Nach Saudi-Luftangriffen: Ärzte ohne Grenzen verlassen Jemen


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Nach den jüngsten Luftangriffen Saudi-Arabiens auf ein Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen, wird sich die Hilfsorganisation aus dem Jemen zurückziehen. Großbritanniens Regierung hatte sich letztes Jahr für einen Vorsitz Saudi-Arabiens im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen ausgesprochen und gerät diesbezüglich unter immer höheren Druck.

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Saudi-Arabiens Botschaft in Berlin, Bild: Eigene Fotografie

Die Ärzte ohne Grenzen (MSF) haben angekündigt, dass sie ihre Mitarbeiter aus sechs Krankenhäusern im Nordjemen abziehen werden. Bislang habe man von Saudi-Arabien keine Zusicherung erhalten, dass die Krankenhäuser der Hilfsorganisation nicht erneut angegriffen werden. „Die Entscheidung wurde nicht auf die leichte Schulter genommen“, sagten die in Paris ansässigen MSF in einer Erklärung am Donnerstag und warfen Saudi-Arabien vor, wahllos Bomben abzuwerfen und unzuverlässige Beteuerungen von sich zu geben.

„Die Intensität der aktuellen Offensive und unser Verlust an Vertrauen in die von Saudi-Arabien angeführte Koalition, derart tödliche Angriffe zu verhindern, halten die MSF die Krankenhäuser in Saada und Hajjah für zu unsicher für Patienten und Mitarbeiter“, so die Erklärung.

Die Entscheidung sich aus dem Jemen zurückzuziehen folgt einem vor wenigen Tagen durchgeführten Luftangriff Saudi-Arabiens auf ein von der Hilfsorganisation betriebenes Krankenhaus in der Hajjah-Provinz, bei dem elf Menschen ums Leben kamen, inzwischen ist die Zahl der Opfer laut einigen Quellen auf 19 gestiegen. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich 23 Patienten in der Chirurgie, 25 in der Entbindungsstation, 13 Neugeborene und 12 in der Pädiatrie. Die medizinische Hilfsorganisation sagte, dass man der Saudi-Koalition zuvor GPS-Daten des Standorts des Krankenhaus übersendet habe, um derartige Attacken zu vermeiden.

Die MSF trafen sich nach eigenen Angaben in den vergangenen acht Monaten zwei Mal mit Vertretern Saudi-Arabiens, wobei versichert wurde, dass Angriffe auf Krankenhäuser enden würden. „Die Luftangriffe wurden dennoch fortgesetzt, trotz der Tatsache, dass die MSF GPS-Koordinaten von Krankenhäusern bereitstellten, in denen die Organisation mit den am Konflikt beteiligten Parteien arbeitet“, so die Erklärung.

Nachdem die Houthis im Sommer 2014 die Regierung im Jemen übernahmen, mischte sich Saudi-Arabien in die inneren Angelegenheiten des Landes ein und startete ab März 2015 Luftangriffe, um den verbündeten ehemaligen Präsidenten Mansour Hadi zurück an die Macht zu holen. Saudi-Arabien sieht die Houthi-Rebellen als Proxy des Iran, der als größter Widersacher in der Region gilt. Die Houthis werfen Saudi-Arabien einen illegalen Angriffskrieg gegen das Land vor. Tatsächlich wurden Marktplätze und Wohngebiete von Saudi-Arabiens Luftwaffe bombardiert, wodurch bis heute mindestens 3.500 Zivilisten ums Leben kamen und 6.500 weitere verletzt wurden.

Durch Saudi-Arabiens völkerrechtswidrige Angriffe im Jemen, die große Zahl an Enthauptungen und die mangelhafte Menschenrechtslage, wächst der politische Druck auf Großbritanniens Regierung. Im vergangenen Jahr hatte sich die britische Regierung für einen Vorsitz Saudi-Arabiens im UN-Menschenrechtsrat ausgesprochen. Eine neue Abstimmung am 13. September stelle „eine Chance für die neue Regierung unter Theresa May dar, den wahren Wert der Menschenrechte aufzuzeigen.“

Quellen: independent, france24, presstv

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