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10.09.1909: US-Militärintervention in Nicaragua


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Am 10. September 1909 griffen die USA militärisch in Nicaragua ein, nachdem sie dort selbst einen Aufstand inszeniert hatten. Zuvor hatte Nicaraguas Präsident US-Unternehmen verstaatlicht und stellte gute Beziehungen zu Deutschland und Japan her.

Nicaragua 1909 USA
Nicaragua 1909 USA, Bild: Gegenfrage.com, Flagge gemeinfrei

Seit dem Jahr 1894 war José Santos Zelaya der Präsident des zentralamerikanischen Staates Nicaragua. Im Verlauf seiner Regierungszeit hatte er das Missfallen der Vereinigten Staaten unter anderem dadurch erregt, dass er sich öffentlich gegen eine Einmischung der USA in Zentralamerika stark machte.

Zudem ließ er Bananenplantagen von US-Unternehmen an der Küste Nicaraguas militärisch besetzen. Zusätzlich ersuchte Zelaya zu Beginn das Deutsche Reich und Japan den Bau des sogenannten Nicaragua-Kanals zu finanzieren.

USA bringen Freiheit und Gerechtigkeit

Washington stellte ihn darauf medienwirksam als rücksichtslosen Diktator dar, der gegen den Willen seines Volkes handelte und Freiheit und Gerechtigkeit unterdrückte. Um sich seiner zu entledigen, griff Washington im Jahr 1909 zu dem schon seinerzeit in Zentral- und Lateinamerika bestens bewährten Mittel der von außen herbeigeführten Revolution.

Mit Beginn der Revolution am 10. September trafen US-Kriegsschiffe an der Küste Nicaraguas ein, um US-Bürger zu schützen. Laut US-Medien wurde der Aufstand gegen die Regierung Nicaraguas von Adolfo Diaz mit 600.000 Dollar finanziert. Diaz war zu dieser Zeit ein Angestellter in einem US-Bergwerkkonzern mit einem Jahresgehalt von 1.000 Dollar.

Der US-Konsul in Bluefields, Thomas P. Moffatt, war im Voraus über die sogenannte Revolution informiert und meldete Washington bereits nach wenigen Tagen eine US-Interessen günstig gesinnte provisorische „Gegenregierung“.

Unter der Flagge Nicaraguas beförderten Schiffe der United Fruit Company und anderer US-Unternehmen Kampftruppen und Bewaffnung in das zentralamerikanische Land, um die Revolution gegen die Regierung zu unterstützen. Trotz dieser Maßnahmen setzten sich die Truppen der Regierung in den Gefechten gegen die Rebellen durch.

USA stellen sich auf die Seite der „Rebellen“

Ende 1909 wurden zwei Freibeuter der USA, die auf der Seite der sogenannten Revolutionäre kämpften, beim Versuch erwischt ein Schiff in die Luft zu sprengen. Sie wurden verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt und nach ihren Geständnissen gemäß Urteil erschossen.

Dieser Vorfall wurde von den USA zum Anlass genommen alle Beziehungen zur Regierung in Nicaragua abzubrechen und sich nun offiziell auf die Seite der Rebellen zu stellen, was schnell zu einem Zusammenbruch der Regierung von Zelaya führte.

Dessen Anhänger Dr. Madriz übernahm daraufhin das Amt des Präsidenten, der sich erneut gegen die Aufständischen durchsetzen konnte und diese auf einen Punkt zusammendrängte. Kurz vor der endgültigen Niederlage der Rebellen erfolgte eine Militärintervention seitens der US Army, worauf die Truppen Nicaraguas vernichtend geschlagen wurden und Dr. Madriz am 20. August 1910 abdankte.

Dawson-Pakt

Die anschließend von Washington eingesetzte Regierung unter dem neuen Präsidenten Juan José Estrada schloss mit den USA am 27. Oktober den zunächst geheimen Dawson-Pakt ab, der die Inanspruchnahme einer Anleihe der US-Banken Brown Brothers & Co. und J. & W. Seligman & Co. in Höhe von 15 Millionen Dollar vorsah.

Brown Brothers & Co., später „Brown Brothers Harriman & Co.“, wurde mitbegründet von Prescott Bush, dem Großvater des früheren US-Präsidenten George W. Bush. Die Investmentbank J. & W. Seligman & Co. war Mitbegründer von Standard Oil und General Motors.

Den USA wurde außerdem die Kontrolle über das gesamte Zollwesen Nicaraguas übertragen. Die Bevölkerung Nicaraguas war mit der politischen Situation als US-Protektorat nicht einverstanden, worauf es erneut zu Unruhen kam und Estrada zugunsten des angeblichen Revolutionsführers Adolfo Diaz abdankte.

Dieser genoss jedoch ebenso wenig das Vertrauen der Bürger, worauf es 1912 eine weitere Revolution gab und Zollämter, Eisenbahnen und Schiffe zurückerobert wurden. Auf Veranlassung der oben genannten Banken entsandten die USA acht Kriegsschiffe, 125 Offiziere und 2.600 Soldaten nach Nicaragua und schlugen die Revolution nieder.

Ähnliches ereignete sich in diesem Zeitraum (Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert) auch in Guatemala, Honduras, San Salvador, Costa Rica, Kolumbien und weiteren Staaten. Wirtschaftliche Interessen standen dabei stets im Vordergrund. Parallelen zum heutigen Vorgehen der USA in der arabischen Welt sind nicht von der Hand zu weisen.

Quellenangaben anzeigen
countrystudies, dollarimperialismus v. peter aldag, s.47, wikipedia (en), wikipedia (en)

7 Kommentare

  1. Sehr schöner umfangreicher Artikel!

    Im Streit zwischen China und Japan (Embargo) haben die USA China unterstützt.
    Die Japaner haben nicht grundlos Pearl Habor angegriffen. Der Angriff war nicht nur bekannt, sondern war auch erwünscht seitens der USA und besonders seitens des Kriegstreibers Churchill.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Flying_Tigers

    In Bezug auf Syrien bin ich derzeit etwas verwirrt. Angeblich liefert Israel im Auftrag der USA Waffen an die Rebellen. Kann ich nicht nachvollziehen aus der Sicht Israels. Warum will man diese Islamfaschisten und Gotteskrieger an der Grenze haben? Die Waffen, sofern man moderne mobile (tragbare) Luftabwehr liefert, sind in der Lage auch israelische Flugzeuge und Kampfhubschrauber zu bekämpfen. Ebenso bedenklich, wenn da neuere Versionen mobiler Anti-Tank Abwehr in deren Hände kommt.
    Diese beiden Waffengattungen waren ja im Gespräch, als es um Unterstützung aus den USA ging.

    Ist das jetzt so geplant, dass Al Quaida und Al Nusra & Co. (also die Rebellen)erst einmal gewinnen lässt, um sie dann als Terroristen platt zu machen auf die übliche Art? (Demokratie von oben verpackt in DU-Ammo)

  2. Lieber Kaiser,
    Ich mag mich irren, da nicht mehr auf dem neusten Stand, aber wie sollen die Rebellen mit nem FIM-92-Stinger, ISL-Hubschrauber oder Ami-Flugzeuge runterholen? Reichweite nur etwa 3km mit Mach 2,5!
    IFF-Receiver und Sender von ABB (Firma: Brown Bovery, später von der schwedischen ASEA aufgekauft)… Der Tiger F-5 ist ja ein Vietnam-Relikt, just wie die F4… Wenn im Flugzeug-Avionikraum der selbe Code wie im Stingereingestellt ist, lässt sich die Rakete nich abfeuern.
    Viel moderneres Spielzeug werden sie den Partisan-Einweg-Werkzeugen sicher nicht schenken.
    Die globale Elite besteht auch aus 3stelligen Milliardären jeglicher Nation und Rasse. Allerdings gibts da auch nich mehr, als etwa 320 Familien, von. Die gewinnen immer, und werden vorher alle andren vergiften, oder sich bekriegen lassen, während das Volk zu dämlich für die Hintergründe ist.
    Hab vor nem Jahr zufällig mit nem Irakischen Koch gesprochen, der war froh das die Amis einmarschierten. Vermutlich warej seine Kameltreiber-Freunde zu dämlich, das Oel zu fördern, dabei liegt es nirgends weniger tief im Boden!

  3. FRA gehört ihnen seit der Schlacht von Waterloo, oder sogar davor.
    RU seit dem Zusammenbruch des eisernen Vorhangs. BP gehört ja zum Grünschwert-Imperium. Die verkauften ihre Oil-Felder (zufällig) kurz vor der russischen Revolution… Später, wurden dann doe Felder um Baku wieder privatisiert.

  4. @intcptr – Hier vor kurzem in Bezug auf die mobilen Raketen schrieb ich in einem Kommentar, dass es sich NICHT um die OLLEN Stinger handelt, die da geliefert werden sollen. Das Prinzip mit dem Nato-Code ist mir auch bekannt. Sofern aber die Rebellen dann gewinnen, vergisst man eventuell wieder sie zu entwaffnen wie in Afghanistan.

    Mir stellt sich das eh alles nicht so klar dar, denn es ist ja nicht so, dass die Jets von Assad keine Möglichkeit mehr haben Raketen abzuschütteln.
    Bei mobiler Luftabwehr die aus Israel kommt, handelt es sich ggf. auch nicht um tragbare, daher oben das Wort in Klammern gesetzt. Die Waffenschmiede Israel hat eigene High Tech und vieles neu entwickelt.

    Ist heutztage alles elektronisch, und alles was elektronisch ist, kann auch umgebastelt werden. Von daher denke ich mal, auch weil man ja Ausbildung braucht an neuen Waffen, dass diese Waffen auch im Einsatz unter Kontrolle der Israelis bleiben. Gemeint ist, die schicken auch das Personal mit. Fällt doch gar nicht auf, bei der gemischt bunten Truppe FSA Söldner aus aller Herren Länder.

    Übrigens….
    Im Falklandkrieg 1982 verloren die Briten ein Kriegsschiff durch eine feindliche Anti-Schiffs Rakete. Tja, dumm gelaufen, die war aus französischer Produktion mit entsprechender Kennung. Der Ober-Ablacher, weil man die ja mal an die Argentinier lieferte. Da kommt dabei raus, wenn man Freunde hochrüstet und sie später zum Feind erklärt. Also die Methode der Briten seit Elizabeth I. im Mittelalter.

  5. @intcptr – Dein Zitat ….Der Tiger F-5 ist ja ein Vietnam-Relikt, just wie die F4…

    ist aber weit hergeholt, gemäß der Verwendung bis heute noch unter permanenter Verbesserung, was nämlich schon mal alles betrifft was mit dem Waffenradar und Feindaradar etc. zusammenhängt. Wie ich neulich schon hier bemerkte ist es grundverkehrt von der F4 oder der F5 etc. pauschal zu sprechen, so wie es in den Medien immer wieder vorkommt. Es handelt sich um Baureihen, die aus dem Basismodell heraus kontinuierlich weiter entwickelt wurden. In Bezug auf die F4 fängt man ja jetzt erst an, dieses Flugmuster langsam außer Dienst zu stellen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/McDonnell_F-4

    http://en.wikipedia.org/wiki/Northrop_F-5

    Schade, ich kann dir kein Photo schicken. 2009 habe ich im Cockpit des ältesten F5B Jets gesessen, Baujahr 1963 und in anderen schönen alten anderen Gurken auch, und dito echten Cockpits (Simulatoren)

  6. Seit 1909 hat sich nichts geändert. Die Amis stecken überall ihre schmutzigen Finger hinein.
    Diese historischen Erkenntnisse sind unseren Politikern scheinbar nicht bekannt. Wir sollten sie zum Nachhilfeunterricht schicken !

    MfG. grillbert aus Hamburg.

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