An diesem Tag
23.04.1516: Das Reinheitsgebot wird in Bayern eingeführt


von

Am 23. April 1516 führte Bayern das Reinheitsgebot für Bierbrauereien ein. Das Gesetz war im Jahr 1871 sogar eine Bedingung für den Beitritt Bayerns zum Deutschen Reich.

Reinheitsgebot von 1516
Reinheitsgebot von 1516, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1516 unterzeichnete Herzog Wilhelm IV. von Bayern das Reinheitsgebot. Durch dieses Gesetz stellte er die Reinheit des Bieres sicher, das bis heute eine begrenzte Anzahl von Zutaten enthält.

Anfang des 16. Jahrhunderts kam es zu wirtschaftlichen Spannungen. Brauereien und Bäcker konkurrierten um das Getreide zur Herstellung ihrer Waren. Um einen Anstieg der Preise zu vermeiden, beschränkte das Reinheitsgebot folglich die Brauereien auf die Verwendung von Gerste bei der Herstellung von Bier.

Bäckereien hingegen durften ausschließlich Weizen und Roggen verwenden, um Backwaren herzustellen. Das ursprüngliche Gesetz wurde in Ingolstadt unterzeichnet und besagte, dass in Bayern gebrautes Bier nur Gerste, Hopfen und Wasser enthalten durfte.

Obwohl sich die politische und wirtschaftliche Situation in Deutschland in den folgenden Jahrhunderten mehrfach grundlegend änderte, blieb das Reinheitsgebot weitgehend unangetastet. Bayern setzte einem den Beitritt zum Deutschen Reich im Jahr 1871 sogar die Ausdehnung des Gesetzes auf das gesamte Reich voraus.

Gegner und Befürworter des Reinheitsgebots

Aufgrund der starken Beschränkungen durch das Reinheitsgebot stieß das Gesetz bei einigen deutschen Brauereien häufig auf Widerstand und führte zu einigen Anpassungen. Dazu gehört die Erkenntnis, dass Hefe für die Fermentation benötigt wird und dass nicht nur Gerste, sondern auch gemälzte „Körner“ verwendet werden können.

Trotz der nachfolgenden Änderungen wird die mangelnde Vielfalt auf dem deutschen Biermarkt durch das Gesetz immer wieder kritisiert. Noch im Jahr 2016 bemängelte Der Spiegel das Gesetz, welches Brauern die Möglichkeit nehme, mit neuen Zutaten und Stilen zu experimentieren.

Folglich haben einige Brauereien damit begonnen, Biere herzustellen, die dem Reinheitsgebot nicht entsprechen. Diese Getränke dürfen dann allerdings nicht „Bier“ genannt werden.

Auf der anderen Seite hat das Reinheitsgebot zahlreiche Anhänger. Deutsche Biere, die nach den Spezifikationen des Reinheitsgebots von 1516 gebraut werden, haben nach EU-Recht sogar den Status eines geschützten traditionellen Lebensmittels.

1 Kommentar

  1. Die sortenreine Ernte des Getreides war seinerzeit nicht immer gegeben. Außerdem hatten einige Brauereien erkannt, dass die Verunreinigen, u.a. mit Schlafmohn, den Bieren dann besonders starke berauschende Noten verliehen. – da wurde wohl am Ende etwas übertrieben, und diesem Trend musste eben mit dem „Reinhaltsgebot“ Einhalt geboten werden.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.