Entscheidet sich Saudi-Arabien gegen den Petrodollar?


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Russland hat Saudi-Arabien als größten Erdöl-Lieferant Chinas überholt. Wichtigster Grund dafür ist ein Währungsabkommen zwischen China und Russland, das den Handel in Yuan vorsieht. Saudi-Arabien, Dreh- und Angelpunkt des Petrodollars, muss nun wichtige Entscheidungen treffen.

Bild: World Trade Center in Moskau,Wikipedia-User WeCameAsRomans, Lizenz: CC BY 3.0

Russland ist heute der größte Rohöl-Lieferant Chinas und hat im vergangenen Monat Saudi-Arabien von Platz 1 verdrängt. Im Mai hat China mehr als 3,9 Millionen Tonnen Rohöl aus Russland importiert, rund 900.000 Barrel pro Tag, ein Anstieg von über 20% gegenüber dem Vormonat. Die Einfuhren aus Saudi-Arabien sind hingegen im selben Zeitraum um 42% gesunken.

Russland und China handeln im Zuge eines neuen Währungsabkommens in der chinesischen Währung Yuan. Gordon Kwan, Leiter der Rohstoffabteilung der in Hongkong ansässigen Filiale von Nomura Holdings Inc., äußerte in einer Email: „Wenn Saudi-Arabien wieder die Nummer 1 werden möchte, muss es den Renminbi für Öl-Zahlungen akzeptieren statt nur den Dollar.“

Saudi-Arabien steht somit vor einem Problem und muss sehr bald einige sehr schwierige Entscheidungen treffen. Saudi-Arabien hatte 1973, zwei Jahre nach Abschaffung des Goldstandards, einen Deal mit der Nixon-Regierung vereinbart und erklärte sich damit bereit, Öl ausschließlich in US-Dollar zu handeln. Im Austausch erklärten sich die USA bereit, das Land zu schützen und mit Waffen zu beliefern.



Dieser Deal trug maßgeblich zur Festigung des zu dieser Zeit schwächelnden Petrodollars bei. Der Petrodollar ist der Dreh- und Angelpunkt der USA als Hegemonialmacht; und Saudi-Arabien ist der Dreh- und Angelpunkt des Petrodollars. China wird es eindeutig vorziehen, seine eigene Währung zu nutzen und zu stärken und sich nicht sonderlich um die schwindende Vorherrschaft der Vereinigten Staaten scheren.

Steigen also die Einfuhren aus Russland im Rahmen des neuen Währungsabkommens, steht die Frage im Raum, ob sich Riad die Beschränkung auf den Dollar als Handelswährung weiterhin leisten kann. Entscheiden sie sich gegen die USA, dürfte dies allerdings auf wenig Gegenliebe stoßen.

Zur Erinnerung: Saddam Hussein verkaufte sein Öl ab 2000 in Euro und baumelte wenig später an einem Strick. Muammar Ghaddafi wollte Gold für sein Öl und wurde öffentlich gelyncht. Man muss schon eine blühende Fantasie haben, um hier keine Zusammenhänge zu entdecken.

Russland und China können sich vor einer US-Intervention à la Irak oder Libyen schützen, aber Saudi-Arabien nicht. Entscheidet sich Saudi-Arabien gegen den Greenback, könnten andere OPEC-Staaten dem Beispiel folgen und das Ende des Petrodollars und damit der USA in ihrer jetzigen Form einläuten, schreibt Russia Insider.

Jedenfalls steckt Saudi-Arabien in einer äußerst prekären Situation und die nächsten Schritte des Königreichs dürften sehr interessant werden.