Paul Krugman: "Die Depression bedroht unsere Demokratie"


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Den Vereinigten Staaten und Europa stehen Depressionen bevor, die die westliche Demokratie bedrohen. Dies behauptet der Star-Ökonom und New York Times-Journalist Paul Krugman. Die Arbeitslosenquoten in den USA und in Europa seien so hoch, dass die Gefahr eines Aufkommens neuer autoritärer Regierungen bestehe.

Einer starken Rezession würde in der Regel eine heftige und klare Gegenbewegung folgen, so der Ökonom. „Forderungen nach immer härteren Sparmaßnahmen ohne gleichzeitig Wachstum zu fördern, haben doppelten Schaden angerichtet. Die Regierungen sind wirtschaftspolitisch gescheitert, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen und das Vertrauen konnte nicht wiederhergestellt werden“, wie er in seiner Kolumne in der New York Times schrieb. Lasst uns über die Entwicklung in Europa sprechen – nicht weil in den USA alles okay ist, sondern weil die aktuellen Entwicklungen in Europa bislang weitgehend unbekannt sind. „Es wurde immense Wut hervorgerufen, da es viele Europäer für ungerecht halten, wie die starke deutsche Hand immer größere Macht ausübt.“ Dies bedeute nichts Gutes für die Demokratie in einigen Teilen Europas.

Sogar in reichen Ländern wie Österreich und in Finnland würden rechte Gruppen immer stärker. Noch bedenklicher sei die Situation allerdings in ärmeren osteuropäischen Staaten wie beispielsweise Ungarn. „Befürchtungen, dass die Weltwirtschaft vor einem beispiellosen Abschwung steht, sind auf dem Vormarsch.“ Man müsse die scheiternde Wirtschaftspolitik dringend überdenken. Denn verabschiede man sich von der Demokratie, könnte ein Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung letztendlich unsere kleinste Sorge sein. „Zusammengenommen deutet alles auf eine neue autoritäre Herrschaft hin unter einem hauchdünnen Firnis der Demokratie, in der Mitte Europas.“ Und dies könne erst der Anfang sein, so Krugman, für den Fall dass die Krise fortschreite. 

Der Citigroup-Chefvolkswirt und ehemalige Gouverneur der Bank of England Willem Buiter warnte ebenfalls davor, dass eine unkontrollierte Auflösung der Eurozone fatal sein könnte. „Ungeordnete Staatsbankrotte würden nicht nur das europäische Bankensystem mit nach unten ziehen, sondern auch den gesamten Rest. Die daraus resultierende weltweite Finanzkrise würde eine globale Depression auslösen, die das weltweite BIP um mindestens 10% einbrechen und die Arbeitslosigkeit auf mindestens 20% steigen lassen würde.“

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