinejad in Moskau gegenüber Reportern.

„Wenn wir uns bezüglich des Atomprogramms nicht einigen, werden beide Seiten selbstverständlich zu ihren früheren Positionen zurückkehren“, erklärte er. „Der Iran wird das Atomprogramm weiterentwickeln, da dies von nationalem Interesse ist und das Land davon profitiert.“ Sein Land werde die Arbeiten fortsetzen und weitere Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in Betrieb nehmen, so der Top-Diplomat. Am Dienstagmorgen hat das iranische Parlament der Regierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der im Falle weiterer Sanktionen eine Wiederaufnahme des Atomprogramms vorsieht.

Baedinejad fügte hinzu, dass der „US-Kongress radikale Elemente“ enthalte und man zu diesem Zeitpunkt entschlossen sei, die Zusammenarbeit mit Russland weiter auszubauen. Der US-Kongress forderte das Weiße Haus zuletzt auf, die Sanktionen gegen den Iran zu verschärfen. Bereits im Januar hatten Moskau und Teheran ihre zukünftige militärische Zusammenarbeit beschlossen, was die Ausbildung von Personal und Maßnahmen zur Terrorbekämpfung umfasst. Weitere Details sind unbekannt, doch wird vermutet, dass Russland die im Jahr 2010 gestoppte Lieferung moderner S300-Raketenabwehrsysteme wieder aufnimmt.

Irans Präsident Hassan Rohani ließ die laufenden Atomgespräche bisher weitgehend unkommentiert, betonte jedoch, dass der Iran keine Atomwaffen benötige. „Wir brauchen keine Atombombe. Wir haben eine große, aufopfernde und einheitliche Nation“, sagte Rouhani am Mittwoch in Isfahan.

Bislang wurde bei den Gesprächen zwischen dem Iran und der P5+1 Gruppe der Vereinten Nationen (USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, China + Deutschland) festgelegt, dass der Iran seine Uran-Bestände um fünf Prozent reduziert. Im Gegenzug sagte der Westen eine Lockerung der Sanktionen zu. Seit 1979 befürchten Israel und die USA, dass der Iran „in der Endphase“ der Entwicklung der Atombombe ist.

Die Rolle Deutschlands

Deutschland ist der Haupthandelspartner des Iran. Das iranische Atomprogramm ist maßgeblich von deutschen Produkten und Dienstleistungen abhängig. So stammt etwa die Software zur Steuerung der Zentrifugen zur Uran-Anreicherung von Siemens (Simatic WinCC Step7), rund 50 weitere deutsche Firmen haben diesbezüglich Niederlassungen und 12000 weitere deutsche Unternehmen haben Handelsvertreter im Iran.

Mehrere bekannte deutsche Unternehmen sind an wichtigen iranischen Infrastrukturprojekten beteiligt, etwa in der Petrochemie: Linde, BASF, Lurgi, Krupp, Siemens, ZF Friedrichshafen, Mercedes, Volkswagen und MAN (2008), um nur einige zu nennen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (IHK) schätzt, dass mindestens 10.000 Arbeitsplätze vom Verlauf der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran abhängen. Insbesondere mittelständische deutsche Unternehmen sind stark vom Iran abhängig. Weitere Informationen dazu auf Wikipedia (englisch).

7 Kommentare

  1. Ahaa darum heisst das 5+1 ich dachte immer das hängt mit der Feindstaatklausel und der mangelnde Souveränität zusammen. Komisch daß ich vorher noch nie was darüber gelesen hab daß Deutschland so viele Arbeitsplätze durch die Sanktionen verliert. Also sind die Sanktionen eindeutig gegen deutsche Interessen! So lässt sich der Öffentlichkeit natürlich nur schwer die amerikanische Position in den Kopf meißeln also lässt man diese Kleinigkeit einfach weg! Unglaublich!

  2. Aber: Auf der Webseite IRIB des Irans wird ausdrücklich gesagt, dass der Iran keinen Besitz von Atomwaffen anstrebt.

  3. Na zum Ersten sollte der Iran den USA den Mittelfinger zeigen. Sollen die Amis doch alle Länder sanktionieren. Am Ende treiben die mit keinem Land mehr Handel und sind das einzig sanktionierte Land. Desweiteren sollten Ami-Sanktionen, Ami-Sanktionen bleiben. KEINE Übernahme von Sanktionen durch Deutschland.
    Das bleibt wohl ein Traum mit diesen US- Speichelleckern im Bundestag

  4. Ich glaube weiterhin der iranischen Darstellung, dass der Iran keine Atomwaffen anstrebt. Und wenn doch, dann wäre der Iran nicht die einzige Atommacht in der Region.

  5. Der Iran wäre sehr gut beraten, wenn er den Sperrvertrag kündigen und sich nuklear bewaffnen würde!
    Seit den beiden Kernwaffentests in Nordkorea droht der Meisterverbrecher in en Nietenhosen seltsamerweise nicht mehr mit der „Befreiung“.
    Liegt vermutlich daran, daß die Koreaner auch mental zu einem Einsatz der Dinger gegen einer Aggressor auf eigenem Boden bereit wären.
    Und der Mordamerikaner hat sich noch NIE an einen Feind herangewagt, der vielleicht gewinnen könnte.
    Und wird das nach Vietnam auch nie wieder tun.

  6. Nein, mit einer Nuklearbewaffnung wären die Iraner nicht gut beraten.
    Einfach deswegen, weil die Israelis dies mitbekommen und ganz irrational reagieren können. So wurde, wenn ich mich recht erinnere, das Atomkraftwerk Buschehr im Iran vor vielleicht zwei Jahrzehnten mit Bomben angegriffen.
    Nein, das ist derzeit keine Option!

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