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22.10.1907: Beginn der Panik von 1907


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Am 22. Oktober 1907 brach die Knickerbocker Trust Company zusammen, was zur Panik von 1907 führte. Es folgten Bank Runs und ein Börsencrash, bei dem die New Yorker Aktienkurse um fast 40 Prozent einstürzten.

Panik von 1907
Panik von 1907, Bild: NYSE, Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1907 brach in den USA eine Finanzkrise aus, in der die New Yorker Börsenkurse um fast 40 Prozent einstürzten. Das Land befand sich bereits in einer schweren Rezession, durch die Krise verloren die Menschen das Vertrauen, stürmten die Banken und hoben ihre Ersparnisse ab, wodurch landesweit Banken und Unternehmen zusammenbrachen.

Laut dem Ludwig von Mises Institut war die Panik von 1907 war das Ergebnis einer von Finanzminister Leslie Shaw herbeigeführten Inflation in den vorangegangenen zwei Jahren. Die USA hatten zudem im Jahr des Crashs einen enormen Kapitalbedarf. Zum einen aufgrund des enormen Wirtschaftswachstums ab 1903, zum anderen aufgrund einer verheerenden Erdbebenkatastrophe in San Francisco im Vorjahr.



Dazu kam eine hoffnungslose Überschuldung New Yorks. In den vierzig Jahren von 1890 bis 1930 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl der USA, im gleichen Zeitraum verdreieinhalbfachte sich die Landwirtschaft, die Eisenproduktion verviereinhalbfachte sich, die Exporte von Kohle verfünffachten sich, der Güterverkehr verfünfeinhalbfachte sich und die Bankeinlagen versiebzehneinhalbfachten sich.

Der Goldbestand hatte sich hingegen proportional mit der Zunahme der Industrieproduktion erhöht. Die Goldreserve betrug im Verhältnis zu den Bankeinlagen im Jahr 1865 noch 25,3 Prozent, im Jahr 1880 sank dieser Wert auf 23,9 Prozent, im Jahr 1900 auf 20,4 Prozent, im Jahr 1910 waren es nur noch 14,2 Prozent.

Der Crash wirkte sich massiv in Form sinkender Industrieproduktion und steil ansteigender Arbeitslosigkeit von 2,8 auf 8 Prozent auf die Realwirtschaft aus. Leslie Shaw versuchte, wie bereits sein Vorgänger Lyman Gage, dem US-Finanzministerium die Funktion einer Zentralbank zu übertragen, etwa durch Offenmarktkäufe in Rezessionen.

Auslöser der Panik von 1907

In seinem letzten Jahresbericht von 1906 forderte Shaw, ihm die Regulierung aller Banken zu übertragen. Ausgelöst wurde die Panik durch einen Versuch einiger Banken, Aktien der United Copper Company auf Kredit zu cornern. Die Sparer standen diesem Versuch äußerst skeptisch gegenüber und brachten diese und auch andere nahe stehende Institute durch zahlreiche Bank Runs in schwere Not.

Dies führte zum Zusammenbruch der Knickerbocker Trust Company, die zu dieser Zeit drittgrößte Bank New Yorks. Am 22. Oktober musste die Bank innerhalb von nur drei Stunden 8 Millionen Dollar in bar bereitstellen, worauf sie am Mittag ihre Arbeit einstellte und ihren Bankrott erklärte. Dies veranlasste weitere Banken, ihre Einlagen aus New York abzuziehen, was wiederum zu Bank Runs in den Regionalbanken führte.

Am 23. Oktober kam New Yorks Nr. 2, Die Trust Company of America, in Zahlungsschwierigkeiten. Von ihren Reserven in Höhe von 60 Millionen Dollar wurden an diesem einen Tag 13 Millionen Dollar abgezogen, am Tag darauf weitere 9 Millionen Dollar, insgesamt 47,5 Millionen Dollar.

Auch der Lincoln Trust geriet in Bedrängnis. Am 24. Oktober brach die Börse zusammen. Die Kreditzinsen erhöhten sich auf 100 bis 150 Prozent, jedoch war selbst zu diesen Konditionen kaum noch Geld zu bekommen. Aktien wurden zu Kampfpreisen verschleudert, doch hatte mangels Liquidität niemand Geld, um diese zu kaufen.

Bis zum Jahresende brach der Dow Jones Index um 37,73 Prozent auf 58,75 Punkte ein. Der Bankier J. P. Morgan griff mit 10 Millionen Dollar in die Krise ein und übte Einfluss auf andere New Yorker Banken, die daraufhin mitzogen. Dies brachte wieder Liquidität in den Aktienmarkt und stützte die Kurse.

Im November kam ein weiterer New Yorker Broker in Bedrängnis und wurde mittels Krediten vor dem Zusammenbruch bewahrt. Das Institut war in Tennessee Coal, Iron and Railroad Company (TC&I) investiert, weshalb Aktionäre rasch begannen die Wertpapiere des Eisenbahnunternehmens abzustoßen. J. P. Morgan erhielt darauf die Genehmigung der US-Regierung, die TC&I in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu übernehmen.

J. P. Morgan – der Retter in der Not?

J. P. Morgan wird im Zusammenhang mit der Panik von 1907 häufig als der Retter in der Not erwähnt, der nur das beste für die amerikanische Bevölkerung im Sinn hatte. Dies sehen Kritiker jedoch anders. Etwa der Schweizer Freiwirtschaftler Fritz Schwarz beschuldigte Morgan und Rockefeller, die Panik des Jahres 1907 absichtlich herbeigeführt zu haben.

Die Regierung wurde zunächst durch eine Deflationskrise, also durch Austrocknung der Liquidität, in die Knie gezwungen. Auf diesem Wege sollte der den Crash herbeigeführt werden, um Konkurrenten und andere Unternehmen billig zu übernehmen.

Dieses rigorose Vorgehen sei die Folge eines Versuchs der US-Regierung gewesen, Rockefellers Standard Oil Company und Rockefeller selbst wegen Gesetzesverstößen zu verklagen. Hinreichend bewiesen werden konnte diese Theorie zwar nicht, doch kauften Rockefeller und J. P. Morgen unmittelbar nach dem Crash in der Tat massenhaft Aktien auf.

Die Panik von 1907 führte unter der Leitung von J. P. Morgan, Rockefeller, Rothschild und weiteren Bankiers Ende 1913 letztendlich zur Gründung des Federal Reserve Systems.

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mises

1 Kommentar

  1. Wir wissen doch (manche wissen es nicht) dass nach den langen Kondratjew Wellen diese Finanz- und Wirtschaftskrisen sich alle ca. 70 Jahren zu wiederholen pflegen.
    Der Umstand, das seit 1927 schon 89 Jahre vergangen sind ohne große Krise, halte ich für bedenklich. Die Notenbanken bringen weiter ungedecktes Geld in den Geldkreislauf und decken so die Risse im Gebälk zu. Das, was seinerzeit Ludwig von Mises, der die „österreichische Schule“ der Finanzökonomie begründete, sagte, ist absolut zutreffend.
    Wir leben heute absolut im Falschgeldsystem ´, weil den Geldscheinen oder dem elektronischen Geld keinerlei Wert zugrunde liegt. D.h. wenn man sich Basel II anschaut, dann müssten etwa 10 % unserer Ersparnisse durch reale Werte gedeckt sein. Eigentlich!
    Denn infolge des grenzenlosen „Rettungsschirms“ im Euroraum dürfte auch dieser Wert in naher Zukunft gegenstandslos sein. Damit dürfte das, was ein Jeder als sein „Guthaben“ bei der Bank ansieht, im Zuge eines Crash oder einer Währungsreform verschwinden.
    Letztlich werden dann nur noch zwei Dinge zählen: Wohneigentum und Beteiligung am Produktivkapital, wie Aktien das nun einmal darstellen. hat man allerdings auf das falsche Pferd gesetzt, z.B. auf die Deutsche Bank, braucht man starke Nerven.

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