Standard & Poor's sendet klare Botschaft an die EZB


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Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat den Ausblick für 15 der 17 Eurostaaten auf „Credit Watch Negative“ gesetzt. Offizieller Grund sind „systemische Spannungen“, doch ist davon auszugehen, dass die Aktion eine direkte Aufforderung an die EZB ist, die Geldmenge zu erhöhen, also „Geld zu drucken“.

Die Ratingagentur teilte am Montag mit, dass sie 15 Staaten der Eurozone auf „Credit Watch Negative“ gesetzt hat, da die „systemischen Spannungen“ in der Eurozone an einen Punkt gestiegen seien, an dem man anfangen müsse „Druck auf die Eurozone“ auszuüben, wie die Los Angeles Times berichtet. Die beiden einzigen nicht betroffenen Länder sind Griechenland und Zypern, deren Ratings bereits im Vorfeld extrem herabgestuft wurden. Deutschland, Frankreich, Finnland, Österreich, Luxemburg und die Niederlande, die einzigen Länder in der Eurozone mit AAA-Ratings, seien potentielle Kandidaten des negativen Ausblicks, so der Bericht. Dieser Schritt könnte mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% eine Herabstufung des Ratings in den kommenden 90 Tagen nach sich ziehen.

Doch ist die eigentliche Botschaft vermutlich nicht an die Staatschefs der betroffenen Länder selbst gerichtet, sondern primär an die Europäische Zentralbank, von der gefordert wird, die Geldpolitik nach dem Vorbild der US-Notenbank Federal Reserve weiter zu lockern. Die Bundesregierung soll lediglich den Weg dafür frei räumen. So schrieb die Financial Times:

S & P sagte in der Erklärung, dass man sowohl die politische als auch die monetäre Ebene eines Landes betrachte … Auf der monetären Seite beobachte man die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. „Falls wir zum Schluss kommen, dass die EZB-Politik keine Wirkung bringt bei der Milderung wirtschaftlicher und finanzieller Schocks, so glauben wir, dass auch das Rating Deutschlands herabgestuft werden könnte.“

Im Wesentlichen hat die Ratingagentur also zwei Ziele im Visier: Deutschland, das sich gegen die Stärkung der Rolle der EZB stemmt. Und die EZB selbst, die in die Verantwortung gezogen wird schnell zu handeln und wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Die Bundesregierung blockiert derzeit noch eine Lockerung der Geldpolitik, um hohe Teuerungsraten zu vermeiden. Internationale Großbanken hingegen fordern ein beherztes Eingreifen der EZB, „um die Märkte nachhaltig zu beeindrucken.“

6 Kommentare

  1. Im Focus ist ein Interview mit einem französischen Wirtschaftsweisen… der sagt, daß es schon bis Weihnachten diesen Jahres mit dem Euro eng werden könnte… 🙂 endlich mal jemand, der die Wahrheit ausspricht… das ganze System kann jedes Wochenende wie ein Kartenhaus zusammenbrechen.

  2. @Petra
    Diese Typen lügen eigentlich nie. Sie lassen nur das Wesentliche weg und verpacken das was übrig ist in doppeldeutige Phrasen.

  3. Diese S&P-Typen meinen wohl, man sollte seine Ersparnisse unverzüglich von der Bank in Form von Krügerrands abheben. Nun gut, Geschmackssache.

  4. So geht das im Büro der Herren von S & P: Kommt die Tussi vom Vorzimmer ins Büro der Herren und wird von diesen gefragt: „Hi Honey, willst Du heute lieber einen Double oder einen Triple?“.
    Darauf die Tussi: „Nicht schon wieder Triple, lieber einen Double!“

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