An diesem Tag
09.06.2011: „OccupyWallstreet“ wird ins Leben gerufen


Geschichte

Am 09. Juni 2011 registrierte Kalle Lasn die Domain OccupyWallstreet.org. Dies war der Beginn einer kurzen aber heftigen Protestwelle gegen das Establishment.

OccupyWallstreet
OccupyWallstreet, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 2011 registrierte Kalle Lasn die Domain OccupyWallstreet.org. Nur wenige Monate später begannen die ersten Proteste unter diesem Slogan. Aus den Protesten entwickelte sich eine Bewegung, die sich in den ganzen USA, Großbritannien und anderen Ländern ausbreitete. Hunderttausende gingen auf die Straßen und demonstrierten gegen Banken.

Die Demonstranten zeigten sich frustriert von der Korruption in der Politik und vom großen Einfluss der Banken und der Industrie auf die Regierung. Man setzte sich zum Ziel, die Politik zu Reformen zu bewegen und die ungerechte Verteilung des Wohlstands zu beenden.

„Wir sind die 99%“ war auf den OccupyWallstreet-Veranstaltungen stets zu hören. Sie bezeichneten sich selbst als die Verfechter der Demokratie, da sich in den USA und Großbritannien ein System etabliert hat, von dem sehr wenige Personen auf Kosten der „99%“ extrem profitierten. Es sei unklar, in wessen Interesse die Regierungen tatsächlich handelten.

Es wurde auf extreme Einkommensunterschiede und wirtschaftliche Ungleichheit hingewiesen. Tatsächlich wurde die Zahl durch wissenschaftliche Studien bestätigt und sogar noch übertroffen. Darunter findet sich beispielsweise die Hilfsorganisation Oxfam.

Die Bewegung wies auf die Tatsache hin, dass Politiker häufig aus wohlhabenden Kreisen stammen. So hätten etwa 66 Prozent aller britischen Abgeordneten Privatschulen besucht. Zum Vergleich: In der gesamten britischen Bevölkerung sind es nur sieben Prozent.

In den USA sind außerdem immer wieder die selben Familien in der Regierung oder in sonstigen politischen Positionen. Zudem wurde kritisiert, dass Wahlversprechen nicht eingehalten werden. Wie etwa 2010, als im Wahlkampf eine Streichung der Studiengebühren angekündigt wurde. Stattdessen wurden diese jedoch sogar angehoben.

Proteste

Angefangen hatten die Proteste im September 2011 mit ein paar Hundert Teilnehmer in Manhattan. Rasch breiteten sich die Demonstrationen auf über 1.000 Veranstaltungsorte in den ganzen USA aus. Solidaritätsproteste fanden in Los Angeles, Boston, San Francisco, Denver und Chicago, unter vielen weiteren Städten statt.

Die Bewegung schwappte auch in andere Länder über, wie Großbritannien, Italien oder Deutschland. So protestierten mindestens 5.000 Menschen vor der EZB in Frankfurt und errichteten Zeltlager. Genauso viele waren demonstrierten vor dem Kanzleramt in Berlin.

Auch in Hamburg, Köln, Leipzig, Dortmund und zahlreichen anderen deutschen Städten fanden Occupy-Proteste statt. Auch in Wien, Innsbruck oder Salzburg gab es Occupy-Proteste. Ebenso in den Schweizer Städten Bern, Zürich, Genf und Basel.

Reaktionen

Während einer Pressekonferenz am 06. Oktober sagte der damalige US-Präsident Barack Obama: „Ich denke, es drückt die Frustrationen aus, die die amerikanischen Bürger empfinden. Dass wir die größte Finanzkrise seit der Großen Depression hatten, riesige Kollateralschäden im ganzen Land … und doch sieht man noch immer die gleichen Leute, die versuchen, die Bemühungen gegen diese missbräuchlichen Praktiken, die uns das eingebrockt haben, zu bekämpfen.“

Am 18. Oktober 2011 schloss sich die Communist Party USA der OccupyWallstreet-Bewegung an. Am 19. Oktober 2011 sagte  Greenpeace-Chef Phil Radford im Namen von Greenpeace der Bewegung öffentlich seine Unterstützung zu. Laut Umfragen von Public Policy Polling und Rasmussen Reports befürworteten knapp 40 Prozent der Wahlberechtigten US-Bürger die Occupy-Bewegung.

In den USA wurde Occupy öffentlich von einigen berühmten Persönlichkeiten unterstützt. Darunter unter anderem David Crosby, Kanye West, Russell Simmons, Alec Baldwin, Susan Sarandon, Don King, Noam Chomsky, Jesse Jackson, Dr. Cornel West und Michael Moore.

Kritik

Kritiker warfen der Occupy-Bewegung eine zu schlechte Vernetzung vor, um mit anderen alternativen Bewegungen zusammenzuarbeiten. Auch kritisiert wurde die mangelnde Tiefgründigkeit. Es existierten offenbar keine langfristigen Lösungsansätze für eine Veränderung des Wirtschaftsmodells.

Am Ende wurde der Bewegung durch die großen Medien Antisemitismus vorgeworfen. Großbanken stünden häufig unter der Kontrolle jüdischer Milliardäre, ebenso die Federal Reserve, hieß es dort angeblich.

Der Nazi-Vorwurf machte die Debatte zwar etwas kompliziert, da sich OccupyWallstreet selbst als linke Bewegung verstand, welcher sich sogar kommunistische Organisationen angeschlossen hatten (was ebenfalls in der Presse kritisiert wurde).

Aber es funktionierte: Schon im November 2011 wurde es etwas ruhiger um Occupy, nachdem die Polizei einige Demonstrationen geräumt hatte. Eine feste Organisation wurde nie daraus. Doch bleibt die Botschaft von OccupyWallstreet weiterhin stark in der westlichen Gesellschaft verbreitet.

Quellenangaben anzeigen
guardian, cbsnews, occupy, cnnwikipedia, fox, washingtonpost



1 Comment

  1. Diese Leute sind reine Maschinenstürmer und somit intellektuell drittklassig!

    Die Börse abschaffen zu wollen, denn darauf würde es hinaus laufen, wäre dasselbe wie den Straßenverkehr abschaffen zu wollen, nur weil es Verkehrstote gibt.
    Es fallen auch immer noch Dachdecker von den Dächern- und doch wurde die Zunft der Dachdecker nicht verboten.

    Zurück zum Straßenverkehr: hätten wir keine Straßenverkehrsordnung würden die Verkehrsteilnehmer letztlich mit 100 und mehr Km/h durch die Städte rasen.
    Es bedarf also einer Regelung, genau wie der Kapitalverkehr und die Börsengesetze geregelt werden müssen.
    Es waren doch ultraliberale Kreise, welche Jahre vor 2008/2009 die bestehenden Regeln lockerten und somit den Beginn der Kreditkrisen herbeiführten.

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