US-Botschafter: "Keine Eile, Afghanistan zu verlassen"


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In der ersten Rede nach seiner Vereidigung als neuer US-Botschafter in Afghanistan sagte Ryan Crocker, dass die USA keine Eile hätten, ihre Truppen nach der 10 Jahre dauernden Besatzung aus dem besetzten Land abzuziehen. „Wir müssen vorsichtig vorgehen“, betonte Crocker, wie Zeitung Tehran Times am Mittwoch berichtete. „Es wird keinen raschen Abzug der Truppen geben“. Die Obama-Administration hatte angekündigt, die Anzahl der US-Truppen in Afghanistan zu reduzieren, doch werde nicht erwartet, dass dies vor den Präsidentschaftswahlen 2012 stattfinden wird. Crocker kritisierte die zu wenig aktive Rolle der USA in Afghanistan nach der sowjetischen Besatzung und bestand darauf, dass die Vereinigten Staaten auch weiterhin Einfluss auf die Weiterentwicklung der Nation haben werden. Zudem betonte er, dass die USA keine dauerhaften Stützpunkte im Land geplant hätten und dementierte somit die Aussagen der Regierung Karzai, welche die Planung solcher Basen mehrfach bestätigt hatte.

In den von der Website WikiLeaks im Juli 2010 veröffentlichten Berichten des Afghan War Diary aus den Jahren 2004 bis 2009 wurden 24’155 Tote im Zusammenhang mit dem Krieg numerisch erfasst. Allein im Jahr 2010 wurden 2’777 afghanische Zivilisten getötet. Die Kriegskosten für die Vereinigten Staaten belaufen sich auf etwa 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Seit dem Einmarsch der NATO-Truppen in Afghanistan im Dezember 2001 blüht wieder der Mohnanbau. Afghanistan gilt seit jeher als einer der weltgrößten Lieferanten für Opium, was meist zu Heroin weiter verarbeitet wird. Der Mohnanbau wurde im Juli 2000 von der Taliban-Regierung unterbunden, worauf die Anbauflächen landesweit innerhalb eins Jahres um 91 Prozent reduziert wurden, wie die Onlinezeitung The Intelligence berichtet. Dass der Mohnanbau nach dem Einmarsch der NATO-Truppen wieder eine Hochblüte erlebt, wird mit wirtschaftlichen Problemen der afghanischen Bevölkerung erklärt.

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