Pakistan: 168 Kinder durch Drohnenangriffe getötet


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In einer umfangreichen Analyse fand das Bureau of Investigative Journalism heraus, dass seit Beginn der US-Drohnenangriffe auf Pakistan im Jahr 2004 insgesamt 2’292 Menschen ihr Leben verloren haben. Die Bombardements, die unter dem ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush begannen und während der Präsidentschaft von Barack Obama stark intensiviert wurden, sind bei der pakistanischen Bevölkerung verhasst, da zahlreiche Familien dadurch in Angst und Schrecken leben. Wie Augenzeugen berichten, löse jeder helle Punkt am Himmel bei den Menschen Panik aus, da es sich dabei um eine Drohne handeln könnte. Während eines einziges Angriffs auf eine Schule im Jahr 2006 verloren 69 Kinder ihr Leben. Aus der Studie geht auch hervor, dass seit Beginn der Angriffe im Jahr 2004 bislang 168 Kinder ums Leben gekommen sind, wie The Telegraph berichtet.

Der Leiter der Studie, Chris Woods, sagte, dass die Drohnenangriffe ein „Feldzug durch einen Geheimdienst“ seien. Weder der amerikanischen noch die pakistanischen Seite sei klar, wer für die Genehmigungen der Angriffe zuständig ist, so Woods weiter. „Das bedeutet, dass wenn etwas schief geht und ein Zivilist durch einen Drohnenangriff getötet wird, dann gibt es keinen Ansprechpartner für dessen Angehörige, weil niemand zuständig ist.“ Bisher wurden 775 Zivilisten bei den Angriffen getötet. Für die Studie lagen mehr als 2’000 Dokumente vor, in denen Fakten, Zeugenaussagen und Nachrichten gesammelt wurden, wie The Telegraph weiter berichtet. Daraus gehe hervor, dass sich die Drohnen zu einer Kriegswaffe entwickelt hätten. Ein bemerkenswerter Erfolg sei im Jahr 2009 die Tötung von Baitullah Mehsud gewesen, dem Chef der pakistanischen Taliban.

Heute findet in Pakistan im Durchschnitt alle vier Tage ein Drohnenangriff statt, die zumeist in Nord-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan ausgeführt werden. Pakistan ist nicht bereit, sich dem Druck der USA zu widersetzen und eine militärische Offensive gegen die US-Stützpunkte im Land durchzuführen. Menschenrechtsaktivisten betonen immer wieder, dass die Drohnen außergerichtliche Tötungen durchführen würden und dies internationales Recht verletze. Sam Zarifi, Asien-Pazifik-Direktor von Amnesty International, sagte: „Die Obama-Administration muss die rechtliche Grundlage für die Drohnenangriffe in Pakistan erklären.“ Die pakistanische Regierung müsse allerdings ebenfalls dafür sorgen, dass internationales Recht im eigenen Hoheitsgebiet gewahrt wird.

Das Weiße Haus hat das Drohnenprogramm in Pakistan bislang nicht bestätigt. Die US-Botschaft in Islamabad lehnte einen Kommentar ab.

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