Umfrage: Meiste Türken sind gegen NATO und für Russland


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Laut einer neuen Umfrage ziehen die meisten Türken inzwischen Russland der NATO als strategischen Partner in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Sicherheit vor.

Türkei Umfrage NATO Russland
Türkei Umfrage NATO Russland, Bild: Gegenfrage.com, Flaggen gemeinfrei

In einer kürzlich von Istanbul Ekonomi Araştırma durchgeführten Umfrage zeigen die Türken eine Annäherungsbewegung weg von der NATO hin zu einer Allianz mit Russland. Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer, 67 Prozent, ist der Meinung, dass die Türkei die NATO nicht benötigt, um die nationale Sicherheit zu garantieren.

Die Umfrage wurde Anfang November in zwölf großen Städten des Landes durchgeführt. Anzumerken ist, dass sie zwei Wochen vor der Bitte eines Top-Beraters von Präsident Recep Tayyip Erdogan an das Parlament, die NATO-Mitgliedschaft seines Landes zu überdenken, durchgeführt wurde.



Wachsende Spannungen mit der NATO

Die Anspannung der Beziehungen zwischen der Türkei und ihren NATO-Partnern erhöhte sich, nachdem die Kurden im Syrien-Krieg Unterstützung von den USA erhielten. In der Türkei gelten die unterstützten kurdischen Organisationen als terroristisch.

Ein weiterer Zankapfel dürfte der Kauf der russischen Raketenabwehr S-400 durch die Türkei sein. Kürzlich gab es außerdem Kontroversen, als das türkische Militär des Landes 40 Soldaten aus einer gemeinsamen NATO-Militäraktion in Norwegen abzog. Grund dafür waren Fotos von Erdogan und Türkei-Gründer Atatürk auf einer „Feindkarte“.

Die NATO entschuldigte sich bei der türkischen Regierung und machte einen norwegischen NATO-Soldaten dafür verantwortlich. Erdogan konnte dadurch jedoch nicht besänftigt werden. Der Präsident machte zuletzt auch Schlagzeilen, als er die USA beschuldigte, den Islamischen Staat zu unterstützen.

Nach einem schweren Tiefstand in den Beziehungen mit Russland Ende 2015, als die Türkei im syrischen Grenzgebiet einen russischen Kampfjet abschoss, befürworten heute mehr als 70 Prozent der Türken eine stärkere Beziehung zu Russland in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Sicherheit. Die USA und die NATO haben hingegen an Zuspruch eingebüßt.

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telesur, sputnik

8 Kommentare

  1. Man sollte in den nächsten Jahren besser keinen Urlaub in der Türkei planen, denn wie es nach der Tradition der USA geregelt wird, wenn ein Land/Machthaber dem Imperium nicht mehr die Füße leckt, haben zahllose andere Länder in dieser Welt erfahren müssen.
    Da haben die Leute vom CIA mal wieder über Jahre ein neues Betätigungsfeld.
    Auf jeden Falle müssen die Amis nicht noch erst die dann in den westlichen Medien als „Freiheitskämpfer“ bezeichneten Gruppen aufbauen; Waffenlieferungen genügen.
    Ukraine am Bosporus, es wird spannend werden.
    Erdogan sollte sich mal mit Putin schnell über einen Militärstützpunkt unterhalten.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  2. @ Helmut Josef Weber

    Ich denke, Du solltest Erdogan nicht unterschätzen!
    Die derzeitigen Versuchsballons die Nato zu verlassen kommen vom Berater Erdogans und vom Außenminister.

    Die sind nicht dumm und werden sich rückversichern mit Russland und gegebenenfalls mit China und dem Iran.
    Außerdem strebt die Türkei mittlerweile selbst nach Atomwaffen. Im Unterschied zum gleichen Wollen der Japaner (die brauchen dazu nach eigenen Angaben nur drei Monate) wird das im Falle der Türkei aber länger dauern.
    Jedenfalls strebt die Türkei vollständige Souveränität an und dazu gehören nun einmal Atomwaffen.

  3. Hallo Markus,
    die Atomwaffen können sie aber nicht im eigenen Land anwenden, wenn das Land von innen, wie Venezuela, ökonomisch durch die USA an die Wand gefahren wird und die „Rebellen“ mit modernsten Waffen versorgt werden.
    Die türkische Währung befindet sich bereits im freien Fall; nie war Gold in der türkischen Währung so teuer wie heute.
    Die Inflation beträgt etwa 12%.
    Erdogan verbietet der Nationalbank die Zinsen zu erhöhen usw. usw.. sie sollen sie sogar senken.
    Sie werden den Weg von Venezuela gehen.
    Wer investiert bei 12% Inflation noch in der Türkei?
    Gut, die Exporte werden billiger, aber die Importe 12% teurer.
    Wer Euro oder Dollar umtauscht um sie in der Türkei zu investieren, hat beim Rücktausch, wenn er Geld aus seinen Anlagen ziehen will, alleine 12 % Währungsverluste.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  4. Hallo H. J. Weber,

    der Kurseinbruch der türkischen Lira ist m. E. temporärer Natur und hängt damit zusammen, dass international aufgestellte Geldanleger auf türkische Lira lautenden Guthaben infolge des politischen Umfeldes abziehen. Gleiche Situation wie 1930 in Deutschland.
    Geld ist halt wie ein scheues Reh und infolge der derzeitigen unklaren Positionierung der Türkei erwarten viele Anleger einfach Verluste und wollen diesem durch Abzug der Guthaben zuvorkommen. Dafür habe ich durchaus Verständnis. Die Entscheidung der ZB in Ankara die Zinsen nicht zu erhöhen ist richtig und gut. Denn wenn die Zinsen zur Refinanzierung im Interbankensystem erhöht würden, stiege das Risiko in die Rezession abzugleiten. Und dann gehen die Gelder erst Recht aus dem Land.
    Das erinnert mich übrigens an das Verhalten von Hjalmar Schacht so um 1922 oder 1923 herum. Der Kurs der Reichsmark gegen den US Dollar und gegen Gold drohte ins Bodenlose zu fallen. Schacht tat genau das Gegenteil, was ihm die ganze Welt riet: er tat nichts, er lies die Reichsmark fallen! Denn er wusste ganz genau: irgendwann hört das auf und dann mache ich meine Währungsreform und beende die galoppierende Inflation. Und in der Tat erwischte er den bestmöglichen Zeitpunkt und konnte 1923 durch Einführung der Deutschen Rentenmark die Inflation beenden.
    Nachzulesen bei Liaquat Ahamed: „Die Herren des Geldes“.
    Sehr zu empfehlen, weil es auch einen Einblick darin gibt, wie der britische und der amerikanische Notenbankchef (beides übrigens rechtlich Privatbanken) den Irrsinn des Versailler Diktates klar erkannten. Die Amerikaner waren ohnehin nicht daran schuldig, weil in Versailles noch nicht einmal mit einem Vertreter anwesend. Aus gutem Grund: das deutsche Parlament, welches den Rücktritt des Kaisers erzwang, hatte sich auf die vierzehn Punkte des Friedensplanes des US Präsidenten verlassen.
    Keiner der 14 Punkte gelangte zur Anwendung. Nach dem Kaiser Wilhelm zurück getreten war, löste sich die Armee auf und Deutschland war allen Bedingungen gegenüber absolut wehrlos. Ähnliches geschah mit Österreich- Ungarn.
    Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

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