An diesem Tag
02.07.1990: Russland will Ostpreußen zurückgeben


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Am 02. Juli 1990 ging in der deutschen Botschaft in Moskau ein Fernschreiben ein, in dem Russland die Rückgabe des nördlichen Ostpreußens an Deutschland anbot.

Ostpreußen
Ostpreußen, Rathaus Königsberg, Bildquelle: Dihlmann.de, mit freundlicher Genehmigung

An diesem Tag im Jahr 1990 ging in der deutschen Botschaft in Moskau ein geheimes Fernschreiben ein. Darin stand geschrieben, Russland sei bereit, über eine Rückgabe des nördlichen Ostpreußens zu verhandeln.

Zu dieser Zeit fanden auch die Verhandlungen zum 2+4 Vertrag statt und die Sowjetunion steckte in einer schweren Wirtschaftskrise. Das genannte Gebiet gehörte völkerrechtlich zu Deutschland. Die deutsche Regierung in Bonn jedoch wischte das Angebot vom Tisch mit der Aussage, die Wiedervereinigung habe Priorität und mögliche Probleme im nördlichen Ostpreußen seien eine Angelegenheit Moskaus.

Tatsächlich hoffte die Gorbatschow-Regierung im Falle einer Zusage der Bundesrepublik auf eine Geldspritze. Entweder durch einen Rückkauf der Region Königsberg-Kaliningrad oder durch Milliardenkredite im Austausch.

Problematisch war jedoch, dass nur sehr wenige Deutsche bzw. Russlanddeutsche und viele Russen in der Region lebten. Viele der Russen waren Soldaten und Soldatenfamilien, die man hätte einbürgern oder umsiedeln müssen.

Widerstand der Westmächte

Zudem wäre der Widerstand der USA, Frankreichs, Großbritanniens und Polens vermutlich so groß gewesen, dass die sog. Wiedervereinigung dadurch gefährdet worden wäre. Ein näheres Zusammenrücken zwischen Deutschland und Russland wurde und wird bis heute seitens der Westmächte stets mit Nachdruck verhindert.

Einige hochrangige Politiker in Russland strebten dies jedoch mehrfach an, um einen Komplex vieler Probleme zu lösen, „die sowohl Rußland als auch Deutschland gegenwärtig Schwierigkeiten bereiten“, schrieb das Ostpreußenblatt im Jahr 1998.

Man wollte zudem ein friedvolles Ende der blutigen Politik Stalins gegenüber Völkern und Staatsgrenzen einleiten, wie der russische Generalleutnant und Kreml-Berater  N. P. Klokotow im Jahr 1997 in seinem Buch „Grundlagen der Geopolitik / Die geopolitische Zukunft Russlands“ schrieb. Russland war bestrebt, völkerrechtliche Unklarheiten aus dem Weg zu räumen, um im Zuge des drohenden Zusammenbruchs der Sowjetunion das eigene Fortbestehen zu sichern.

Im Jahr 1991 bot Gorbatschow dem deutschen Bundeskanzler Kohl die Region Kaliningrad ein weiteres mal für 70 Milliarden Mark an. Auch Jelzin machte später ähnliche Angebote. Später stand laut Ostpreußen-Sprecher v. Gottberg ein Preis von 48 Milliarden Mark im Raum, worauf Außenminister Genscher erwidert haben soll, „Königsberg nicht einmal geschenkt“ haben zu wollen.

Völkerrechtliche Unklarheiten

Russland hatte während und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das Bestreben, alle völkerrechtlichen Unklarheiten aus dem Weg zu räumen, um das eigene Überleben zu sichern. Das Völkerrecht untersagt nämlich seit Juni 1945 ausdrücklich, dass eroberte Gebiete behalten werden dürfen.

Zwar wurde die Nachkriegsgrenze zwischen Deutschland und Polen an der Oder-Neiße-Linie im Jahr 1950 von der DDR offiziell durch den Vertrag von Zgorzelec (Görlitzer Abkommen) anerkannt. Doch geschah dies auf Druck Stalins. Im Jahr 1970 erkannte die Bundesrepublik Deutschland die Linie als De-facto-Grenze im Warschauer Vertrag an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ostpreußen zwischen Polen und der Sowjetunion aufgeteilt. Allerdings vorbehaltlich einer endgültigen Friedensregelung, welche laut einigen Quellen jedoch nur teilweise durch den außenpolitisch eingeschränkten 2+4 Vertrag erfüllt wird. Dieser wurde am 12. September 1990 unterzeichnet und legte die Oder-Neiße-Linie als Grenze zwischen Deutschland und Polen fest.

5 Kommentare

  1. Das ist soweit ich sehe deckungsgleich mit meiner eigenen Erinnerung.
    Der Umstand, das Genscher Königsberg „noch nicht einmal geschenkt“ haben wollte, geht natürlich auf die Angst des Vasallen vor den westlichen „Verbündeten“ zurück.
    Weniger die USA, sondern Frankreich, England und Italien waren das Problem.
    Heute wird wahrscheinlich von der Nato die kurzsichtige westliche Politik beim Zusammenbruch der UdSSR in Bezug auf Königsberg bedauert.
    Denn dort liesen sich heute amerikanische Abfangraketen stationieren!
    Und wäre bei der enormen Bombardierung Helgolands durch tausende Tonnen Sprengbomben nach dem Krieg durch die Briten, dieses Helgoland auseinander gebrochen, wäre das Natogebiet noch kleiner.

  2. „Russland“ will Frieden in der Welt – mit sozialer Geld-Finanz- und Marktwirtschaft – in Gerechtigkeit und globaler Kooperation. Nicht die Völker – sondern die Eliten – sind das Problem. Der Raubtier-Kapitalismus des „Westens“ macht Krieg – Reiche reicher und Arme ärmer – Dieses System hat für unsere Zeit ausgedient und ist heute deutlich erkennbar am Ende. – Erst wenn „Ost & West“ einen gemeinsamen Weg finden – dieses „Rüstungsdilemma“ umzuformen – werden wir alle Gewinner werden und prosperieren. So wahr uns Gott helfe. Amen.

  3. @Werner Kanapin.

    Wunderbar ! Das sollte §1 der neuen Weltordnung sein !

    Nicht zu vergessen, in Sibirien hat es genug Platz um die jetzigen „Eliten“ aus Politik und Wirtschaft einzusperren.

    MfG. grillbert aus Hamburg.

  4. @Dieter Porten – Kurze Anmerkung zu SAM Systemen, da du diese oberhalb erwähnst im Zusammenhang mit Polen

    Polen will oder wollte das Patriot System dazu kaufen. Aussagen dazu seitens früherer Verteidigungsminister. Jedoch außer des Kaufpreises sind da Bedenken, denn das System gilt als veraltet. Der Hersteller Lockheed hat was Neues und Besseres, die Israelis und andere Länder auch, aber diese Systeme sind wohl noch nicht einsatzbereit verfügbar.

    Textauszug aus Defense News
    Poland announced this past spring that it chose Raytheon’s Patriot system for its new air and missile defense program called Wisla. The plan was to buy two Patriot systems in the current configuration, followed by next-generation systems that include the AESA GaN radar and an open architecture that would allow a variety of interceptors to plug into the system. The two initial Patriot systems would then be retrofitted with next-generation capabilities.
    Poland and the US government began negotiations to purchase the first two Patriot batteries, expecting to sign a contract within a year. Yet officials close to the project and outside experts were quick to note that Raytheon should not declare victory just yet.

    Poland has expedited its missile system purchase due to escalating tensions in Russia. The country changed its requirements during the Wisla competition, declaring it could only consider already fielded systems. Originally, Poland considered MEADS, Israel’s David’s Sling and a French consortium’s offering. MEADS and David’s Sling were taken out of the running because they are still in development.

    Auszug Ende
    ———————————
    Auf der Website des Patriot Herstellers kann man ein pdf Dokument abladen über das Thema Patriot Abehrsystem in Polen. Gebe das untere als Suchbegriff ein.

    FACTS ABOUT RAYTHEON’S PATRIOT SOLUTION FOR POLAND

    Polen hat 4 Typen von Boden Luftraketen Systemen aus russischer Produktion, von denen sie 2 technisch selbst verbessert haben. Eigene Systeme sind in Planung. Die Effektivität einer SAM ist abhängig von den dazugehörigen Radarsystemen, und die werden permanent verbessert, dies gilt auch für alle anderen Raketensysteme der Airforce und der Navy. Die Israelis haben ihre verbliebenen Patriot Systeme selbst modernisiert, und das Patriot System gibt es in verschiedenen Ausführungen, so auch bei Kampfjets.

  5. Verbürgt ist meines Wissens nur der Verkauf von Königsberg.
    Doch was wäre das für eine Exklave jenseits von Polen?
    Das erinnert an die Insellage von Danzig vor dem Zweiten Weltkrieg.
    Die BRD hätte davon nichts gehabt, außer Kosten und Problemen. Was ist mit den 1990 dort wohnenden Russen?
    Nein, einen Vorteil hätte nur die Nato gehabt.
    Denn das wäre ein „idealer“ Standort für gegen Russland gerichtete Raketen. Die dummen westlichen Alliierten haben das anscheinend nicht kapiert und sahen ihren möglichen Vorteil gegen Russland nicht, sondern waren fixiert auf die Verhinderung eines „Deutschen Reiche“, bezw. „Deutschland“ schlechthin.
    Dieser Handel, man kann es drehen und wenden wie man will, wäre genauso verheerend für Russland gewesen, wie der damalige Verkauf von Alaska an die Amerikaner.
    Wäre Alaska heute noch russisch, wäre das ein wichtiger Vorteil strategischer Art für das heutige Russland.
    Dass es ganz Ostpreussen sein sollte, ist mir ehrlich gesagt neu. Genscher war von Anfang an gegen die „Rückgabe“ von Königsberg. Wahrscheinlich, weil ihm all das sofort klar war.

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