An diesem Tag
12.09.1980: CIA-Putsch in der Türkei


Geschichte

Am 12. September 1980 verübte das türkische Militär einen von der CIA unterstützten Putsch in der Türkei. Dem voraus ging eine schwere Wirtschaftskrise und ein beherztes Eingreifen des IWF.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
Militärputsch Türkei CIA
Militärputsch in der Türkei, mit Unterstützung der CIA, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1980 fand unter der Leitung von Generalstabschef Kenana Evren ein Militärputsch in der Türkei statt. Es handelte sich um den dritten Staatsstreich in der Geschichte der Republik.

Die Türkei der 1970er Jahre war während des Kalten Kriegs durch rechtsextreme und linksradikale bewaffnete Konflikte geprägt. Das Land stand kurz vor dem Staatsbankrott. Unter anderem auf Drängen der deutschen Bundesregierung wurde ein Kredit ausgestellt, um einen wirtschaftlichen Zusammenbruch abzuwenden.

Der IWF stellte harte Bedingungen, darunter die Abschaffung des Streik- und Tarifrechts, das Einfrieren der Löhne bei gleichzeitiger Abwertung der Währung, Privatisierungen, Senkung der staatlichen Ausgaben für Bildung, Sozialwesen, Gesundheit und Nahrungsmittelsubventionen.

Die Inflationsrate stieg auf über 100 Prozent, Massenentlassungen folgten, was trotz des vom IWF auferlegten Verbots zu Massenstreiks führte. Banküberfälle und Anschläge waren an der Tagesordnung. Im Sommer 1980 gab es bis zu 200 politische Morde pro Monat. Ein Großteil davon ging auf das Konto der Grauen Wölfe.

USA sehen Instabilität mit Sorge

Die USA sahen die wachsende Instabilität des NATO-Partners mit großer Sorge. US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski vertrat deshalb offen die Position, dass eine Militärregierung nach dem Vorbild Brasiliens für die Türkei die beste Lösung darstelle.

Um einen Vorwand für eine entscheidende Intervention zu schaffen, ließ das türkische Militär diese Konflikte eskalieren. Für die wachsenden Spannungen war unter anderem die NATO-Geheimtruppe Gladio verantwortlich, die die Bevölkerung durch die Verbreitung von Terror nach mehr Sicherheit rufen ließ, ähnlich wie ab 1969 in Italien.

Laut einigen Quellen trug auch das türkische Militär in erheblichem Maße dazu bei, dass die Spannungen zunahmen. Nach dem Coup war die Gewalt umgehend beendet, weshalb der Putsch von vielen Seiten zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung begrüßt wurde.

Insgesamt wurden 50 Personen hingerichtet, zwischen 500.000 und 650.000 wurden verhaftet und Hunderte starben im Gefängnis. Für die folgenden drei Jahre regierten die türkischen Streitkräfte das Land über den Nationalen Sicherheitsrat, ehe die Demokratie wiederhergestellt wurde.

Im Jahr 1982 wurde in einem Referendum eine Verfassung verabschiedet, die in ihren Grundzügen bis heute gilt. Bis 1989 zog sich das türkische Militär Schritt für Schritt aus dem politischen Geschehen zurück. Im Hintergrund bleibt es jedoch weiterhin ein mächtiger Faktor.

Rolle der CIA

Nach der Islamischen Revolution 1979 im Iran hatte Washington seinen wichtigsten Verbündeten in der Region verloren. Die Carter-Doktrin vom 23. Januar 1980 stellte zudem klar, dass die Vereinigten Staaten ihre Interessen in der Golfregion auch mit militärischer Gewalt durchsetzen würden.

Die Türkei erhielt große Summen an Wirtschaftshilfen, die von der OECD organisiert wurden. Die NATO, allen voran die USA, stellte militärische Hilfe zur Verfügung. Zwischen 1979 und 1982 erhöhten die OECD-Länder die Wirtschaftshilfen an die Türkei um vier Milliarden Dollar.

Washington gründete im Zuge der Carter-Doktrin die Rapid Deployment Forces (RDF). Diese sollte in Gebieten außerhalb der NATO-Staaten rasch intervenieren. Vor allem ging es dabei um Gebiete am Persischen Golf. Bereits am 01. Oktober hatte US-Präsident Carter die Gründung der RDF angekündigt.

Einen Tag vor dem Militärputsch vom 12. September 1980 starteten etwa 3.000 amerikanische Soldaten des RDF das Anvil Express-Manöver Anvil Express auf türkischem Boden. Kurz vor dem Staatsstreich war der oberste Befehlshaber der türkischen Luftwaffe in die Vereinigten Staaten gereist.

Ende 1981 wurde ein türkisch- amerikanischer Verteidigungsrat (türkisch: Türk-Amerikan Savunma Konseyi) gegründet. Verteidigungsminister Ümit Haluk und Richard Perle, damals außenpolitischer Assistent der neuen Reagan-Regierung und der stellvertretende Stabschef Necdet Öztorun nahmen am 27. April 1982 an einem ersten Treffen teil.

Am 9. Oktober 1982 wurde das „Memorandum of Understanding“ verabschiedet (türkisch: Mutabakat Belgesi). Dieses hatte eine Erweiterung der Flughäfen für militärische Zwecke zum Schwerpunkt, vor allem im Südosten des Landes. So wurden Flughäfen in den Provinzen Batman, Muş, Bitlis, Van und Kars im Südosten errichtet.

Paul Henze bestätigt Rolle der CIA

Die amerikanische Unterstützung dieses Coups wurde vom CIA-Chef in Ankara Paul Henze bestätigt. Nachdem die Regierung gestürzt war, meldete Henze an Washington: „Unsere Jungs [in Ankara] haben es geschafft.“ Während eines Interviews im Jahr 2003 mit CNN Türk wies er eine amerikanische Beteiligung am Putsch jedoch zurück.

Zwei Tage später wurde jedoch ein im Jahr 1997 aufgezeichnetes Interview mit Henze ausgestrahlt, in dem er die Beteiligung hingegen zugab. Eigentlich gab es aber überhaupt nichts abzustreiten.

Denn das US-Außenministerium selbst hatte den Putsch nämlich in der Nacht vom 11. bis 12. September angekündigt. So rief das Militär die US-Botschaft in Ankara an, um sie über den unmittelbar bevorstehenden Coup zu informieren.

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